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pool #77 15.01.-22.01.2001

pool #76 / pool #78

 



1
Es war ein überraschend anregender Abend gewesen. Letzten Sonnabend, mit Martin. Er hatte offenbar seinen ganzen Mut zusammennehmen müssen, aber dann doch gefragt: "Du, Britta, ich hab Theaterkarten geschenkt bekommen. Wollen wir nicht...?" Es war unklar, ob er den Satz unbeendet baumeln ließ, weil ihn die alte Schüchternheit übermannt hatte, oder weil ein weiteres Formulieren dieser Frage peinlich gewesen wäre.
2
Sie hatte zugesagt. In dem Gefühl, ein Theaterbesuch lenke in ausreichendem Maße von Martins Stoffeligkeit ab, und böte vielleicht sogar Gesprächsstoff für hinterher. Wie sich herausstellte, war ihr Optimismus berechtigt.
3
Im Restaurant kam Martin auf seine Leidenschaft zu sprechen: Surfen. Im Netz. "Nein!" rief Britta aus. Ob er denn wisse, daß sie selbst im Netz -- ja, sozusagen auf der anderen Seite? Sie lachten.
4
Bei sich zuhause führte sie ihm Pool vor. Und zum Beweis, daß ihr die weiße Fläche unter "Schreiben" keine Angst machte, setzte sie hinein:

Am besten
schmeckt Spucke
in einem Kuß

Da hatte Martin ihr bereits einige Male über den Rücken gestreichelt und inzwischen die Hand so beiläufig auf ihrer Taille liegengelassen, als sei er nur vergeßlich.


Carmen Samson Berlin - - 15.01.01 at 19:41:41




Hihi, so ähnlich und doch ganz anders.
Ich habe mir diesen Satz oder was es ist für einen angebeteten Musiker zusammengereimt, der mir eine Melodie vorsang - und mir brach das Herz! - und dann sagte: Für einen Text widme ich dir auch noch dieses Lied.
Ich habe schon zwei.
Zuhause sagte ich den Satz zu meinem Mann, damit er mir das schlechte Gewissen schnell wegküssen möge.


Britta - 15.01.01 at 20:21:25




Zu meinem Ex-Mann natürlich, von dem ich im übrigen finanziell abhängig bin, weswegen ich auch seinem Wunsch nach Intimrasur nachgebe. Trotzdem liebe ich natürlich den Musiker. Er widmet mir Lieder. Ich habe jetzt drei.


Britta - 15.01.01 at 20:30:55




Der Musiker gibt mir Opium, das nehme ich um das ganze Elend nicht mehr zu sehen. Außerdem haben wir dann heißen Sex. Richtig mit reinstecken und so. Manchmal werde ich schwanger, aber das geht schnell vorbei. So bin ich eben. Mein Ex-Mann hat mich aus der Gosse geholt und da bin ich auch ganz schnell wieder gelandet, als ich mich hab scheiden lassen. Da bin ich zu ihm zurück und eigentlich ist es gar nicht schlecht. Seine Spucke schmeckt gut, besonders nachdem er mich geleckt hat. Dann vergesse ich meine Herkunft und die Schande und den Gestank. Oder eben wenn ich voll bin mit Opium.


