loop Archiv #6 (29.8.-2.9.1999)
anders als im pool sind hier die neuesten einträge oben
pool für alle
auch wenn der reichste mann rußlands sex hat und sein
lächeln auch noch so charmant ist, ist die lebenserwartung
seines kindes - sollte es männlich sein - niedriger, als die
lebenserwartung eines gleichgeschlechtlichen, in indien geborenen
kindes.
genozid watch london, london - 02.09.99 at 23:47:09
Auf dem Weg zum Parkhaus komme ich immer am Beethovenhaus
vorbei. Häufig stehen dann dort größere Gruppen von
japanischen Besuchern und kleinere Gruppen amerikanischer. So
auch heute. Einem Hang zur Beckmesserei folgend, blieb ich heute
auch mal stehen und stellte mich lauschend hinter den
Touristenführer, der darüber schwadronierte, wie groß doch der
Einfluß von Neefe auf Ludwig van gewesen sei, was bekanntlich
nicht stimmt. Interessanter hingegen die Touristen. Die Köpfe
der Japaner pendelten wie die Köpfe der Besucher eines
Tennismatches immer zwischen dem Touristenführer und der eher
unscheinbaren Hausfassade hin und her. Ping - Pong. Die schlanken
und meist hübschen Japanerinnen schauten ernst, sehr
konzentriert und interessiert aus ihren alters- und faltenlosen
Gesichtern heraus, ihre männlichen Begleiter hingegen plapperten
lieber untereinander. Alle Männer hatten seltsamerweise Brillen
auf, alle das gleiche Modell, große Gläser mit dünnem
Metallrahmen. Jeder hatte eine Kamera dabei, auffällig aber,
daß die Kameras der japanischen Besucher von Jahr zu Jahr
billiger werden, keine feisten F4 mehr von Nikon, die meisten
haben Einweg-Kameras von Fuji. Etwas abseits standen zwei
Amerikanerinnen, beide so um die Fünfzig, eine dürr, die andere
auffallend dick. Die Dicke schaute mit weit aufgerissenen Augen
auf das Beethovenhaus und seufzte laut und beglückt: "Oh,
how disney." Ich bin dann weiter gegangen.
Aspera Bonn, Rheinland - 02.09.99 at 21:52:14
Hallo Sven,
Danke für Deinen Hinweis.
Sprache (das geschriebene Wort) oder das Gespräch mit meiner
besten Freundin, ist sehr oft ordnend für mich. Oft ordnet sich
etwas in mir durch das schreiben, aber ich ordne nicht bevor ich
schreibe; ich wähle aus, aber ich ordne nicht. Ich schreibe von
dem, was mich bewegt, was in mir an Gedanken ist oder wütet, von
Augen-Blicken, von Situationen, von Mittagen und Mitternächten,
von Sonne und Mond. Mich entscheiden für oder gegen das eine
oder das andere, möchte ich garnicht. Es gibt in meinem Leben
allerdings die Notwendigkeit, mich auf eine Sache, die ich in
einem bestimmten Moment tue zu konzentrieren, ohne ständig
abzuschweifen und vor neuen Aufgaben, die sich stellen und einen
Arbeitsaufwand erfordern, um sie zu bewältigen, nicht
zurückzuschrecken; -z.B., wenn ich Musik mache und ich, um die
Musik in mir auch "spielen" zu können, eine Anzahl von
Musikproggramme erlernen muss. Was mich vorantreibt ist eine
Neugierde, Freude, ein Bedürfnis nach Kommunikation, die
Herausforderung...
Yve Soleilmoon Köln, in Deutschland - 02.09.99 at 20:34:32
Also Maike, was soll das?: "Weil ich der Presse nicht auf
die Füsse treten will". Wer bist du? Prnzessin Caroline?
Geschissen auf deine "haltbaren Texte", für die man
erst das Archiv durchsuchen muß.
Nimm dir ein Beispiel an Frau Casati, bei der erfährt man
wenigstens, warum nicht "mehr drin" ist im Moment, und
damit ist sehr viel drin. Und nach deinen Brüdern hat dich
keiner gefragt. Britta hat recht: Du saugst.
"Denk mal darüber nach". AU WEIA
Katrin München, - 02.09.99 at 19:25:22
wie kommt es, das mir ständig texte in die hand gespielt
werden, die an mich adressierte briefe zu sein scheinen?
maximilian harden schreibt: "in der politik, wie in der
liebe, muß man sich immer suchen lassen; wer dem andern
nachläuft und mit werbender geberde andeutet, dass er zu
zärtlichen diensten bereit ist, der stößt bald auf
gleichgiltigkeit und seine gunst sinkt im preise."
abgenickt! und wie hohn klingt es dann gleich andernorts, wenn es
heißt: "er las faust II, als habe goethe nur für ihn
geschrieben (ein früher in deutschland verbreiteter wahn)."
ich suche die harmlosigkeit und finde: den verstörenden roman,
die verabredung mit einem verstörten (zu verstörenden?) mann
und gestörte stammtische (ein immer noch in deutschland
verbreiteter wahn: nicht das stören, sondern der tisch. vom
stamm ganz zu schweigen). "haben sie etwas falsches
gegessen?" "nein, ich LEBE falsch."
braun berlin, brd - 02.09.99 at 19:24:53
Ernst! Daß der eine oder andere verkrampft, mag durchaus
nicht unfruchtbar sein. Enlarvend, ja entlarvend finde ich den
richtigen Ausdruck für das was sich bei Gormanns abgespielt hat.
Ums ganz klar zu sagen, wer sich in einem Versteck wähnt, sollte
immer damit rechnen, daß jemand reinkommt und ruft: "Hier
ist er, ich hab' ihn gefunden". Laß uns nicht einmal daran
denken, daß persönlicher Kontakt entzaubern könnte. Absatz.
