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pool 2 #4 (#84) 08.03.- 16.03.2001

pool 2 #3 / pool 2 #5




258 - kann man die verdammten Geister ausräuchern? Sie kommen jede Nacht. W enn ich nicht das tue, was sie wollen, das tue ich nie, zwingen sie mich zu diesem grässlichen Kräftemessen. Bisher habe ich jedesmal gewonnen. Aber ich weiss nicht wie lange ich das noch durchhalte.


0867 - 08.03.01 * 01:50:20




Ich glaube schon, 0867. Aber daß es ein stark von Hoffnung durchwachsener Glaube ist, das will ich zugeben. Denn sie kommen ja doch immer wieder, die Gespenster. Mit manchen lerne ich zu leben und hoffe auf das, was man in den späten siebziger Jahren "friedliche Koexistenz" nannte. Wenn die anderen mir Angst machen, schaue ich in den Spiegel und vergewissere mich, daß allein ich sichtbar bin. Das ist ein immerhin ein kleiner Sieg.


258 - 08.03.01 * 09:44:32




Niemand interesssiert sich für meine Arbeit. "Heute habe ich zwei Stunden mit der Buchhaltung um eine Zwei-Mark-Quittung gekämpft."- "Ach ja?"


11 - 08.03.01 * 13:02:21




Mit Weihrauch vertreibt man die Geister. Das hilft auch gegen schlechte Gerüche und schwere Erinnerungen.
Bevor man einen neue Wohnung bezieht sollte man mit einem Weihrauchschwenker gründlich jeden Raum ausräuchern. Dafür braucht man keinen Priester, das kann man auch selbst tun.
Meine Großmutter schwört darauf. Damit hat sie den Geist einer Frau vertrieben, die jede Nacht an ihrem Bett saß und sie vom Schlaf abhielt.


123 - 08.03.01 * 14:01:10






5 - 08.03.01 * 18:00:24




Sie sitzen zu dritt an meinem Bett. Und sie sind jung. Manchmal kochen sie sich auch was in meiner Küche. Aber sie sind ohnehin der Meinung, es sei IHRE Küche.


0867 - 08.03.01 * 19:46:41




Manche Titel sind einfach dazu bestimmt, sofort nach Erscheinen inflationär verballhornt, verblödelt und dadurch so bedeutungslos zu erscheinen, wie sie es von Anfang an waren. Jüngstes Beispiel: "Quiet Is The New Loud" von den Kings of Convenience. Eigentlich erstmal sympathisch, wegen des kindlich-direkten Versuchs, gemeinsame Sache mit dem Hörer zu machen, was in diesem Fall heißt, eine Verabredung über die Sicht der Dinge zu treffen. Und was höre ich nun tagaus tagein? "Besoffen is the new nüchtern", "doof is the new klug", "reich is the new arm", "Arm is the new Bein", undsoweiter. Was schließen wir daraus? Keine Parolen mehr. Geht einfach nicht mehr, auch wenn sie so unaufdringlich sind wie die der Kings of Convenience.


669 - 08.03.01 * 20:55:09




Arme 11, Bürogeschichten. Wie wäre es, wenn dein Chef sich übergeben müsste, in den Abfalleimer mit der Aufschrift 'Confidential Waste'? Oder wenn dein Büro jeden morgen in einem anderen Raum, Trakt, Flügel wäre? Und dir jeder Umweg, jeder von Dir nicht durchdachte Weg und die damit von Dir vergeudete Zeit, von Deinem Gehalt abgezogen würde?.
Es ist so aufregend, wie du es Dir machst. Am unaufregendsten ist es sicher, die Praktikantin zu ficken.


