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258 - kann man die verdammten Geister ausräuchern? Sie kommen
jede Nacht. W enn ich nicht das tue, was sie wollen, das tue ich
nie, zwingen sie mich zu diesem grässlichen Kräftemessen. Bisher
habe ich jedesmal gewonnen. Aber ich weiss nicht wie lange ich
das noch durchhalte.
0867 - 08.03.01 * 01:50:20
Ich glaube schon, 0867. Aber daß es ein stark von Hoffnung durchwachsener
Glaube ist, das will ich zugeben. Denn sie kommen ja doch immer
wieder, die Gespenster. Mit manchen lerne ich zu leben und hoffe
auf das, was man in den späten siebziger Jahren "friedliche Koexistenz"
nannte. Wenn die anderen mir Angst machen, schaue ich in den Spiegel
und vergewissere mich, daß allein ich sichtbar bin. Das ist ein
immerhin ein kleiner Sieg.
258 - 08.03.01 * 09:44:32
Niemand interesssiert sich für meine Arbeit. "Heute habe ich zwei
Stunden mit der Buchhaltung um eine Zwei-Mark-Quittung gekämpft."-
"Ach ja?"
11 - 08.03.01 * 13:02:21
Mit Weihrauch vertreibt man die Geister. Das hilft auch gegen
schlechte Gerüche und schwere Erinnerungen.
Bevor man einen neue Wohnung bezieht sollte man mit einem Weihrauchschwenker
gründlich jeden Raum ausräuchern. Dafür braucht man keinen Priester,
das kann man auch selbst tun.
Meine Großmutter schwört darauf. Damit hat sie den Geist einer
Frau vertrieben, die jede Nacht an ihrem Bett saß und sie vom
Schlaf abhielt.
123 - 08.03.01 * 14:01:10

5 - 08.03.01 * 18:00:24
Sie sitzen zu dritt an meinem Bett. Und sie sind jung. Manchmal
kochen sie sich auch was in meiner Küche. Aber sie sind ohnehin
der Meinung, es sei IHRE Küche.
0867 - 08.03.01 * 19:46:41
Manche Titel sind einfach dazu bestimmt, sofort nach Erscheinen
inflationär verballhornt, verblödelt und dadurch so bedeutungslos
zu erscheinen, wie sie es von Anfang an waren. Jüngstes Beispiel:
"Quiet Is The New Loud" von den Kings of Convenience. Eigentlich
erstmal sympathisch, wegen des kindlich-direkten Versuchs, gemeinsame
Sache mit dem Hörer zu machen, was in diesem Fall heißt, eine
Verabredung über die Sicht der Dinge zu treffen. Und was höre
ich nun tagaus tagein? "Besoffen is the new nüchtern", "doof is
the new klug", "reich is the new arm", "Arm is the new Bein",
undsoweiter. Was schließen wir daraus? Keine Parolen mehr. Geht
einfach nicht mehr, auch wenn sie so unaufdringlich sind wie die
der Kings of Convenience.
669 - 08.03.01 * 20:55:09
Arme 11, Bürogeschichten. Wie wäre es, wenn dein Chef sich übergeben
müsste, in den Abfalleimer mit der Aufschrift 'Confidential Waste'?
Oder wenn dein Büro jeden morgen in einem anderen Raum, Trakt,
Flügel wäre? Und dir jeder Umweg, jeder von Dir nicht durchdachte
Weg und die damit von Dir vergeudete Zeit, von Deinem Gehalt abgezogen
würde?.
Es ist so aufregend, wie du es Dir machst. Am unaufregendsten
ist es sicher, die Praktikantin zu ficken.
22 - 09.03.01 * 05:26:45
Freitag
Mir wird meine Arbeit nie klar werden. Wenn ich mir heute, da
ich im Bett liege, und zum ersten Mal nicht hingegangen bin, meinen
Vormittag vorzustellen versuche, rieche ich die Luft des Fahrstuhls,
der mich unangenehm nachfedernd in den siebten Stock befördert.
Mein Elan erliegt in dieser trockenen Luft bereits, so daß mir
auch immer der Zahlencode kurz entfällt, der mich eintreten läßt.
Von der Dame an der Rezeption sollte ich, so sagte man mir beim
Einstellungsgespräch, stets für den Tag wichtige Dinge erfahren.
Aber sie schreibt immer gebeugt Zahlen in ein Buch, so daß ich
sie ungern störe.
Wenn ich mir jetzt die Flure vorstelle, sehe ich Farben. Vor allem
das Grün des phosphorisierenden Feuerausgangsschildes. Die trockene
Hitze dort macht mich durstig und ich gehe die Gänge mehrfach
ab, weil ich immer wieder vergesse, in welchem Zimmer ich sitze.
Ja, jetzt ist es ein körperlicher Zustand, den ich beim Denken
an diese irritierte Verfassung empfinde, an vorübergehend leeren
Zimmern entlanggehend in Gedanken. Immer denke ich, sie sind gerade
nebenan.