Ach und dann bleibt noch die Frage, wer die vier Bier und den
Cafe bestellt hat, die - wir wollten uns gerade verabschieden -
der Wirt, offenbar ein Kryptologe, aus seinem Strichcode als
unbezahlt herauslaß, und die Suse! gönnerös beglichen hat. Zu
viert, jeder noch ein Bier vor sich, einigten wir uns vorher
dochnoch auf ein Thema. Richtig muß es heißen, zwang man uns
ein Thema auf. Vorher Schrank und grüner Rolli: Wie wächst der
Dax? Wie böse ist die Börse?. Suse und K. Entzauberung
interesanter Wesen durch die Aufnahme von persönlichem Kontakt.
Sie war blond gestern und das unnahbare Wesen. Die Regel: Du
siehst jeden Morgen in der U-Bahn einen Menschen, der Dich
anzieht, irgendwie elektrisiert. Irgendwann grüßt ihr euch,
wechselt ein paar Worte und Du merkst, wie Deine Vorstellung von
der Person auf Realmaß zurückgefahren wird. Die Ausnahme: Ihr
sprecht zum ersten mal miteinander und habt das Gefühl, ihr
würdet euch schon Jahre kennen. Jedenfalls tritt unvermittelt
ein vervollbarteter Mann mittleren Alters an den Tisch, hält uns
einen Stapel Bücher hin und Fragt: WOLLT IHR LESEN? Stellt die
Bücher ab und schwebt bewaffnet mit einem zweiten Stapel Bücher
zum nächsten Tisch. Alles MERVE und ID-Verlag. Thesen zum
krankenden Kapitalismus, Traktate zur Körpersprache und
ähnliches. Eselsohrrabatt kennt der Mann nicht, der uns seine
Bücher irgendwie gar nicht anpreißt. Er reagiert widerwillig
auf Kaufinteresse. Was treibt den, fragen wir uns und haben ein
gemeinsames Thema. Rosenverkäufer, den taz, Eulenspiegel,
Mopo-Verkäufer, der Ufo-Feuerzeughändler und die putzigen
Schikanierdamen mit Zigarettenspielchen, deren einziges Ziel es
ist, jeden nicht Zigarettenbezogenen Gesprächsfluß versiegen zu
lassen kennen wir. Aber der hier war neu. Wollte uns Bücher
verkaufen, haßte uns und ließ es uns fühlen. Suse tat es
schließlich " Ich nehme die "Sprache des
Körpers", wenn Du auf'n Hunni rausgeben kannst.
Ach Ernst, viele, wen nicht alle hier werden mit der Furcht
schreiben, erkannt zu werden, oder dem oder der mal lifehaftig zu
begnen. Mag damit auch auch ein gewisser Zauber verbunden sein.
Grund für Krämpfe sehe ich nicht. "Ich liebe euch doch
alle!"
das K. B, D - 02.09.99 at 16:44:17
Brief von Vater: Mein lieber Sohn, Dein Brief hat mich
beglückt. Es ist für mich ein großes Geschenk an Deinem
Fühlen und Denken in dieser offenen, befreiten Form teilhaben zu
dürfen. Durch die Krankheit und das Aufbrechen meiner
Fixierungen auf Standards, Karriere und Familie und durch den
Versuch, meine Ängste zu beruhigen, in Dir etwas Fremdes Anderes
zu entdecken, das nicht abzugleichen ist mit Gewohntem,
Bekanntem, das unverfügbar ist, gewinne ich Neuland....
Scham, Stolz, Kraft, Angst, Jargonkritik, Demut, Lähmung,
Lächerlichkeit, Rührung. Den Rest des Tages bin ich nicht mehr
zu gebrauchen.
Brief von Sonja: ...Allerschönster...
We are THE LOVERS...and you suck!
ernst zwischen verstehen wollen und dem rest, - 02.09.99 at 16:42:42
Und, liebe Katrin, mag schon sein, daß Du das
"Wesentliche" in meinen Texten verpaßt. Liegt das an
mir oder Dir?
Im übrigen kann schon sein, daß in meinen spärlichen Texten
aus letzter Zeit "nicht mehr" drin steht. Aber es gibt
durchaus "haltbare Texte" in der Vergangenheit und die
kannst du ja mal im Archiv suchen...
Auch Brüder, die nicht existieren, haben ihre Berechtigung und
sind mir lieb und teuer.
Ich habe heute um ein Zimmer gewürfelt und verloren. So, das war
nun für Dich GANZ ALLEIN. Denk mal drüber nach. :)
Maike - 02.09.99 at 15:42:33
Wie man untergeht in der Zeit, wie die eigenen Wichtigkeiten
runtergedrückt werden von Neuigkeiten aus anderen Leben, läßt
sich im loop einleuchtend beobachten, während im pool ein Anfang
verewigt und man aufgefordert wird, alles zu lesen, daß man das
Ende versteht. Vielleicht malen sie uns damit ein Sinnbild für
den Unterschied von Literatur und Gewäsch. Nur auf unserer Seite
aber sieht man, wie alles fließt und Ich verabschiedet sich von
der Vorstellung, daß es dabei immer am Ufer steht und zuschaut.
Ob du zuschaust, dich in Strom schmeißt oder ganz woanders bist,
es fließt auch ohne dich. Meine Aufregung von gestern ist schon
wieder von Songtexten, dpa- oder Ich-Meldungen aus aller Welt aus
dem Rahmen gedrängt worden. Sich dabei über die
Beziehungslosigkeit zu beklagen, scheint eher eine
Folgeerscheinung der weltweitNetz Metapher als eine tatsächliche
Verwunderung darüber, daß nicht alles mit allem zu tun hat, es
sei denn, mir ist alles gleich. Attention Menschen, sagt mein
Lieblingsfreund, wenn er Feuer und Flamme ist und sich wieder
für Chaos erwärmen kann. Buddha, sagt er, wenn es läuft wie
geschmiert und er sich in Gelassenheit übt.
