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pool #79 01.02.-07.02.2001

pool #78 / pool #80

 

 




Jetzt wäre eigentlich der Zeitpunkt mit einer pool-Tradition zu
brechen und die Zurückhaltung aufzugeben. Jetzt, da es endet,
wie es war. Ich bin erstaunt wohin der pool in fast zwei Jahren
ging. Von der Idee das Leben um die Kunst zu dokumentieren, zu
einer Seite, auf der Texte und Bilder zu sehen waren, die eher
abgeschlossen sind und für sich stehen. Mit diesem leichten Touch
der unterschwelligen Kommentierung. Ein eigener Stil, der für
uns aber hier endet. Der nächste Schritt ist das auszudehnen und
gleichzeitig zu bündeln, indem nur einer oder einige zusammen
eine Woche den pool für sich haben. Ich hoffe keiner hat sich
durch diese Entscheidung überfahren gefühlt. Wir denken an: Erweitern,
nicht an: aufgeben.

Manchmal hatte der pool Fünfhundert Leser am Tag, manchmal Sechstausend.
Das verraten einem Menschen, die sich darüber wundern, wieviel
auf ihren Servern los ist, obwohl wir nur Zwölf Mark Fünfzig im
Monat dafür bezahlen. Aber im Moment wird es eh gesponsort.Es
gab immer solche Angebote. Ob man nicht zusammenarbeiten wolle,
mit dem und dem Konzern, diesem oder jenem Buchhändler, Verlag,
Onlinebuisiness. Daraus ist nie was geworden und das war ganz
richtig so. pool sollte ja nicht verwertbar sein, sondern gelesen
und gesehen werden.


Der Stil ist interessant, kurze Texte, Bilder, die in das Format
passen (mußten), also ein Zwang und ein Wollen, die etwas sehr
eigenes ergeben haben. Daß das jetzt vorbei ist, betrübt uns nicht.
Ich schreibe meinen Roman auch anders als meinen ersten.

Auch dachte ich oft, wir haben versäumt, neue Gäste einzuladen,
das ganze aufzufrischen, denn man sah dem ganzen nie die Arbeit
an, aber irgendwann den Hauch einer Erschöpfung. Aber es ist so,
an einem gewissen Punkt will man seine eigene Arbeit für sich
machen, man muß. Das andere muß Zurücktreten. Weggehen von einer
Öffentlichkeit, arbeiten.


pool wurde zwar von uns entworfen, aber gemacht haben ihn alle,
die daran gearbeitet haben. Ich will es immer wieder betonen,
weil man sich oft nur ans uns wendet, wenn es um einen Artikel
oder Film über pool geht. Und umgekehrt hat die Arbeit hier wieder
ein Licht zurückgeworfen auf das Eigene, auf die Bücher und die
Kunst, das Schreiben und Denken, so wie es auch gedacht war.

Geplant war am Anfang etwas sehr Chaotisches (im Vergleich zu
jetzt), ein anregendes Durcheinander vieler Ideen, Skizzen und
Pläne, eher in einer Gesprächsform und das werden wir auch wieder
aufgreifen, denn ich für meinen Teil habe immer die Umgebung,
die Begleitumstände und Einflüsse neben der Kunst, dem Schreiben,
für genau so wichtig empfunden wie das Werk, die Arbeit selbst.
Ich habe mir, vielleicht aus einer eigenen Beschränktheit oder
einem Nichtdurchschauen, eine Transparenz gewünscht, einen Hintergrund
zu dem Kunstwerk, das mich beeindruckte, zu dem Buch, das ich
verschlungen habe.

Wir werden das später in ein Buch packen und pool behalten.




Den ganzen Tag geht mir eine Stelle aus einem Brief durch den
Kopf, den uns Freunde geschrieben haben. Es ist fast, als würde
er die Sehnsucht ausdrücken, die ich bisweilen habe, den Wunsch,
den Tag NICHT am Computer zu verbringen:



" ... it is deep winter here and we are heating our workingplace
with wood. I still have my winterjacket on because we are just
starting the burning of it - Carlos looks like one of the seven
dwarfs of blanche neige (Schneewittchen) with his pointy hat -
and we are listening to the soundtrack of Apocalypse Now. What
a picture - what does yours look like? Certainly no children with
woolen strumpfen ..."






