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pool 2 #3 (#83) 01.03.- 07.03.2001

pool 2 #2 / pool 2 #4



Ein Freund meiner Mutter nahm mich mit in seinem Citroën. Er hatte eine neue Freundin, eine rotblonde Dänin, die vorne neben ihm saß. Sie sprach ein sehr lustiges Deutsch, wahrscheinlich mit Absicht, denn die beiden tauschten Blicke, von denen ich glaubte, sie seien reine Verliebtheit.
Auf der Ablage im Fond lagen eine Menge Packungen des selben Präparats. Rot-Weiß, ich dachte es wäre Hustensaft.
'Was ist das?', fragte ich.
Ich mochte diesen Freund meiner Mutter gern, obwohl mir sein hageres Gesicht und seine hungrigen Augen ein wenig unheimlich waren.
'Das sind Wundsalben,' sagte er und drehte sich um, um die Wirkung seiner Worte auf mich zu beobachten,' die braucht man, wenn man sehr viel Sex hat.'
Ich sah die Schachteln noch einmal an, dann beschloß ich keinen Sex zu haben bis zu meinem 21. Lebensjahr.


35 - 01.03.01 * 07:56:30





Ich wünschte, ich könnte auch in ein Büro gehen. Ich lebe in einem Zustand von vollkommener Lethargie. Schon das Scheißen strengt mich so an, daß ich mich danach wieder hinlegen muß. Ein vollkommener Zustand, eigentlich.
Aber ich fühle mich nutzlos. Gerne würde ich im Internet das Wetten dass Logo heraussuchen, das kann ich gut, obwohl ich nichts gelernt habe. Ich müßte nicht einmal im Internet nachsehen, denn ich WEIß, wie das Wetten dass Logo aussieht.
Ich würde gerne jeden Tag in die Kantine gehen, dann würde die lästige tägliche Essensfrage wegfallen.
Ich würde mit Menschen reden, Geld verdienen und mein Leben hätte einen Sinn.
Ich hätte einen Feierabend, würde nach Hause kommen, wo ein kühles Bier auf mich wartet, das wie sonst im Eisschrank steht und ich hätte das Gefühl, mir das Bier VERDIENT zu haben. Ich würde fernsehen, um mich zu ENTSPANNEN und ich hätte ein richtiges Wochenende und URLAUB. Was würde ich mich über Feiertage freuen.
Mit einer richtigen Arbeit macht auch das Biertrinken viel mehr Spaß.


0815 - 01.03.01 * 09:09:31




Eine sanfte, leise Stimme erhebt sich, meldet sich zurück. Na, ihr Lieben? Habt Ihr meine Anweisungen vermisst? Nein? Nicht schlimm. Eine Woche ist vergangen, was ist geschehen? Ich lese vom Trinken, von Sex, sehe rätselhafte Bilder. Das Fasten mutet archaisch an, von Selbstkasteiung war die Rede. Doch Verzicht ist kein Relikt eines Psycho-Wahns des 20. Jahrhunderts. Nach Reinigung sehnt sich jeder, auch wenn er sich es nicht eingestehen will. Ich gebe eine Aufgabe aus: Fasten ist wie die Arbeit eines Tages, an dessen Ende man sich das eiskalte Bier (Ostern) gönnen darf. Vom Antrinken ist dann die Rede. Meine Patienten sind fasziniert, doch die erste Woche ist die schwierigste. Davon will ich lesen.


21 - 01.03.01 * 15:02:46




Qurantäne im Büro. Meine Chefin ist krank. Ich muss sie vertreten. Alles ist ruhig. Doch die nächste Panikattacke kommt bestimmt.


11 - 01.03.01 * 15:36:30




Ich finde es gerade ganz schrecklich hier im pool2. Ueber Sex kann und darf man nicht sprechen, es sei denn so wie in der grossartigen Serie "Sex and the City". Wir sitzen hier immer zu acht oder zehnt vor dem Fernseher. In den Werbepausen springt man auf, um ganz schnell aufs Klo zu gehen und wiederzukommen, bevor man etwas verpasst hat. Wir schauen aber auch alle gern die Werbung. Dazu trinken wir harmloses Bier oder Most.


34 - 01.03.01 * 16:30:46

 




Blöde alte-Säcke-Scheisse, Saft, Büro, Fasten, Frust.

Und Dr. 21 mit diesem semi-eso Rat und Tat Getue, onkelhaft saudoofe Fragen zu stellen, Antworten beknackt schwunglos lehrhaft, gleich mitzuliefen und zu allem Überfluss daraus dann eine Art Weisheit zu schmieden, die eine Herausforderung an die Welt sein soll.
Da wird mir so komisch dass ich trinke vor Ostern, an Ostern, und nach Ostern - was das Zeug hält. Täglich literweise. Nicht harmloses Bier sondern Schnaps.