ernst - 02.09.99 at 15:35:23
Vorher flippert das Gespräch: Schrank erzählt, wie er
italienische Kellner und Eisverkäufer Marketing lehrt ohne
selbst mehr als einen Verdacht zu haben, Rollo erzählt über
seine Arbeit zum Begriff der Person und daß sein Kind im Februar
kommt, Suse freut sich auf New York und bei meinem ersten Blick
durch die Runde, die zu groß für ein gemeinsames Thema ist,
bleibe ich zu einem Begrüßungslächeln bei Julia hängen. Sie
lächelt zurück, aber statt sich kurz darauf ihrem wieder zu
Gesprächspartner zu wenden, bleibt ihr Blick bei mir, auch
nachdem unser beider Lächeln schon einem entspannten
Gesichtsausdruck gewichen ist. Sie reagiert nicht auf meine
fragende Miene, meine verwunderte Miene und ich kehre verstört
zur Plauderei in meinem Kreis zurück. Sind wir auffällig
geworden ? War ihr Blick auf unendlich und habe ich nur gestört?
Von den meisten Umgangsformen erfährt man erst, wenn sie einmal
nicht eingehalten werden. Dein Blick/Das Meer/Wir warten /Das
Meer/Dein Blick. SUSE! Wenn Du allen erzählst, wer wir sind,
verkrampft's. Das allgemeine Tagebuch soll aber unbeschwert,
richtungslos, zerbrechlich und flatterhaft sein. Die Erlebnisse
relativieren sich gegenseitig, schließlich liegen alle nur noch
im Bett: Die Neue Dürftigkeit.
ernst wohlauf, - 02.09.99 at 12:39:38
Liebe Katrin,
ich brauche keine schriftlichen "Ermutigungen!". Merci.
Und das mit dem Auto schreib ich nicht, weil ich der Presse nicht
auf den Fuß treten will. Also: Wart's ab.
Was ich mich trau', braucht nicht in den Pool und wem ich
vertrau' auch nicht.
Und was der Lektor gesagt hat: Toll. So das war's.
Maike Wetzel - 02.09.99 at 11:10:40
Eine Wundertüte für Christian Kracht: in dieser Stadt
funktionieren keine (Marken)-Zeichen. Hier kann man ohne
"Affig!"Abzug mit einer Guccitüte herumlaufen, kennt
ja keiner, und sogar Barbourjackenträger bleiben ungestraft:
weil ja schließlich ein abgeschabter Anorak von irgendjemandem
aufgetragen werden muß. "Ich geh' mal nachladen!" sagt
Ilka und zieht den Lippenstift aus der Hosentasche. Aufrüsten,
abrüsten, Glanzleggins mit Tennissocken und Pumps - so what.
Kathrin, Halle, - 02.09.99 at 10:19:19
Liebe Maike, irgendwie habe ich das Gefühl, daß ich das
Wesentliche in deinen Texten verpasse. Oder steht da tatsächlich
nix drin?
Und, was hat der Lektor gesagt? Wer hat dir das Auto geschenkt?
Trau dich oder laß es bleiben.
Katrin München, - 01.09.99 at 23:27:06
Mein Lieber, morgen schick ichs Dir persönlich. Schwöre!
elke berlin, - 01.09.99 at 23:09:01
liebe elke,
ich traus mir ja fast nicht zu sagen, aber dein buch ist immer
noch nicht da. nur, daß du's weißt.
columbo münchen, bayern - 01.09.99 at 22:47:24
Yve Soleilmoon, das Konkrete ist das Vermittelnde. Wozu ist
die Sprache gut? Was wird durch sie in deinem Leben sichtbar?
Entscheide dich: entweder die Sprache dient nur dem
Verallgemeinern deiner Gedanken, oder sie fordert dich und sagt
dir etwas - und uns, denn wozu ist sie da, wenn sie nicht zu
einem klaren Gedanken führt, zu einer Idee, die sichtbar wird
über deiner nebligen Welt. Und: Entweder Sonne. Oder Mond. Und
daß mit der Arbeit, daß kannst du unmöglich nicht wissen. Was
macht sie?
sven lager - pool, - 01.09.99 at 22:10:44
Ludovic war heute die ganze Nacht nicht da. Auch am Morgen
nicht. Erst als ich nach Hause kam, lag er im Sessel auf der
Terasse. Seltsam, seit dem Spaziergang, wo er unbedingt
mitwollte, um letztendlich irgendwo kilometerweit vom Haus
entfernt verlorenzugehn, hat er einen anderen Rhytmus. Vielleicht
ist es auch ein neues Revier, das er sich jetzt zugelegt hat...
Hah, habe mich heute festgelesen an einem neuen Buch und meine
Augen quellen fast über (welches Buch verrate ich nicht, ist ja
nur ein Buch und das sagt ja nichts aus...!). Ansonsten kämpfe
ich mit Müdigkeit. Es ist so schwer, sich immer wieder
aufzuraffen um zu arbeiten. Eigentlich blöd, nach der Arbeit
immer schon wieder arbeiten zu wollen ( zu müssen? ), aber ich
muss(!sic) das tun, weil ich sonst verelende in meiner
Jämmerlichkeit. Und ich mach das ja auch eigentlich (...!)
gerne, aber was mich besonders daran stört, ist dieser Druck,
unbedingt etwas fertigstellen zu müssen und dass man dann
eigentlich auch garnichts anderes mehr machen kann, weil man eh
zu voll ist mit dem ganzen Kram und nur dann, wenn man sich
richtig da rein begibt hat das ja auch nur einen Sinn, und wenn
ich es nicht tue, ja, dann ist mein bisschen Selbstachtung wohl
vollends dahin... Das hat auch was mit Disziplin zu tun.
Geschenkt gibt's nichts. Bloss nicht immer diese Ablenkungen,
sich mit Freunden treffen, einfach faulenzen, aus dem Fenster
gucken, ausgehen usw.., Tagebuch schreiben. Tagebuch schreiben?