22 - 09.03.01 * 05:26:45




Freitag
Mir wird meine Arbeit nie klar werden. Wenn ich mir heute, da ich im Bett liege, und zum ersten Mal nicht hingegangen bin, meinen Vormittag vorzustellen versuche, rieche ich die Luft des Fahrstuhls, der mich unangenehm nachfedernd in den siebten Stock befördert.
Mein Elan erliegt in dieser trockenen Luft bereits, so daß mir auch immer der Zahlencode kurz entfällt, der mich eintreten läßt. Von der Dame an der Rezeption sollte ich, so sagte man mir beim Einstellungsgespräch, stets für den Tag wichtige Dinge erfahren. Aber sie schreibt immer gebeugt Zahlen in ein Buch, so daß ich sie ungern störe.
Wenn ich mir jetzt die Flure vorstelle, sehe ich Farben. Vor allem das Grün des phosphorisierenden Feuerausgangsschildes. Die trockene Hitze dort macht mich durstig und ich gehe die Gänge mehrfach ab, weil ich immer wieder vergesse, in welchem Zimmer ich sitze. Ja, jetzt ist es ein körperlicher Zustand, den ich beim Denken an diese irritierte Verfassung empfinde, an vorübergehend leeren Zimmern entlanggehend in Gedanken. Immer denke ich, sie sind gerade nebenan.
Wenigstens habe ich mich schlau gemacht. Ich weiß, wo es Tee am Automaten gibt, wo man seinen Müll los wird. Ich weiß auch, wo etwas fehlt oder stört, die unausgepackten Kisten im Konferenzraum zum Beispiel, oder der leere Kondomautomat auf der Herrentoilette. Wenige nur hinterlassen der Klofrau ihr verdientes Trinkgeld. Ich weiß auch, wo man sich hinwenden muß, wenn man etwas mit dem Computer verschicken muß. Das Postfach ist immer wieder von Neuem leer oder voll, wenn ich vorbeikomme.
An den Feuertreppen, die hinten hinaus gehen, halte ich mich oft auf, wenn ich meinen Gang beendet habe, weil ich die Nummer meines Zimmers wieder nicht gefunden habe. Von Zeit zu Zeit glaube ich, daß vielleicht einfach die Zahlenkombination 3914 nicht stimmt. Dann denke ich wieder, sie tauschen einfach diesen Fluchtraum aus, damit ich wieder von Neuem suche oder haben etwas ganz besonderes mit mir vor dort.
Als ich das letzte Mal in diesem Treppenhaus auf meine Mittagspause wartete, weil ich wieder nicht fündig geworden war, fühlte ich mich das erste Mal so, als stecke ein Plan dahinter von einem, der immer ein Auge auf mich hat. Ich glaube, mit mir geht es hoch hinaus.
Wenn ich nichts zu tun habe, kann das ja nur daran liegen, daß ich so mächtig geworden bin hier, daß ich schon nichts mehr tun muß, um ganz oben zu sein. Zu sitzen und zu überblicken. Entscheiden muß ich ja schon lange nicht mehr. Ein großer Plan, ist das, von dem ich nur noch nichts weiß. Heute bin ich nicht da, vielleicht werde ich es morgen erfahren, vielleicht.


47 - 09.03.01 * 12:44:16






5 - 09.03.01 * 15:04:07




According to Dr. Jansen, ketamine can reproduce all the main features of the NDE, including travel
through a dark tunnel into the light, the feeling that one is dead, communing with God, hallucinations,
out-of-body experiences, strange noises, etc. This does not prove that there is no life after death, but
it does prove that an NDE is not proof of an afterlife. In any case, the so-called


365 - 09.03.01 * 16:31:35




"typical" NDE is not typical of anything, except the tendency of
parapsychologists to selectively isolate features of a wide array of
experiences and fit them to a paranormal or supernatural hypothesis.
Finally, Quigg Lawrence (Blinded by the Light) thinks that NDEs are the
work of Satan. That is at least as good an answer as that they are due to
real visits to other planes of reality.


365 - 09.03.01 * 16:54:21




Ich liege allein in der Sauna und schaue an mir hinunter. Mein Busen wirft
gerade Falten. Meine Beckenknochen sind spitz und erhaben.
Meine Rippen kann ich zählen. "Du Sack voll Geweihe", sagte meine Eltern zu
mir, als ich noch ein Kind war. Eine Frau kommt in die Sauna. Sie ist klein
und rund. Ihr Hintern ein Ball, sie setzt sich und ihr Bauch verteilt sich
gemütlich in einzelne Rollen, die Brüste legen sich schwer darüber. Sie hat
ein junges glänzendes Gesicht, ein frischer Apfel, in den man hineinbeißen
möchte. Wir reden. "Zwei bis drei Kilo nehme ich nach der Sauna ab," sagt sie
mit osteuropäischem Akzent. Ich sage, ich will lieber dicker werden.
Sie meint: "Sie haben wunderschöne Figur, schön dünn. Warten Sie, dick kommt
früh genug..." Sie ist Mathematiklehrerin aus Rußland und bedauert, daß in
deutschen Schulen keine Gedichte auswendig gelernt werden. Als ich mich
draußen in meine Handtücher wickle, kommt sie und hält mir ein Glas Honig
vors Gesicht.
"Kommen Sie mit ins Dampfbad? Dort machen wir eine Honigmaske. Überall
massieren wir den Honig ein. Das macht die Haut jung."
Sie reibt über ihr Gesicht, ihr Dekolleté, ihre Brüste. Ich sage nein, weil
meine Freundin, die ich lange nicht mehr gesehn habe, im Ruheraum auf mich
wartet. Die Mathematiklehrerin schaut traurig. Als ich später im Bett liege,
wünsche ich mir, ich wäre mit ihr ins Dampfbad gegangen und wir hätten
uns überall mit Honig eingerieben. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die
eine Freundin erzählte. Sie war in Rußland und ist abends mit Freunden in
einem See schwimmen gegangen. Als sie aus dem Wasser kam, tauchte eine fremde
dicke nackte Frau aus dem See auf, umarmte sie und verschwand.
Die Freundin sagt, es sei ein wunderschönes Gefühl gewesen, an das sie noch
oft denken müsse. Haut an Haut, Brust an Brust mit dieser Frau.