Lieber wieder zu Sex switchen.
Ich erinnere mich an Sex mit J. Er sah aus wie Boris Becker, war Kfz Mechaniker und hatte eine Kreidler . Sex mit ihm war die reine Gymnastik. Er nahm mich in die Zange, dehnte und strechte meine Gliedmassen, warf mich hin und her als wären wir auf dem Tanzboden oder hätten einen Kampf auszufechten. In meiner Erinnererung heisst er, der Schleuderer. Ich möchte meinen, dass wir nie auch nur ein Wort miteinander geredet haben. Lange ging es gott sei dank nicht mit ihm, denn die Ferien waren vorbei, und wir reisten ab.
Dann war da noch A. Er war stark und gross, und so schwer, dass ich, nachdem wir miteinander geschlafen haben, ich unten, jedesmal Sodbrennen hatte. A. heisst aber nicht Mr. Sodbrennen, sondern ich nenne ihn den Zauderer, weil er seine Freundin dann doch nicht verlassen hat.
Mit R. war klasse. Wir knutschten stundenlang auf dem Bett, mit Schuhen an, während das Radio lief. Ich denke gerne an ihn, sein Namen kriegt liebevoll zärtlich italienische Endungen angehängt.


6666 - 01.03.01 * 18:26:19




Neulich in einer achteckigen Bar eines Hotels, das einem sehr kleinen Popstar
gehört: Genau diese Bar hatte ich mir ausgesucht, um mich vollaufen zu lassen
(eine vernünftige 8 geht nur in achteckige Bars). Eigentlich wollte ich
unauffällig in einer dunklen Ecke stehen, trinken und mir die Leute anschauen.
Das Problem dieser Bar aber war, daß sie zwar viele Ecken hatte, nämlich acht (oder
waren es sieben?), doch keine dieser Ecken war dunkel. Ich stehe also im viel
zu hellen Licht an einer der acht Ecken und der kleine Popstar kommt rein, stellt
sich neben mich und fragt:
"Hey, don't you think I'm sexy?"
"You are sexy and lofley," antworte ich.
"Really? Why?"
"You are so small."
"Why is this sexy?"
"Because it's not far from your mouth to your..."
"Don't say this word, I am a Catholic."
"Feet."
"So, if you think I'm sexy, let's spend the night together in my own hotel room."
"Thank you very much indeed for this invitation. But today I hate small men. The
smaller they are, the more I hate them."
"Sorry, I don't understand."
"A very very small man behaved like a real asshole today. This is why I am here -
alone in your achteckigen Bar, sweet little popstar."
Er schaut mir tief in die Augen. Ich schaue an seinen Augen vorbei auf den linken
Ärmel seiner Felljacke. Am Ellbogen ist ein großes Loch. Kein Wunder, so der sich
mit dieser Jacke immer aus dem Auto rausschmeißt.
"Wie heißt nochmal dein neues Lied?" frage ich höflich.
Der kleine Popstar geht hinter den Tresen, verjagt die schönen Kellnerinnen. Er
stellt sich in die Mitte des Achtecks, ein Mikro kommt aus dem Boden. Eine schmale
achteckige Säule wird hochgefahren und der kleine Popstar schwebt in die Höhe.
Von dort oben gibt er ein Handzeichen, Musik wird eingespielt, er beugt sich
zu mir hinunter und fängt an zu singen:
"You've got to get yourself together, you..."
Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, daß ich verschwinde.


8 - 01.03.01 * 21:31:18




Heute ist Die Technik im Büro und konfiguriert. Nun funktioniert nichts mehr, Drucker und interner Server sind ausgefallen. Die Technik ist nuschelnd verschwunden. Eigentlich müsste ich nun sagen: So geht es nicht! Aber was solls, es ist Freitag Nachmittag.


11 - 02.03.01 * 15:34:31




"40 is the new 30." Sagt 37 (erstmals schwanger).


555 - 02.03.01 * 19:43:05









33 - 03.03.01 * 20:10:00




Ansprüche herunterschrauben: Vielleicht reicht auch die alte Devise "Kein Tropfen vor Sonenuntergang. Hilft mir schon mal weiter.


47 - 04.03.01 * 22:42:19




Huppsi, schon vertippt.
Ansprüche herunterschrauben: Vielleicht reicht auch die alte Devise "Kein Tropfen vor Sonnenuntergang". Hilft mir schon mal weiter.


47 - 04.03.01 * 23:02:59




Auf der Nase meines Nachbarn blüht ein Pickel. Beim Kraten seines Bartes entstehen grässliche Geräusche. Habe ich, da ich immer noch meine kranke Chefin vertrete, nicht Anspruch auf einen eigenen Schreibtisch? Wie macht man das? Ich bin eben nicht von dieser Welt.