Tu ich aber gerne. Und es hilft mir mich wenigstens ein bisschen
zu ordnen. Also gut, -Tagebuch schreiben ist ok. Aber gleich
werde ich arbeiten! Ja gleich werde ich noch mehr Spass haben!
PS.: Arbeit macht frei... (soso..)
- Aber wenn ich ganz viel Geld hätte und so alles in Hülle und
Fülle, dann würde ich nur noch Urlaub machen, nur noch durch
die Welt reisen und ganz viele fremde, mystische Orte besuchen!!
(soso)
Yve Soleilmoon Köln, in Deutschland - 01.09.99 at 20:52:30
Heute haben sie das Riesenrad vor dem Bürofenster abgebaut.
Keine Farben mehr zwischen Bäumen und Himmel, dafür diese
Mischung aus Nikotin und Kaffee in den Mundwinkeln meines
Kollegen. An der Haltestelle werfen sich verwahrloste Kinder auf
den Boden, das Nivea-Plakat preist den spurenfreien "Tatort
Achsel", die Frau neben mir hat eine Regenjacke an, die so
fiese Geräusche macht, wenn sich der Stoff berührt, so waren
die Skianzüge der Kindheit. Ich kriege Gänsehaut von dem
Geräusch und sitze darin fest. Auf den Boden der Strassenbahn
ist Sand gestreut, darunter Blut.
Kathrin, Halle/Saale, - 01.09.99 at 13:44:23
habe mich schon lange gefragt, was du machst, christian
kracht. nach deiner zeit bei uns in diesem zeitungshaus. du bist
nicht mehr da, ich auch nicht mehr, wo ich mal war. muß mich
hier erst einlesen. gruß anja
anja popovic berlin, deutschland - 01.09.99 at 11:38:31
Am Wochenende Berlin. Zum zweiten mal. Der erste Besuch ist
kaum noch präsent. Da war ich mit meinen Eltern unterwegs. Ich
weiß nur noch, daß die Stadt mir nicht gefiehl. So groß, so
schmutzig. Irgendwie bedrohlich. Doch dieses Wochenende hat alles
in anderes Licht gerückt. Berliner Luft=Süßer Duft. Alles roch
nach Leben. Super-Dynamik allerortens. Freitag. Motzstrasse.
Übernachtung. Krasse Gegend. Hafen und Schleuse und so. Samstag.
Frühstück Winterfeldplatz. Mittags Ifa (Super-Anstrengend),
abends Q-Damm-Modenschau. Als Düsseldorfer braucht man das ja
eigentlich nicht. Danach super-dämliche langweilige
After-Catwalk Party irgendwo am Potsdamer Platz. Horror.
Lähmung. Aber wenigstens umsonst rein. Danach mein Highlight.
WMF-Party. Super Lokation. Dieser Danzflur draussen mit den
Projektionen der Diskokugel. Und dann bis 7 Uhr durchgesteppt.
Völlig fertig gewesen. Sonntag dann Mitte.
Touri-Hakeschen-Höfe, aber auch den anderen Kram gesehen.
Berlin. Let it rock. Ich komme wieder, keine Frage.
tim what the fuck is d'town, - 01.09.99 at 10:35:02
Am Telefon: Almut erzählt, wie sie ihre Mutter besucht hat
und bei ihr auf dem Balkon schlief und sie Stimmen von
Spaziergängern hörte und aufschaute, wie sie auf die Wohnung
zeigten mit den Worten: Da wohnt die Irre. Almut schluchzt,
nachdem sie das erzählt hat. Ihre Mutter lebt vereinsamt in
einer Wohnung in Korschenbroich, seit sie von ihrem Mann und den
Kindern fortgezogen ist, weil sie sich von ihnen verfolgt und
beobachtet fühlte.
Später am Telefon: Meine Schwester erzählt, daß sie in der
letzten Zeit häufiger Schmerzen in der Brust hat und ihre Sorge
schneller und schwerer geworden ist, seitdem ihre Tochter auf der
Welt ist und bei unserem Vater Krebs festgestellt worden ist. Ich
drücke sofort meine Zigarette aus. Später wacht die Tochter auf
und weint, und meine Schwester legt auf.
In solchen Momenten finde ich Tom Wolfe und Interviews mit Fragen
zu seinen Anzügen abstoßend.
ernst zerbrechlich, - 01.09.99 at 00:03:34
Allgemein haben Schriftsteller ja m.E. überhaupt keinen Einfluß
auf die Gesellschaft und
wollen wohl größtenteils auch gar keinen haben. Nein, keine
Sorge, ich fange jetzt hier keine
Diskussion an über die Distanz des deutschen Intellekts zur
deutschen Gesellschaft o.ä.,
interessant finde ich nur, daß ausgerechnet diejenigen, die noch
nie ein Buch gelesen haben, die
Einflußnahme der Schreibenden maßlos überschätzen. Oder
überinterpretiere ich jetzt die
untenstehende dpa-Meldung (dpa vom 31/08, 17:51) ? Man beachte
auch den letztes Satz der
Meldung... .
bdt0537 4 pl 148 dpa 0530
Extremismus/Kriminalität/
Schriftsteller in Weimar von Rechtsradikalen zusammengeschlagen =
Weimar (dpa) - Wenige Stunden nach den Feiern zu Goethes 250.
Geburtstag sind in der Europäischen Kulturhauptstadt Weimar drei
Schriftsteller von Rechtsradikalen überfallen und verletzt
worden.
Der Berliner Autor Frank Willmann berichtete der dpa am Dienstag
von
der Tat, die sich in der Nacht zum Montag ereignet hatte. Ein zur
Hilfe geeilter Passant und eine Bibliotheksmitarbeiterin seien
ebenfalls verletzt worden.
Er und seine Kollegen seien in einem Lokal direkt gegenüber von
Goethes ehemaligen Wohnhaus am Weimarer Frauenplan nach einer
Lesung
von einem Rechtsextremisten als «Judenschweine» beschimpft
worden, sagte Willmann. Als die Literaten das Wirtshaus
verließen,
hätten ihnen davor sieben Neonazis aufgelauert. Die Angreifer
seien
gut organisiert gewesen und hätten von drei Seiten zugeschlagen.