Britta - 15.01.01 at 20:50:58




Über den Musiker sagen die Leute: Er ist ein Wrack. Aber er hat eine Stimme, die mich fertig macht. Und Erfolg. Meistens sitzt er rum und sieht interessant aus. Seine Bewunderer, die immer da sind, außer wenn wir ficken, nennt er Milben und mich Kätzchen. Genauso wie meine Muschi.
Mein Ex-Mann sagt zu meiner Muschi höchstens da unten - zum Beispiel: du mußt dich mal wieder rasieren da unten - und zu mir Schnäuze. Gott weiß wo er das her hat. Auf jeden Fall kann man daran sehen, warum ich weg wollte von ihm.
Wenn der Musiker Opium braucht, macht er auf die Schnelle ein Lied, das er dann dann verkaufen kann. Wenn ich an so einem Tag bei ihm bin, fahren wir den ganzen Tag im Taxi rum und lassen es überall warten, bei dem Blödmann von Produzent, beim Dealer und vor jedem Laden, wo wir uns die Taschen mit Ramsch voll machen. Dazwischen fummeln wir auf dem Rücksitz. Seine Bewunderer fahren in ihren Angeberautos hinter uns her. Das geht aber nur, wenn mein Ex-Mann auf Geschäftsreise ist.
Einmal war mein Ex-Mann siebzehn Tage am Stück weg und das waren sicher die glücklichsten Tage meines Lebens, obwohl ich mich nicht genau erinnern kann, nur daran, daß wir irgendwann in einem Swimmingpool trieben und ich mir dachte: Wenn ich untergehe, ist es mir auch scheißegal.


Britta - 16.01.01 at 11:51:50




Mein Ex-Mann sieht sehr gut aus, aber gerade das finde ich ein bißchen unappetitlich. Oder vielleicht ist es, weil er manchmal sagt: ich leck dich bis du brottrocken bist. Dabei lächelt er mich mit seinem gut aussehenden Gesicht an. Öfters wird mir dann übel, aber was nützt es?
Sonst kann ich machen was ich will und ich habe ein eigenes Konto, ohne zu arbeiten. Arbeiten finde ich persönlich nicht so gut, weil es viel Zeit verschlingt, in der ich eine pflegende Gesichtsmaske auflegen oder zu meinem geliebten Musiker gehen könnte.
Es ist nicht so, daß ich noch nie gearbeitet hätte, aber das ist schon länger her und ich hatte dann immer so Ringe unter den Augen und trotzdem kein Geld. Nicht mal Sex. Ist auch zu verstehen, wer will eine Frau mit Augenringen ficken, das sieht einfach nicht aus.
Das ist kein Leben für mich und mein Ex-Mann tauchte auf. Damals sah er auch noch nicht so gut aus, weil er keinen Stil und Geschmack hatte, nur fett Kohle und das schöne Gesicht im Gegensatz zu der biederen Kleidung gefiel mir. Schnäüze und das mit dem Rasieren kam auch erst später. Wir heirateten.


Britta - 17.01.01 at 11:25:07




Manchmal schreibe ich dem Musiker Briefe. Ich schreibe sie am Computer und lösche sie sofort wieder, damit mein Ex-Mann keine Spuren meiner großen, verzweifelten Liebe findet.
Du Schwein, schreibe ich, mich verlangt nach einem Blick aus deinen ungesunden Fieberaugen. Ich will, daß du mich ansiehst und Lieder für mich schreibst, die wir anhören, wenn wir Liebe machen oder ficken. Ich will nackt auf deinem Bett liegen, Tag und Nacht bereit, in deiner völlig überheizten Wohnung. Ich will mit dir durch die Straßen laufen, einmal in der Woche und mitleidig die Bürger angucken. Dabei will ich eine Sonnenbrille und unter meinem Rock ein Höschen aus Fell tragen, das Fell natürlich innen, damit es bei jedem Schritt meine Muschi streichelt. Deine dir auf immer völlig ergebene Kitty.
Ich glaube, der Manager erledigt die Post für den Musiker.