Wenigstens habe ich mich schlau gemacht. Ich weiß, wo es Tee am
Automaten gibt, wo man seinen Müll los wird. Ich weiß auch, wo
etwas fehlt oder stört, die unausgepackten Kisten im Konferenzraum
zum Beispiel, oder der leere Kondomautomat auf der Herrentoilette.
Wenige nur hinterlassen der Klofrau ihr verdientes Trinkgeld.
Ich weiß auch, wo man sich hinwenden muß, wenn man etwas mit dem
Computer verschicken muß. Das Postfach ist immer wieder von Neuem
leer oder voll, wenn ich vorbeikomme.
An den Feuertreppen, die hinten hinaus gehen, halte ich mich oft
auf, wenn ich meinen Gang beendet habe, weil ich die Nummer meines
Zimmers wieder nicht gefunden habe. Von Zeit zu Zeit glaube ich,
daß vielleicht einfach die Zahlenkombination 3914 nicht stimmt.
Dann denke ich wieder, sie tauschen einfach diesen Fluchtraum
aus, damit ich wieder von Neuem suche oder haben etwas ganz besonderes
mit mir vor dort.
Als ich das letzte Mal in diesem Treppenhaus auf meine Mittagspause
wartete, weil ich wieder nicht fündig geworden war, fühlte ich
mich das erste Mal so, als stecke ein Plan dahinter von einem,
der immer ein Auge auf mich hat. Ich glaube, mit mir geht es hoch
hinaus.
Wenn ich nichts zu tun habe, kann das ja nur daran liegen, daß
ich so mächtig geworden bin hier, daß ich schon nichts mehr tun
muß, um ganz oben zu sein. Zu sitzen und zu überblicken. Entscheiden
muß ich ja schon lange nicht mehr. Ein großer Plan, ist das, von
dem ich nur noch nichts weiß. Heute bin ich nicht da, vielleicht
werde ich es morgen erfahren, vielleicht.
47 - 09.03.01 * 12:44:16

5 - 09.03.01 * 15:04:07
According to Dr. Jansen, ketamine can reproduce all the main features
of the NDE, including travel
through a dark tunnel into the light, the feeling that one is
dead, communing with God, hallucinations,
out-of-body experiences, strange noises, etc. This does not prove
that there is no life after death, but
it does prove that an NDE is not proof of an afterlife. In any
case, the so-called
365 - 09.03.01 * 16:31:35
"typical" NDE is not typical of anything, except the tendency
of
parapsychologists to selectively isolate features of a wide array
of
experiences and fit them to a paranormal or supernatural hypothesis.
Finally, Quigg Lawrence (Blinded by the Light) thinks that NDEs
are the
work of Satan. That is at least as good an answer as that they
are due to
real visits to other planes of reality.
365 - 09.03.01 * 16:54:21
Ich liege allein in der Sauna und schaue an mir hinunter. Mein Busen wirft
gerade Falten. Meine Beckenknochen sind spitz und erhaben.
Meine Rippen kann ich zählen. "Du Sack voll Geweihe", sagte meine
Eltern zu
mir, als ich noch ein Kind war. Eine Frau kommt in die Sauna. Sie ist klein
und rund. Ihr Hintern ein Ball, sie setzt sich und ihr Bauch verteilt sich
gemütlich in einzelne Rollen, die Brüste legen sich schwer darüber.
Sie hat
ein junges glänzendes Gesicht, ein frischer Apfel, in den man hineinbeißen
möchte. Wir reden. "Zwei bis drei Kilo nehme ich nach der Sauna ab,"
sagt sie
mit osteuropäischem Akzent. Ich sage, ich will lieber dicker werden.
Sie meint: "Sie haben wunderschöne Figur, schön dünn. Warten
Sie, dick kommt
früh genug..." Sie ist Mathematiklehrerin aus Rußland und bedauert,
daß in
deutschen Schulen keine Gedichte auswendig gelernt werden. Als ich mich
draußen in meine Handtücher wickle, kommt sie und hält mir ein
Glas Honig
vors Gesicht.
"Kommen Sie mit ins Dampfbad? Dort machen wir eine Honigmaske. Überall
massieren wir den Honig ein. Das macht die Haut jung."
Sie reibt über ihr Gesicht, ihr Dekolleté, ihre Brüste. Ich
sage nein, weil
meine Freundin, die ich lange nicht mehr gesehn habe, im Ruheraum auf mich
wartet. Die Mathematiklehrerin schaut traurig. Als ich später im Bett liege,
wünsche ich mir, ich wäre mit ihr ins Dampfbad gegangen und wir hätten
uns überall mit Honig eingerieben. Ich erinnere mich an eine Geschichte,
die
eine Freundin erzählte. Sie war in Rußland und ist abends mit Freunden
in
einem See schwimmen gegangen. Als sie aus dem Wasser kam, tauchte eine fremde
dicke nackte Frau aus dem See auf, umarmte sie und verschwand.