Der
Schriftsteller Bert Papenfuß habe in einem Krankenhaus operiert
werden müssen.
Der Chef der Weimarer Polizeiinspektion, Ralf Kirsten,
bestätigte
den Überfall. Es bestehe der Verdacht, dass es sich bei den
Tätern um
Personen aus dem rechten Spektrum handele.
dpa fc yy pi
311751 Aug 99
Aspera, angeekelt, News, Bonn/Rheinland - 31.08.99 at 18:24:14
Trösten sie sich Frau Casati,
auch in Phasen der medialen Unlust bekommt man die WIRKLICH
WICHTIGEN Sachen immer mit,
die kommen nämlich von selbst zu einem.
Ich habe zum Beispiel gerade eine Pressemitteilung einer Fa.
namens Ketchum GmbH vor mir.
Diese glaubt mir unbedingt mitteilen zu müssen, daß am 24.
Sept. der "TAG DES DEUTSCHEN BUTTERBROTES" begangen
wird.
Das unschlagbar originelle Motto dieses löblichen und
unterstützenswerten Fest- und Gedenktages heißt "Alles in
Butter".
Na, denn... .
Aspera, Bonn, Rheinland - 31.08.99 at 17:58:41
Gehöre ich zu denen, die, wenn sie ihre Träume aufgeben,
nicht mehr an die Liebe glauben? Nichts mehr zu erwarten heisst
doch nicht, nicht mehr offen zu sein gegenüber jeglicher Art von
Glück (!). Auch wenn dieses Glück anders erscheint, als ich es
mir erträumt habe. Und auch die Liebe ist nicht das, was ich mir
ausgemalt hatte.. Ist es denn so schwer, gemeinsam in Glück zu
schwelgen, so schwer und, ach, so unrealistisch ? Heisst
Glücklichsein, sich zu bescheiden? Und, sieh an, mit einemal
steht es vor der Tür. Nicht so stürmisch und leidenschaftlich,
so einzigartig und grossartig, wie in meinen Träumen, sondern
bescheiden, fast unscheinbar, steht es da.
- Überall ist der Realismus ausgebrochen. Die Männer, von den
überzogenen Anforderungen befreit, die Frauen,-lieben sie immer
noch, aber ohne diese romantischen Anwandlungen und verdrehten
Träumereien. So ist's gut. Und man könnte beinahe zufrieden
sein.-
Gestern waren wir nachts im Wald, und haben Ludovic mit der
Taschenlampe gesucht. Gefunden haben wir ihn nicht; wir haben
nicht viel gesehen. Nur schattige Bäume, dunkle, bedrohliche
Schatten, ein paar flackernde Lichter irgendwo in der Ferne und
die gelb-grün leuchtenden Augenpaare einer Schafherde.
Als wir zurückkamen, stand Ludovic schon vor der Türe.
Yve Soleilmoon Köln, land - 31.08.99 at 14:53:20
Ich bins, der gute Geist. Werden wir uns jemals sehen?
Neulich, nach Elkes Abend wo wir uns verfehlten, saßen wir am
Winterfeldtplatz dösig in der Sonne bis ein girl kam mit
riesiger Sonnenbrille und Zeitung las. Wir riefen mehrmals laut
Britta, aber du warsts nicht.
son of the matrix, brother allround - 31.08.99 at 11:57:55
Hier ist ein guter Geist unterwegs, der meine
Rechtschreibfehler korrigiert. Danke (Geist S.!?).
Britta HH, D - 31.08.99 at 11:35:00
Heute ist Frauentag. Ich zähle von drei rückwärts: 3.
Eigentlich sollte hier was über die stehen mit der langen
Sprungschanzennase, die mir mindestens dreißig Sekunden in die
Augen geguckt hat und von der ich mir gewünscht habe, sie hätte
anstelle ihrer Riemchensandalen spitze silberne Schuhe an. Aber
mehr war es dann doch nicht. Schade. 2. Die Schlagzeugerin von
"The Bossen". Dieser rotzige Blick. Als der Bassist ein
bißchen gepost hat, hat sie ihn mitleidig angelächelt. Sie hat
mit Freude an der präzisen Gewalt auf das Schlagzeug
eingedroschen und dabei hat sie immer so ein bißchen wahnsinnig
die Augen verdreht. Einfach süß. 1. Die Bassistin von
"Dead Moon". Wer so cool ist wie die und sich mit
Cowboystiefeln über der 501 breitbeinig auf die Bühne stellt,
hat es echt geschafft. Wenn sie mit gefletschten Zähnen
"Don't play with me" singt, dann ist auf Poesie
geschissen. Der Rock'n'Roll rast aus ihren Augen wie ein
rotgoldener Blitz. Und wenn sie "Ring of Fire" singt,
brennt sie selbst. Sie ist nicht süß und nicht hübsch und
nicht verführerisch, sie ist einfach nur schön mit ihrem
Echsengesicht und der langen Zunge. Sie könnte jeden unter den
Tisch saufen, sie könnte eine Sau mit bloßen Händen und ihren
sehnigen Unterarmen erwürgen, sie könnte sich die Haare
kämmen. Natürlich. Aber warum sollte sie? Sie ist ein einziges
lebendes "Rock on, lovers". 0. Ich. Mir tun die Füße
weh, weil ich hohe Schuhe anhatte und ich weiß: es gibt nichts
besseres als auf einem Konzert zu sein, wo nur Tätowierte und
Langhaarige sind.
Britta Hamburg, und richtig glücklich - 31.08.99 at 01:32:45
Nur ein Test, ob das Gästebuch noch funktioniert, habe
momentan aber nichts mitzuteilen.