Sven Lager - B. - 01.02.01 at 22:08:48







Ursula Döbereiner Berlin - - 02.02.01 at 14:28:36




1
Plötzlich, weil ich Schließzeiten verwechselt hatte, gehörte der Nachmittag mir. Ich ging um die neben dem Archiv gelegene Kirche herum, an deren nagelneuen Taubengittern man die erst kürzlich abgeschlossene Renovierung erkannte.
2
Auf dem Mariannenplatz krächzten die Raben. Ein Mann ging schnell darüber, als hätte er es eilig, aus dem Wind zu kommen.
3
Am Eingang der Kirche war ein Schild angebracht. Prof. Adler sei der Architekt. Ich dachte über Titelnennungen nach, und las die Einladung, beim Kirchenchor mitzumachen. "Das sieht ziemlich zu aus!" rief der Mann, als ich mich zum Gehen umwandte. Ja, sagte ich. Und daß das schade sei. Der Mann kam zu mir auf die Treppe. Dies sei St. Thomas. Ob ich wisse, wer das gewesen sei? Er erzählte mir von den anderen Kirchen, also Emmaus und Lazarus und noch zwei anderen, und daß vor 130 Jahren die Thomasgemeinde über 100.000 Glieder gehabt hätte. Als der preußische König dann Kaiser wurde, sei alles in die Stadt geströmt, insbesondere junge Leute. "Und die gingen ja gleich in die Produktion." Sonnabends hätte es vierzehn, fünfzehn Trauungen hintereinander weg gegeben, und sonntags hätten die Kinderwagen zur Taufe Schlange gestanden. So sei das damals gewesen.
4
Übrigens hätte er einen Schlüssel zum Nebeneingang, zur Empore. Ob ich noch Zeit hätte?
5
Oben zieht er schwungvoll seine Lederkappe vom Kopf und verstaut sie in seiner Jacke, und es ist klar, das hat er schon hundertausende von Malen in seinem Leben so getan. "Ich spiel Ihnen mal zwei Choräle, damit Sie sehen, was unsere Orgel so kann." Den Refrain von "Komm Herr, segne uns" singe ich mit.
6
Als wir uns verabschieden, stellt er sich vor. "Porittka. Ja, genau, aus Masuren. Ich war hier drei Jahrzehnte Kantor. Und Sie?" "Samson", sage ich. "Ach... wie war das noch..." Er streicht sich über den Schädel mit den kurzgeschorenen grauen Haaren. "Genau", sage ich. "Dalila." Gleichzeitig machen wir mit Zeige- und Mittelfinger eine Schere.


Carmen Samson Berlin - - 03.02.01 at 11:45:21




Ich war frisch geschieden, also gerade zu meinem Ex-Mann zurückgekehrt, als ich den Musiker entdeckte und aufhörte zu beten.
Mein Ex-Mann war auf Arbeit oder sonst was, ich konnte nach Hause gehen, wann es mir paßte, also ging ich auf diese Party.
Der Musiker lag auf einem Kissen und beachtete niemanden. Mich auch nicht. Ich beachtete ihn und sonst keinen.
Darling Companion.
Im Laufe der Stunden rückte ich näher. Irgendwann lag ich neben ihm auf dem Kissen, hielt meine Nase in seinen Atem und sog die warme, verbrauchte Luft ein. Sie war voll mit Opium.
(Your love is) like a drug.
Der Musiker leckte mir über die Oberlippe, bevor er mich das erste Mal ansah. Mein Schlüpfer war schon naß, bevor er mich überhaupt berührte. Sein Schwanz schmeckte wie ein Neun-Volt-Block. Die Milben verpissten sich.
Faster! - That's alright.
Während wir fickten, ging irgendwann die Musik aus und als wir fertig waren und ich mich wieder anzog, drückte er mir das Tape in die Hand.
Zuhause stopfte ich meine fleckigen Kleider in die Waschmaschine und während ich in die Trommel starrte, hörte ich die Kassette an.
Am Abend war ich noch immer so fickrig, daß ich es zweimal mit meinem Ex-Mann machte. Er merkte nicht, daß ich dabei leise sang.