8 - 10.03.01 * 10:58:34






4 - 10.03.01 * 11:45:53




Denk dran 47, die Rezeptionistin sitzt in einer grossen Empfangsuschel, putzt hoffnugsvoll Kaffetassen, insbesondere die eine. Vergiss das nicht. Egal wie gross Du eines Tages rauskommen wirst


22 - 11.03.01 * 09:16:11




Denk dran 47, die Rezeptionistin sitzt in einer grossen Empfangsmuschel, putzt hoffnugsvoll Kaffetassen, insbesondere die eine. Vergiss das nicht. Egal wie gross Du eines Tages rauskommen wirst


22 - 11.03.01 * 09:16:37




Denk dran 47, die Rezeptionistin sitzt in einer grossen Empfangsmuschel, putzt hoffnugsvoll Kaffetassen, insbesondere Deine. Vergiss das nicht.


22 - 11.03.01 * 09:17:37




Das sollte da EINMAL stehen und nicht DREIMAL. Schönen Sonntag


22 - 11.03.01 * 09:23:42




Zweimal hat man mich schon angesprochen: "Entspann dich, du warst doch früher mal Punkrocker." Was soll denn das bitte heißen? Mein Experiment als Geheimagent in den Aggregatzustand Büro einzudringen scheint fehl zu schlagen. Gemeine Korpuskel infiltrieren mich. Die Welt ist größer als ich.
Hoffentlich überziehe ich hier nicht das Ganze mit Mehltau. Auch ich lese an dieser Stelle lieber über Sex und Feuilleton, Freunde, aber dafür seid ihr zuständig.


11 - 12.03.01 * 16:17:14




Du Dummerchen, er wartet auf deinen Anruf oder wenigstens ein paar rauhe, elektronische Zeilen, hinter denen du deine Sehnsucht verbirgst.
Als Teenager hat er Keyboard gespielt und Fingernägel gekaut. Jetzt hat er ein Tonstudio und zuhause einen Flügel und gerade in diesem Moment fängt er wieder an, auf den Nägeln zu kauen. Das hättest du schon vor einigen Tagen am Telefon bemerken können, wenn du nicht seinem Tonfall geglaubt hättest, der dich ja - das muß ich dir zugute halten - glauben machen sollte, er sei nicht wirklich an dir interessiert. Aber hättest du denn nicht etwas genauer hinhören können? Das trockene Knacken der Fingernägel in seinen Worten? Die verschwitzten Handflächen in seinem Lachen? Morgen oder Übermorgen wird er eine Nagelbettentzündung haben und dich hassen. Wenn du jetzt nicht anrufst.


36 - 12.03.01 * 17:32:51




Lieber Lorenz: Herzlichen Glückwunsch zu diesem unfaßbar souveränen und symphatischen Auftritt in Bios Boulevard of broken schemes. Wenn Deutschland jetzt nicht liest, dann nie, Deine


25 - 14.03.01 * 00:33:19




Wie einem diese Glückwunschnoten in ihrer degoutanten Plumpheit für Tage die Lust rauben, hier hineinzuschreiben. Was ist denn die Gratulation zu einem "unglaublich souveränen" Auftritt anderes, als eine Beleidigung? Souveränität ist das Gegenteil von Künstlerschaft. Und was heißt "unglaublich"? Dem Wortsinn nach "nicht zu glauben". "Unglaublich souverän" ist Helmut Kohl, wenn er die Spendernamen auch im fünfhundertsten Interview nicht preisgibt. Wollte 25 das sagen? Aber nein, sie wollte nur ein bißchen begeistert quieken, wie das ihrer Meinung nach schick ist. Setzten,


666 - 16.03.01 * 09:26:37




Und was heißt schon "unfaßbar"? "Nicht zu fassen" eben. "Unfaßbar souverän" zu sein, davon träumt Jürgen Möllemann.


669 - 16.03.01 * 09:31:38




Ach, 666 und 669 oder 696 oder egal. Wenn doch nur alle ihre Beiträge so textkritisch einwandfrei hinbekommen würden. Unfaßbar souverän, das ist im ganz persönlichen Sinn einfach der Ausdruck dafür, daß man es nicht fassen kann, wie jemand im Angesicht von Biolek und der hunderttausendmal gesehenen Bioleksituation unbefangen und schlau und sogar lustig normal zu reden versteht. Ist das so mißverständlich und schwierig, oder nur jemandem nicht mehr begreiflich zu machen, der sich allen Ernstes von einer Gratulation lähmen läßt?


25 - 16.03.01 * 12:41:27





451 - 16.03.01 * 15:31:03