Marian Bukos G, D - 31.08.99 at 00:24:21
Song of Nice, Charming Girl, Upper Wind, Nuit de Eden,
Winterwald, Just having Fun, Morgentau, Anberdil, Wüstenprinz,
Atlanticus, Thessalia, Assembla, First Winner, Mirage Deux, Jeune
Amour, Sunday Surprise, Smoking, Nobody, Summer Hill, Piccola
Claudia, Rudimentaire, Run for roses, Lauf nach vorn, Romanov,
Well Set, Westafrika, Weite Welt, Kreuzkönig, Russian Rumba,
Auenflair, Mac Na Heirinn, King lear, Fawning, Kati Gold,
Philosopher, Soviet Storm, Art of Voice, Noble Blade, Dark'n
Sharp, Classic Native, Fontana D'argento, Great Joy, Risque Lady,
Miss Tobacco, Brambusch, Missing Virgin, Fatal Attraction,
Express, Victoria Cross, Aikido, Furiana, The Dashing Lady, Ups
Boy, Konstantera, Devil's Dope, Vanity Fair, Possibility, Classic
Dawn, Pagannini, Cry for me, Magical Rock, Snow Carnival, Kiss me
Again, Ninsun, Catchmeifyoucan, Change your mind, Hoh.
Matetee Rosarotes, USA - 30.08.99 at 14:58:48
Und dann gleich zweimal Margarine... Hybris, sichtbar gemacht.
Pardon also - schweigen wäre wohl besser gewesen.
Kathrin Hölle an der Saale, - 30.08.99 at 14:31:32
Das Desiderat: Margarine in Scheiben. Mehr bleibt nicht. Immer
nur die einzige Luftblase in der Wasserwaage. Vielleicht deshalb
dieses ewige ICH ICH ICH in den Texten. Schwindelig von den
ewigen Selbstumkreisungen. Das Ich verweist nicht mehr auf die
Welt, weil es da nichts mehr zu verweisen gibt, wen kann dann
also ein Ich interessieren, und so bleibt das Denkmal, das sich
BvSB mit seinem Special in der ALLEGRA setzen läßt. Zentrale
Frage: Bin ich fotogen.
Struktur gibt es nicht, denn die würde auf etwas verweisen, das
strukturiert - und was sollte das sein? Und die Leser, Leser,
Leser? Sex II überlebt? Soloalbum und Relax? Und dieses Gefühl,
als Leser nur noch Voyeur zu sein? Milchglaswelt.
Kathrin Hölle an der Saale, - 30.08.99 at 14:17:09
Ja natürliiich, kann man mir nichts vorwerfen. Ja
natürliiich kann man auch den Jungs nicht vorwerfen, den Jungs,
meinen Buben. Ja natürliiich kann man von uns nicht sagen, wir
hätten was gegen Ausländer, nur weil bei uns keine mitspielen
dürfen. Manchmal repatriieren wir sogar einen, in dessen Adern
noch deutsches Blut rollt, wenn auch etwas verfälscht. Wir sind
eure Stellvertreter, meine Buben und ich natürlich auch, wir
kämpfen für euch, Mann gegen Mann, wennâs sein muß. Wir sind,
wie ihr seid. Und wir, damit auch Ihr und umgekehrt, sind gut und
gute Menschen. Ich war sogar schon mal mit dem Egidius, dem Braun
also, in Israel. Das ist schon ein Beweis, daß wir gut sind. Und
für die Mexikaner spenden wir auch immer, ich Berti, der Egidius
und der Rudi, manchmal auch der Rainer.
Ja natürlich ham wir schon oft gesiegt und werden auch immer
weitersiegen. Für euch, uns und die Nation. Ein Treffer, ein
Sieg, eine Nation, sagt der Egidius immer.
Letztens hat es mit dem siegen nicht so gut geklappt, aber nur
weil wir vorher zuviel gesiegt haben. Ja natürliiich, ham wir
uns noch nicht zu Tode gesiegt, die anderen waren halt nur
neidisch, ham es uns nicht gegönnt. Ham es verhindert. So wie
die Türken, 1:0 für die, weil der Ollie den Ball nicht
festgehalten hat. Jetzt hat der liebe Gott sie für diese
Anmaßung bestraft.
Ausz. aus: Berti Vogts: Fever bitch - Oder: Korschenbroich liegt überall, KiWi, Frühjahr 2000, Rheinland ! - 30.08.99 at 11:50:15
DE BUG lounge: clubben sagt man kaum noch, disken oder theken
hat man nie gesagt, beim lunchen gibt es wenigstens etwas zu
essen, sagt man schon loungen, wo man früher lungern gesagt hat
und wer hat dieses wort eingeführt, wenn keiner es elegant im
mund führt. mein vorschlag: zimmern, wenn jeder mit
verschränkten armen dasteht. daß die zeitschrift für
elektronische lebensaspekte diaprojektoren aufstellt, daß heike
blümner live djs ankündigt als gebe es andere, daß Harald
(Harry, hol schon mal die Meinung) Peters da ist, sind die
zeichen für den ausstieg nach spätestens dreißig minuten.
Alexander fragt noch, ob er mal den käptn sprechen könne, Eva
ruft laut ulli und der angesprochene antwortet
"fast"und mir fällt ein glas um.
ernst - 30.08.99 at 01:08:07
Nun, mein kleiner Kater heisst Phillip Morris, ich liebe
Robert, indisches Essen, wilde Partys und romantische Abende und
ich will mich jetzt einfach nicht im Sessel gemütlich
zurücklehnen, weil das ja ach so bequem wäre (und so schön
kuschelig)..Aaarrrgg.. Wieso muss eigentlich alles ein
Verfallsdatum haben? Mindesthaltbarkeit überschritten, im
Vergnügen (hüben wie drüben), im Bewegen, im Träumen, im
Streben, im Gefühls-Leben.. Sind es immer die anderen, die alles
Schuld sind, diejenigen die vorzeitig altern, keine Lust mehr
haben auf Satisfaction, Küssen und Lecken, sich schmecken,
rauschverdrehten lustverzerrten, Extasepillen?! Doch die brauchen
wir doch garnicht, können so Spass haben, einfach so, uns selbst
befriedigen, oder so. Oder nicht? Wer schreit fällt auf. Tanz
den Konventionentanz. Nicht. Wahr?