11 - 05.03.01 * 17:07:23




Ich habe beschlossen, die Zimmer auszuräuchern.
Der Rauch der kleinen, nach Sandelholz duftenden Pyramiden wird sie reinigen, wird alles auslöschen. Gelächter, Vertrautheit, Erinnerungen, den Abschied.
Es wird davon einen leichten, grauen Schleier an den frisch gekalkten Wänden geben, hoffe ich.
Morgen nachmittag werden Studenten kommen und mein Bett in das eine Zimmer stellen. Abends werde ich es mit einem Duft belegen. Diesmal kein Räucherwerk, sondern ein Öl namens "Euphoric". Neue Zeiten, sie brechen jetzt an. Ich habe es mir jedenfalls vorgenommen.
Das andere Zimmer wird strenger behandelt. Lavendel. Es hat auch mehr Geister, die auszutreiben sind. Vielleicht werde ich später die Wicken-Sämlinge hineinstellen, die ich gestern für den Balkon angesetzt habe. Aber ob sie stark genug sind, dann noch zu blühen?
Es würde mich nicht wundern, wenn sie alle schwarz wären. Im Sommer.
Denn der wird ja doch kommen.


258 - 05.03.01 * 21:12:57




Wie ich heute in den Bus einsteige und ganz brav beim Busfahrer meine völlig überteuerte Fahrkarte bestelle, fällt mein Blick beim Warten auf die Tastenliste des Busfahrers und ich glaube zunächst, ich lese nicht richtig, denn da steht ungelogen in maschinell gefertigten Buchstaben das Wort "Razzia". Da ich den Busfahrer vorsichtig frage, was mit dem Verkehrsmittel passiert, wenn er die "Razzia"-Taste drückt, schaut er mich mit hochgezogenen Augenbrauen an, atmet durch die Nase aus, als ob ich das nun wirklich wissen könnte und sagt:
"Das ist wenn die Fahrscheinkontrolle kommt. Dann muß ich schnell auf "Razzia" drücken, damit keiner mehr seinen Fahrschein an den Automaten entwerten kann, bevor er kontrolliert wird."
Schwarzfahrer-Razzia. Unfaßbar.


47 - 05.03.01 * 23:37:21




Goldfrapp: Utopia.


25 - 06.03.01 * 00:13:20




Heute hat meine Schwester Geburtstag. Wir sind sehr verschieden und trotzdem versuche ich zu erinnern, was ich vor zehn Jahren an meinem 23. Geburtstag gemacht habe.
Meine Zeiteinteilung der Erinnerung ist wie folgt: Alles, was bis vor ungefähr drei Jahren war, besteht aus verschiedenfarbigen Kugeln der Erinnerung, generell in den Farben Blau und Grün, was für Unreife und Flächigkeit steht. Einzelne Momente sind klar. Die Gegenwart ist Orange, nein eher Weiß, ein momentanes Zeit-Raum-Kontinuum und ich habe das Gefühl ein Pilz zu sein, der über einen Kilometer hinaus seine haarfeinen Wurzeln verteilt hat. Das Gefühl der Gleichzeitigkeit. Die Zukunft ist Orange, ein Nebenraum, groß, genaue Maße, vibrierend. Das liegt an meinem hoffnungsvollen Naturell. Und ich sehe sehr gerne zu wie sich dieses Orange im Laufe der Zeit in ein Weiß verwandelt, als würde ich ein Wassereis aussaugen.
Das ganze passiert in der Bewegung, deshalb schwimmen die Kugeln der Vergangenheit hinter mir her wie die Luftblasen einem Schwimmer.
Mein 23. Geburtstag. Ich glaube, ich ging schon am Morgen zu Reichelt eine Flasche Vodka stehlen und zwei Packungen geräucherten Lachs. Die Zigaretten habe ich bezahlt. Camel ohne Filter. Dann ging ich zurück in meine Hinterhofwohnung und legte mich zu meiner Freundin zurück ins Bett. Es war noch kalt und wir hatten keine Lust schon morgens die Bolleröfen einzuheizen. Wir schliefen bis zwei, dann aßen wir den Lachs und tranken Wodka. Meine Freundin damals hatte einen sehr hübschen, etwas herausstehenden Zahn oben links.


62 - 06.03.01 * 19:34:43




Sagt 37 das, weil sie Angst hat, eine alte Mutter zu sein oder weil sie sich so jung fühlt?


8 - 06.03.01 * 21:14:01




Producers of a hit US sitcom have been forced to re-edit an episode from the 1980s after an eagle-eyed viewer spotted a character exposing himself.