Britta - 17.01.01 at 12:41:48





***


Darüber gesprochen, warum Frauen Männer überleben. Männer werden dahingerafft im Alter, die Frauen überleben sie, sie überleben sogar ihre eigene Langeweile. Wir sprachen über die Großmütter, Mütter, ich bemerke Mal wieder, daß ich mit Frauen aufgewachsen bin. Ich bemerke stets zuerst die Frauen, als wäre mir ihr Bild klarer vor Augen.
Mein Großvater starb am Alter, er wurde verrückt und zerfiel, während meine Großmutter weiterhin um Elf aufstand, einen Tee trank und ein Toast mit Orangenmarmelade aß. Dann verschwand sie in ihrem Turm und nähte oder malte geduldig mit einem Pinsel Wachs an die Stellen, an denen bei der nächsten Färbung keine Farbe kommen sollte. Die hellen Farben zuerst. Der letzte Farbgang ist Dunkelblau oder Schwarz. Damit batikte sie Tücher, später Bilder, aquarellartige Ansichten von Häfen und Landschaften oder Brückenbeleuchtungen bei Nacht, während mein Großvater im Garten saß und rauchte und die Zeitung las. Es kommt mir so vor als läsen alte Männer immer die Zeitung von vorne bis hinten, Wort für Wort, und dann verbringen sie viel Zeit mit dem Dessert: dem Kreuzworträtsel.
Es kommen zwei Dinge zusammen: Meine Großmutter liegt vielleicht im Sterben. Sie hat sich furchtbar gelangweilt die letzten Jahre und ich wünschte ich könnte bei ihr sein, die angeblich letzten Tage. Sie selbst ist sehr unterhaltsam, aber vielleicht ist eben da Problem, das sie so viele ihrer Freunde und ihren Mann überlebt hat.
Das zweite ist, daß ich im Gegensatz zu den meisten Frauen, die ich kenne, ein bohrendes, treibendes Unglück spüre, eine Rastlosigkeit auch mitten im Glück. Als gäbe etwas anderes als das gegenwärtige Leben einen zerstörerischen Rhythmus vor. Ich glaube diese Unruhe ist es, dieser falsche Takt, der die Männer später umbringt. So gesehen sind Männer launiger als Frauen, Meister der Willkür und der Zerstörung. So wie ich, wach und nicht schlafend, die furchtbarsten Dinge denken kann, zu Ende denken muß, auch wenn sie so unwahrscheinlich sind wie ein miserabler Film.
Meine Großmutter hat mein erstes Buch gelesen. Sie hat viel von ihrem Deutsch vergessen, aber sie hat es sehr aufmerksam gelesen und es rührt mich, auch wegen der Mühe. Ich schäme mich, daß ich Sätze geschrieben haben könnte, die sie vielleicht nicht verstanden hat. Und ich frage mich auch, ob sie eine Seite von mir gesehen hat, die sie noch nicht kannte. Nicht daß mich das beunruhigen würde. Ich denke es nur, weil ich mir ihre Langeweile vorzustellen versucht habe, die letzten Jahre. Und auch, weil ich mich frage, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Langeweile und der wunderbaren Gleichmäßigkeit, die ich an ihr so sehr liebe, die auch eine Klugheit ist und ein Humor, die ich nicht habe.
Als Kind hat sie mich auf die benachbarte Landstraße krabbeln lassen und ein Autofahrer brachte mich zurück. Das erzählt sie mir immer wieder gerne und dann lachen wir beide. Sie findet es wie ich immer noch furchtbar lustig, sie, weil es so absurd war und ich, weil ich zum Glück nichts erinnere, das ich mit etwas Furchtbaren variieren kann. Sie schenkt der Welt keinen deprimierten Blick, sie stellt nur mit Bedauern fest, daß ihre Welt ausgeblichen ist. Wenn ich mich richtig erinnere: mit einem mädchenhaften, charmanten Bedauern, als gäbe es von einem Lieblingsregisseur keine neuen Filme, und damit auch keine Variation mehr der von ihr geliebten Themen.
Ich weiß nicht, ob ich sie nach all dem noch einmal werde fragen können. Der nächste Sommer ist weit. Und ich habe nicht die geringste Lust zurückgebliebene Gegenstände danach zu fragen.