Britta - 05.02.01 at 17:10:41




Vorsicht Literatur!

von Sylvia Frevert

Diese Warnung muss ich einfach nach Lektüre des Buches so provokant an den Anfang setzen. Mehrfach schrieb ich mir an den Textrand Bemerkungen wie "Was soll das?", beispielsweise :

"... obwohl ich mich hier nur stumm und dumpf durch die Landschaft bewege, wie jeder beliebige Tintenfisch oder Triathlet. Hat jemand schon mal einen Triathleten einen Satz mit mehr als einem Komma sagen hören? "

Soll ich das komisch finden? Ist das Literatur? Ist das vielleicht sogar literarische Kunst und ich merke nichts davon?
Für mich ist der Beweis des Autors, dass er sich selbst nicht zu den seiner Meinung nach sprachlich minderbemittelten Triathleten zählt und Sätze mit deutlich mehr als einem Komma bilden kann, einfach nur schrecklich. Der "bessere Mensch" Schröter verunglimpft aber nicht nur Triathleten, sondern auch ältere Damen...

"Hoffentlich sieht das kein Tierfreund. Der zeigt sie an,' meint eine Passantin. Das käme mir gerade recht, ein blöder Tierfreund, der sich aufregt, weil ich meinen Esel schlage, das dumme Vieh."

Leser sagen über Buch:

Liebe Sylvia Frevert,

Beim Lesen der von Ihnen ausgewählten Passagen aus diesem "Schinken" musste ich wirklich an mich halten, um nicht in Rage zu geraten.
Ich weiß, dass es solche Leute wie diesen Schröter immer geben wird, und man es oft sehr schwer hat manche Leute bei Tierquälerei zur Verantwortung zu ziehen. Aber meine erste intuitive Frage, die ich mir in Gedanken gestellt habe ist:
Kann man Lorenz Schröter, der in einem Buch öffentlich zugibt, ein Tier gequält zu haben (mehrfache und wohl auch harte Schläge, siehe Zitat unten, sowie offensichtliche Überforderung des Tieres bei diesem Unterfangen), nicht auf Grund dessen wegen erwiesener Tierquälerei anzeigen?

Axel Schwerdtner

P.S.: Ich finde es toll, dass Sie auch so ein Schrottbuch in der Buchbesprechung aufgenommen haben! Hoffentlich öffnet es vielen möglichen Lesern dieses Werkes die Augen und veranlasst sie dazu es NICHT zu kaufen!

Lieber Herr Schwerdtner,

Sie haben da eine sehr interessante Frage gestellt, die ich gleich mal zuständigkeitshalber an unseren Amtsveterinär weitergegeben habe, der für Tierschutzangelegenheiten zuständig ist.

Herr Dr. Hollensteiner vom Kreisveterinäramt Detmold erklärte mir, dass man aufgrund der schriftlichen Äußerungen in dem Buch durchaus Anzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz erstatten kann. Die entsprechenden Passagen sind dabei anzugeben bzw. zu fotokopieren mit Quellenangabe.

Eine weitere Rückfrage bei Rechtsanwalt Kai Bemann, Verden, Spezialist in Rechtsangelegenheiten rund ums Pferd, ergab, dass die zuständige Staatsanwaltschaft nicht vom Wohnort des Betroffenen abhängig ist, sondern sich auf den jeweiligen Tatort bezieht.

Dies kann man gut nachhalten, da der Autor seine Kapitel mit Ortsangaben versehen hat. Mein erstes Zitat "Alles Zerren, Schimpfen, Zureden und Prügeln nützt nichts ..." ereignete sich 2 km vor Neustadt/Hessen. Das zweite Zitat "Ich muss sie gewaltig schlagen ..." ereignete sich auf einem Reiterhof in Niederweimar. Dort wurde der Autor von der Passantin angesprochen.

Wichtig für die formale Korrektheit einer Anzeige ist auch, dass die Tat noch nicht verjährt ist. Straftaten gegen das Tierschutzgesetz verjähren nach 5 Jahren, so erfuhr ich von Herrn Bemman. Der Esel-Trip durch Deutschland fand 1998 statt.

Vermutlich wird Herr Schröter zur Anzeige befragt werden. Für das Urteil ist natürlich die Beweislage ausschlaggebend wie die Staatsanwaltschaft die Beschreibungen des Autors im Buch - quasi die schriftliche Aussage, diese Taten begangen zu haben - dann wertet, ist fraglich. Wäre es ein Roman, könnte er sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass der Inhalt reine Fiktion ist. Das ist bei diesem realistischen Reisebericht in Tagebuchform aber sehr unwahrscheinlich.

Sylvia Frevert

Aus: www. Pferdezeitung.com/b146


Lorenz Schröter Berlin - - 07.02.01 at 13:56:00





Ah, endlich. Der neue Pool. Lange mußte ich hierauf warten.


34 - 07.02.01 at 18:50:50