The viewer was watching an old episode of Three's Company on Nickelodeon and noticed actor John Ritter's scrotum pop out of his boxer shorts as he lay on a bed.

Nickelodeon say 'blue' moment would be cut from the show, which has not been spotted before despite the series being repeated several times.

A Nickelodeon spokesman confirmed the gaffe, reports NBC, saying: "Yes. His scrotum falls out of his shorts."


1037 - 07.03.01 * 10:38:46




Wer mit Praktikanten schläft klaut auch die Besprechungszimmerkekse.


11 - 07.03.01 * 13:22:23




Vor der Lesung entschuldigt sich die stellvetretende Schulleiterin, daß sie nicht dabei sein kann. Ein ehemaliger Schüler hat sich erschossen, nachdem er in einer Deutscharbeit mit Hilfsunterlagen erwischt wurde. Er hatte die Arbeit noch zu Ende schreiben dürfen, war dann nach Hause gegangen und hatte die Polizei vorher informiert, daß er sich mit einer Pistole erschießen werde. Die Abitursklausur, von der einige Schüler in die Lesung kamen, befaßte sich mit Essays zur Moral von Friedrich Dürrenmatt.


47 - 07.03.01 * 13:36:43









33 - 07.03.01 * 17:23:15



 



"The most important thing about this film to me is that unlike slide shows, you can't update them, and that everybody's life has changed so much since that film. Greer is dead. David broke up with his boyfriend. Sharon and her girlfriend broke up. Both David and Sharon have lost about forty pounds. Bruce is back on drugs. There's no way to update it, so it seems like historical fact, where it was only true for that year."



Der grüne Punkt im Dunkeln hört auf zu leuchten. Die Alarmanlage der Infusionspumpe wird ausgelöst. Frederik kommt herein, gefolgt von der Nachtschwester. Sie kontrolliert die Geräte, dann dreht Frederick seinen regungslosen Freund zur Seite, während die Schwester die Schläuche unter seinem Arm entwirrt. Das Bett ist feucht. Wortlos ziehen die beiden das Spanntuch unter Karl hervor, legen ein neues an, drehen ihn um. Als sie ihm ein frisches Nachthemd anziehen, greift Karl nach Frederiks Hand. Er schläft einen traumlosen Schlaf, gleich einem Astronauten, der bewußtlos durchs All treibt. Frederik hält ihn fest, und zieht den Stuhl ans Bett, und bleibt so sitzen, bis Karl den Griff lockert, und sich einrollt. Es ist der Morgen zum 21. November. Vielleicht wird es heute schneien. Seine Beine fühlen sich taub an. Das Bett, das für ihn ins Zimmer gestellt wurde, ist noch immer mit einer Plastikplane abgedeckt. Er zieht sich einen Pullover über den Kopf, und beginnt zu packen, Schmutzwäsche, eine Thermoskanne, Magazine, ein Buch von Melville, mitgebrachte Süßigkeiten, die sich in rauhen Mengen auf dem Fensterbrett stapeln, weil Carl sie nicht mehr essen kann. In der Entbindungsstation auf der anderen Seite des Gartens flackern nach und nach die Deckenbeleuchtungen in den Etagen auf. Halb von einer Milchglasscheibe verdeckt, stapelt eine Stationshilfe Laken und Handtücher auf einen Rollwagen. Über den Dächern steigt feiner weißer Rauch in die Luft, dem Frederiks Blicke folgen. Zwischen vorbeiziehenden Wolken kann er Sterne sehen. Draußen regen sich die Amseln . Mit der Tasche in der Hand bleibt er vor Karls Bett stehen, dann setzt er sich hin und sieht seinem Freund ins Gesicht. Es gleicht einer verblichenen Landkarte, zwischen fleckigen Inseln aus bräunlichem Pigment scheint Carls weiße Haut wie ein schweigendes Meer zu strömen. Speichel rinnt aus seinem linken Mundwinkel. Als Frederik ein Papiertuch vom Nachttisch nimmt und ihm über das Kinn streift, zuckt Karl kurz zusammen, und öffnet langsam die Augen. Die Beiden flüstern, ein kurzes Lachen ist zu hören, dann umarmen sie sich behutsam, ohne sich wirklich zu berühren. Minuten später ist Karl wieder eingeschlafen. Das Thermometer unter seinem Arm zeigt 38,9 Grad an. Ein Lufthauch zieht durch den Raum, hinweg über die Maserungen der ockerfarbenen Tapete, wirbelt die Staubflocken unter dem Bett auf, zieht vorbei an den Chromstangen des Rollstuhls, und verflüchtigt sich durch das gekippte Toilettenfenster hinaus ins Freie.



365 - 07.03.01 * 18:50:12