Sven Lager - B. - 18.01.01 at 19:11:15




Heute im Kernspintomographen, dieser unheimlichen Röhre, vor deren Belegen man die Frage nach Platzangst verneinen muß: Die Geräusche sind brachial, es summt, röhrt und vibriert, takt zwischendrin mal wie ein gigantischer Geigerzähler, und da ich viel Zeit habe zum Nachdenken, weil es komplizierte Aufnahmen sind, die da gemacht werden, wandert mein Blick an der beigen Plastikinnenhaut der SIEMENS-Röhre entlang und ich bemerke hängengebliebene Haare, Dreckfusseln und die abgewetzte Frotteoberfläche des grauen Handtuchs, das sie mir um das Handgelenk gewickelt haben und denke, wie muß ich das jetzt verstehen, daß in Deutschland, das ja gerade heute seine preußischen Tugenden wieder einmal über Gebühr in den Vordergrund rücken darf zum Jubiläum, daß also gerade in meinem Fall der medizinische Trakt so nachlässig wirkt, so gar nicht wie eine zum Start aufpolierte Lufthansa-Maschine mit frisch duftenden Ledersesseln, der Geruch von Bohnenkaffee in der Nase und von druckerschwarzer Tagespresse, sondern wie eine notdürftig auf Vordermann gebrachte alte Rot-Kreuz-Maschine, in der vor kurzem noch Siechende gelegen haben. Vor der Extrarunde, mein rechter Arm ist längst eingeschlafen, bekomme ich noch ein Kontrastmittel gespritzt und die Arzthelferin meint nur: Nach der Vene kann ich ja mal einen Weitwurf versuchen.


Eckhart Nickel Heidelberg - - 18.01.01 at 23:06:09




Letztens war mein Ex-Mann für eine Nacht weg und der Musiker war seit neunundsiebzig Stunden nicht zu erreichen.
Ich war allein zuhause. Ich wußte nichts mit mir anzufangen und lag im Bett, die Nacht wollte nicht vergehen.
Ich dachte an den Musiker, an seinen knochigen Körper und seine Hyänenaugen, daran daß er mich fickt. Ich sehnte mich so fest nach ihm, daß es wehtat.
Und dann hatte ich wieder ein schlechtes Gewissen, in der Wohnung, die meinem Ex-Mann gehört, in dem Bett, das meinem Ex-Mann gehört, in dem Körper, der meinem Ex-Mann gehört. Schließlich bezahlt er alles. Trotzdem liebe ich nur den Musiker und will für immer sein Kätzchen sein. Nur leider kann er sich mich nicht leisten, weil alles für Opium draufgeht. Ich leide also weiter und mache die Beine breit und wenn ich nur daran denke, werde ich so wütend und so geil.


Britta - 19.01.01 at 10:33:25




Beckmann der Meister. Lange hielt ich eines seiner subtil beseelten Landschaftsbilder für eine kühne Verfremdung im Zuge seines Programms der Neuen Sachlichkeit. Auf dem Nachtbild war eine vom Mond erleuchtete schmale Wolke zu sehen, welche die Form eines schlanken elfenbeinfarbenen Brieföffners nachzuempfinden schien. Seit heute früh weiß ich es besser, seit dem Moment, da der TAP-Frühflug Porto-Lissabon durch die dünne Hochnebeldecke in den nur noch sternenbekränzten Nachthimmel hochtauchte. Da sah ich sie wieder, die Form. Unten dämmerte orange die wuchernde Lichterzelle der Hafenstadt, über dem sachten Trenungsstrich der Wolke der silbrige Sichelmond. Ob wissentlich oder unbewußt, er hat das Abbild nach der Natur erschaffen. Atemberaubend.
Später dann, ich dämmerte in Sitz 7F vor mich in den Vormittag, der graumellierte Purser beendete gerade den Dutyfree-Verkauf auf dem Flug nach Frankfurt, ging das Sausen los. Ich habe das noch nie erlebt, daß man im Airbus sitzt und sozusagen den Wind aufheulen hört von Drinnen, ein Schütteln, irgendwo über Tours, nachdem wir die Biskaya schon hinter uns gelassen hatten, die sonst stets für Unruhe sorgt unter einem, ging es also los, erst der übliche erste Ruck, dann das Geholper, der Kampf der Düsen gegen die Scherwinde, Emerton Fox von BBC World News hatte am vorausgegangenen Abend bereits in seiner Prognose von "Gale Force Winds" gesprochen, mit dicken roten Pfeilen den Wolkenaufzug des Kerntiefs bezeichnend, es wurde also immer schlimmer, aber der Kapitän gab kein Zeichen nach hinten, nicht einmal die Gurte leuchteten auf, der Purser setzte sich jedoch schnell auf den Freien Sitz in der Navigator Klasse vor mir, schnallte sich an, und das alles passiert bei grellem Sonnenschein im lichten Hellblau, nur unter uns ist das dunkelgraue Gewusel zerstiebender Kondensstreifen anderer Flugzeuge zu sehen, und wie ich mich am Vordertisch festhalte, auf die Zähne beißend, da entdecke ich die in der Sonne leuchtende Spur einer parallel vorausfliegenden Maschine, einige Kilometer neben uns fliegend, und wie ein Drachen bäumt sich der gleißende Lichtpfeil auf, zerfällt bald in dem Höhensturm, aber bevor er auseinanderstiebt, sehe ich eine nie gesehene Form des Kondensstreifens, der sich in einer schlimmer werdenden Welle auf- und abrollt als Bild der Luftlöcher, die uns nun herumreißen und da weiß ich, es wird auch mit uns noch schlimmer werden, doch der Pilot rast weiter mit voller Geschwindigkeit in Richtung Luxemburg, das eiernde Heulen des Eiswindes um uns herum, er wird sich auch zur Landung nicht mehr melden.
Erst als wir merklich tiefer in die ruhige Schneelandschaft der sonnigen Eifel absinken, wird es ruhiger. Die Temperatur in Frankfurt beträgt minus ein Grad Celsius.
Musik: César Franck, Streichquartett D-Dur, Larghetto und Finale. Allegro Molto.