Die Freundin sagt, es sei ein wunderschönes Gefühl gewesen, an das
sie noch
oft denken müsse. Haut an Haut, Brust an Brust mit dieser Frau.
8 - 10.03.01 * 10:58:34

4 - 10.03.01 * 11:45:53
Denk dran 47, die Rezeptionistin sitzt in einer grossen Empfangsuschel,
putzt hoffnugsvoll Kaffetassen, insbesondere die eine. Vergiss
das nicht. Egal wie gross Du eines Tages rauskommen wirst
22 - 11.03.01 * 09:16:11
Denk dran 47, die Rezeptionistin sitzt in einer grossen Empfangsmuschel,
putzt hoffnugsvoll Kaffetassen, insbesondere die eine. Vergiss
das nicht. Egal wie gross Du eines Tages rauskommen wirst
22 - 11.03.01 * 09:16:37
Denk dran 47, die Rezeptionistin sitzt in einer grossen Empfangsmuschel,
putzt hoffnugsvoll Kaffetassen, insbesondere Deine. Vergiss das
nicht.
22 - 11.03.01 * 09:17:37
Das sollte da EINMAL stehen und nicht DREIMAL. Schönen Sonntag
22 - 11.03.01 * 09:23:42
Zweimal hat man mich schon angesprochen: "Entspann dich, du warst
doch früher mal Punkrocker." Was soll denn das bitte heißen? Mein
Experiment als Geheimagent in den Aggregatzustand Büro einzudringen
scheint fehl zu schlagen. Gemeine Korpuskel infiltrieren mich.
Die Welt ist größer als ich.
Hoffentlich überziehe ich hier nicht das Ganze mit Mehltau. Auch
ich lese an dieser Stelle lieber über Sex und Feuilleton, Freunde,
aber dafür seid ihr zuständig.
11 - 12.03.01 * 16:17:14
Du Dummerchen, er wartet auf deinen Anruf oder wenigstens ein
paar rauhe, elektronische Zeilen, hinter denen du deine Sehnsucht
verbirgst.
Als Teenager hat er Keyboard gespielt und Fingernägel gekaut.
Jetzt hat er ein Tonstudio und zuhause einen Flügel und gerade
in diesem Moment fängt er wieder an, auf den Nägeln zu kauen.
Das hättest du schon vor einigen Tagen am Telefon bemerken können,
wenn du nicht seinem Tonfall geglaubt hättest, der dich ja - das
muß ich dir zugute halten - glauben machen sollte, er sei nicht
wirklich an dir interessiert. Aber hättest du denn nicht etwas
genauer hinhören können? Das trockene Knacken der Fingernägel
in seinen Worten? Die verschwitzten Handflächen in seinem Lachen?
Morgen oder Übermorgen wird er eine Nagelbettentzündung haben
und dich hassen. Wenn du jetzt nicht anrufst.
36 - 12.03.01 * 17:32:51
Lieber Lorenz: Herzlichen Glückwunsch zu diesem unfaßbar souveränen
und symphatischen Auftritt in Bios Boulevard of broken schemes.
Wenn Deutschland jetzt nicht liest, dann nie, Deine
25 - 14.03.01 * 00:33:19
Wie einem diese Glückwunschnoten in ihrer degoutanten Plumpheit
für Tage die Lust rauben, hier hineinzuschreiben. Was ist denn
die Gratulation zu einem "unglaublich souveränen" Auftritt anderes,
als eine Beleidigung? Souveränität ist das Gegenteil von Künstlerschaft.
Und was heißt "unglaublich"? Dem Wortsinn nach "nicht zu glauben".
"Unglaublich souverän" ist Helmut Kohl, wenn er die Spendernamen
auch im fünfhundertsten Interview nicht preisgibt. Wollte 25 das
sagen? Aber nein, sie wollte nur ein bißchen begeistert quieken,
wie das ihrer Meinung nach schick ist. Setzten,
666 - 16.03.01 * 09:26:37
Und was heißt schon "unfaßbar"? "Nicht zu fassen" eben. "Unfaßbar
souverän" zu sein, davon träumt Jürgen Möllemann.
669 - 16.03.01 * 09:31:38
Ach, 666 und 669 oder 696 oder egal. Wenn doch nur alle ihre Beiträge
so textkritisch einwandfrei hinbekommen würden. Unfaßbar souverän,
das ist im ganz persönlichen Sinn einfach der Ausdruck dafür,
daß man es nicht fassen kann, wie jemand im Angesicht von Biolek
und der hunderttausendmal gesehenen Bioleksituation unbefangen
und schlau und sogar lustig normal zu reden versteht. Ist das
so mißverständlich und schwierig, oder nur jemandem nicht mehr
begreiflich zu machen, der sich allen Ernstes von einer Gratulation
lähmen läßt?
25 - 16.03.01 * 12:41:27
451 - 16.03.01 * 15:31:03