Hah, aber ich nicht, ich mach das Spiel nicht mit, diese
Jungseinspiel. Ich will garkeinen Spass haben! Und ich muss das
auch nicht! Dazu kann man mich nich zwingen! Wäre doch gelacht..
Wär doch echt abgedreht! Sowas. Da setz ich mich lieber hin,
nein nicht in den Sessel. Auf den Holzstuhl.
Gesteigerte Mehrwertine Rosarotes ..., Kuscheltier - 29.08.99 at 23:03:46
Es wäre gelogen, zu behaupten, ich hätte heute die Welt am
Sonntag nur gelesen, weil mir langweilig war. Ich lese die Welt
am Sonntag fast immer, auch wenn Herr von Stuckrad-Barre sie in
seinem neuesten Buch, korrigiere, in einem seiner neuesten
Bücher als langweiligste Sonntagszeitung am Markt bezeichnet. Da
es aber nicht viele solcher Zeitungen am Markt gibt, scheint dies
kein besonderer Makel, das sah vermutlich auch Herr BvSB so (oder
zumindest seine Agentin). Also machte er sich auf, diese Phalanx
der Langeweile mit einem eigenen Beitrag zum Thema Warum
Dichter Werbung machen (müssen?) zu durchbrechen. Dabei geht
es um Werbung. Nicht um Werbung für Camel oder die
Milchschnitte, dafür sind andere zuständig. Sondern um Werbung
für ein Bekleidungshaus, über dessen Namen Herr BvSB die
Aussage verweigert. Ist das Dankbarkeit? Fassen wir also
zusammen: Es geht um Werbung für Peek & Cloppenburg, BvSBs
Buch Livealbum, Peek & Cloppenburg, BvSBs Buch Remix, Peek
& Cloppenburg, BvSBs CD Liverecordings, Peek &
Cloppenburg und, achja, auch noch Herrn Krachts Anthologie (das
Wort kennt keiner, deshalb immer noch mit 'h') Mesopotamia. Man
möchte Herrn Kracht fast zurufen Ein bisschen dürftig, was?
Nur ein einziges Buch, und das noch nicht einmal selbst verfasst!
Wieder ausgiebig in Südostasien rumgejückelt anstatt
ausschweifend Erlebnisse von Leserreisen zu reflektieren!,
aber diese oberflächliche, mögliche qualitative Unterscheide
gar nicht erst in Kalkül ziehende Kritik übersieht zudem, dass
der Preis (= der Kurs) des Krachtschen Werks den zweier
Stuckrad-Bände deutlich übertrifft - und darauf kommt es an,
möchte Herr BvSB doch sich und seinen Kongenius am liebsten
direkt im Wirtschaftsteil rezensiert sehen. Zu danken ist Herrn
Kracht in jedem Fall, dass er bereits drüben am Pool das Salär
für diesen Auftritt ausgeplaudert hat. Wie Herr BvSB ob dieser
Summe auf den Gedanken kam, an Arbeit künftig nicht mehr denken
zu müssen, bleibt das Geheimnis eines Getriebenen.
Ist das nun das Ende der Literatur? fragt sich Herr BvSB
am Ende besorgt und droht, nach der allfälligen Negation dieser
vom Leser gedanklich bereits in wenigen Nanosekunden als
burschikose Anmaßung verworfenen Frage in einem Werbeschlachtzug
Deutschland mit einer Feuerwalze zu ereilen.
Ich habe Angst. So etwas wie Badewannenfabriksvorführraumangst.
Wo ist der Notausgang?
Manuel Goldberg Hamburg, meistens - 29.08.99 at 21:54:07
EX-ERNST! Aber Du mußt doch eine Idee haben, was daraus
folgen könnte, sollte müßte. Oder war es nur: "Heute
regnet es nicht."?
Britta noch immer in Hamburg, - 29.08.99 at 16:36:36
Ich saß da, der Abend wurde später und ich wartete, daß die
Gäste schöner wurden, stattdessen gingen die Ansehnlichen und
sehnsuchsvoll Angesehenen und zurück blieben Schabracken,
Touristen und einige, deren Schönheit nicht zu erkennen war, da
sie sich eine Mütze Schlaf übergestülpt hatten und nun schlaff
in den Sesseln hingen. Ein Lichtblick war das Mädchen, das sich
Sekt bestellte, als sei es das erste Mal. Sie sah aus wie 14 und
hatte eine Hundehalsband um, das statt mit Nieten mit Diamanten
versehen war. Außerdem trug sie ein breites Schweißband um den
Arm, auf dem die Unterschrift von Björn Borg verzeichnet war.
Ihr weiser Kinderblick verachtete uns alle. Einmal rief ein
junger Mann mit Oberlippenbart "Zahlen" durch den
Laden. Einige zuckten leicht zusammen. An einem Tisch in der Ecke
saßen ein Junge und ein Mädchen, die nicht an Zahlen denken
wollten.
BRITTA! Ich wollte weder Schreibanweisung noch Lebenshilfe
formulieren, sondern ein Beispiel, wie es sich anders über das
unentscheidbare Verhältnis von Denken und Schreiben schreiben
läßt (Das Schweigen Dilemma) als in dieser ermüdenden
Lässigkeit unserer PoolChecker mit ihren
Plaudertaschenspielertricks.
ernst - 29.08.99 at 15:59:55
Ich glaube ja, jeder dreht sich um sich selbst. Wer damit
aufhört, verliert seine Mitte und damit das Gleichgewicht. An
wem, wenn nicht an sich selbst sollte man sich auch ausrichten.