Eckhart Nickel Heidelberg - - 21.01.01 at 19:07:47







*
pool wird sich verändern
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15.02.01 at 16:22:15





endless summers

Im Gras zu liegen und in der Stille der Hitze den Grillen zu lauschen. Der Geruch der vom Sommer gebleichten Halme. Wann war das letzte Mal, in Portugal, Schweden? In diesem heißen Sommer als wir an einem der Seen um Berlin lagen?
Es ist der Moment, wenn die Wärme des Sommers, seine Überfülle des Lichts und seine seltsame alerte Schläfrigkeit gegen Mittag überzuborden scheinen und sogar etwas wie ein Dröhnen in der Stille zu spüren ist, so wie man auf einem riesigen Schiff das große Werk der Motoren weit unter sich hören kann. Um diesen Moment scheinen sich eher wahllos die anderen Ereignisse zu gruppieren, gelesene Bücher, Federballspiele, das Tauchen bis zum schlammigen Grund des Sees, der erste Kuß. Auch wenn er nicht im Sommer war. Alles versammelt sich um die Pole dieser seltenen Momente.
Gehen wir nicht Minute für Minute mit einem Bewußtsein durchs Leben, das uns die detailliertesten Erinnerungen wiedergeben müßte? Nehmen wir nicht Schritt für Schritt die Gegenwart deutlich wahr? Und doch erinnere ich immer zuerst die Momente der Empfindungen, das Rot und die Stofflichkeit einer Jacke, die meine Großmutter trug; den Staub, den ich im letzten Abendlicht an den Fenstern vorbei sinken sehe.
Es sind keine kapriziösen Erinnerungen oder romantische Gefühle, die mich das schreiben lassen. Es ist der Tod, der nah ist an jemandem, den ich liebe. Er erinnert mich daran wie sich das ganze Leben an den wenigen Momenten aufzuhängen scheint, die Fixpunkte sind für ein weitgespanntes Netz. Daran denke ich, weil ich etwas ebenbürtiges im Leben zu finden versuche gegenüber dem Tod, und es sind diese Inseln der Erinnerung, die in keinem besonderen Zusammenhang zu sein scheinen. Sie schweben frei und gehören nicht der Vergangenheit, sondern der Gegenwart an. Auch dann wenn man selbst schon verschwunden ist.


Sven Lager - B. - 22.01.01 at 20:13:44