An anderen? Aber an wem, es gibt so viele andere. Außerdem: Man
steckt nicht drin, wie ma so schee sacht. Oder an Gott? Jezuz
Xriztuz, Gott hier zu besprechen, das ist ein zu großes Ding.
Nur so viel: wahrscheinlich hockt auch Gott in der Mitte eines
jeden herum. Ab und zu legt er mir jedenfalls den Arm um die
psychische Schulter und sagt mir: "Du bist schon eine gute,
fette Seele." Und ich drehe mich weiter um mich selber, mal
trudelt mir jemand anders ins Blickfeld und weil ich mich
ziemlich langsam drehe, habe ich Muße, ein bißche zu gucken.
Hat nicht die Drehung auch was mit Gravitationskraft zu tun?
Physiker, meldet Euch! Manchmal fühle ich jedenfalls Anziehung.
Absatz. Sonntag morgen ist so schön, ich hoffe, es gibt niemals
den verkaufsoffenen Sonntag.
Britta VON Gottes Gnaden Hamburg, Deutschland - 29.08.99 at 14:55:12
1. Huch, Carmen von Samson, von Stuckrad-Barre, von Uslar. Das
ostelbische Junkertum übernimmt. Empfehle als nächsten
Neuzugang Prinzessin von Salm-Salm. Stuckrad Barre und Salm-Salm
könnten in Pool heiraten, online mit Löcher-Lawrence und
Bessing als Trauzeugen im Loop. Sven und Elke schmeissen Reis.
von Uslar fängt Brautstrauß und verlobt sich mit Pascal von
Stocki. In ein paar Jahren: Poop . Samson von
Stuckrad-Barre-Salm-Salms Pool für Kinder.
2. von Dohnanyi, übrigens, auch.
3. Biller in der SZ am Montag war nicht "erfrischend",
sondern die gleiche staatstragende Deutschlandscheiße wie die
Festreden der anderen, nur andersrum. Das gleiche Beleidigtsein,
selbes Pathos, und dieselbe Vereinnahmung des armen Bubis. Und
dann suckt dieses blöde Nationalitätentheater: die Deutschen,
die Juden. Der ewige Jude, immer noch mit gesenktem Kopf und
gelben Stern auf grauem Mantel in Erwartung der Schläge, die ihm
der ewige Deutsche, Pickelhaube auf dem Kopf, brüllend und
skandierend, Fleischberge verzehrend und glaubend an eine
Dolchstoßlegende bzgl. deutschem Fußball verschafft. Berti
Vogts. Kenne niemanden, der dem Mann mehr als schlechten Stil
vorwirft. Kann die Kostümabteilung in diesem Theater nicht mal
neu besetzt werden?
Marian Bukos Göttingen, D - 29.08.99 at 14:44:57
ja, zugegeben, auch ich suchte mich und die anderen Digitalen
und Körperlosen dort im Bethanien, wo die zeitlosen jungen
Menschen tanzten,
und nun bin ich so froh und erstaunt und traurig, weil ich
niemanden fand, mich schon gar nicht, und auch darüber
daß ernst wohl dabei war, und wir uns hätten schmecken können,
aber nicht fanden, denn wir suchten uns und melle und alles,
aber.
ich bin dennoch froh jetzt, glaube ich, weil hier wohl doch
menschen zusammenkommen und nicht nur zeichen. suse küßt euch
alle gute nacht
und dankt ganz sentimental sven und elke und ernst und britta und
melle für pool und loop und mediendeutschland und dies hier. bis
gleich. verzeihung,
aber dies ist keine abgeschlossene miniatur zum
mitnachbordrestaurantnehmen, sondern sehr referentiell.
nächstmal vielleicht.
suse müdestadt, wachland - 29.08.99 at 04:42:40
wir waren lange auf, wir haben melle in bethanien gesucht und
nicht gefunden, stattdessen gab es la dolce vita in
kreuzberg.gute nacht suse
e und ex und ernst - 29.08.99 at 04:24:30
Herr Melle, Sie sind ein Idiot! Wenn Sie so wollen auch ein
genialer Idiot. Allerdings kein idiotisches Genie. Das wären sie
vielleicht gerne, sind Sie aber nicht. Und das wissen Sie auch.
Denn der Nukleus Ihres aufgeblähten MelleUniversums heißt
wiederum Melle, dies beschäftigt Sie sehr, wie man merkt.
Faszinierend anfangs auch. Stimmt. Tempo und Aggressivität. Aber
auf Dauer sind Sie als Kern zuwenig und das ist auch Ihr Problem.
Sie drehen sich im Kreis. Immer um sich selber. Hinundwieder wird
Ihnen davon schwindelig, sie merken das, drehen feige bei und
drehen sich dann weiter.
Das Gekreisel ermüdet aber auf Dauer. Irgendwann bemerken Sie
jedoch den Kreisel nicht mehr, nur noch die anderen merken ihn.
Sie hingegen kreiseln weiter, kotzen irgendwann, kotzen die ganze
Zeit und irgendwann hat es sich ausgekotzt, dann sind sie
gescheitert, weil Ihr Kotzevorrat erloschen ist. Mellekotze
allein, ist halt als Nukleus zu wenig. Und wenn Sie dann noch
versuchen weiter zu kotzen, sind Sie es, der der eigentliche
Lähmer hier im loop ist. Und sie haben bereits damit angefangen.
leo, sehr schade, deutschland - 29.08.99 at 02:12:23
EX! Ich bin mir sowieso nicht ganz sicher, ob ich Deinen Text
verstehe. Wenn es aber so ist, wie ich denke, dann habe ich doch
noch eine Frage: Was wäre denn die praktische Konsequenz daraus?
Ich meine, hat dieser Text eine Bedeutung über sein reines
Vorhandensein hinaus? Eine Bedeutung für Leben, Schreiben,
Sprechen und Denken? Aber nicht daß jetzt jemand denkt, ich
interessierte mich für Hüte. Ein paar mal habe ich allerdings
schon Tischtennis gespielt.
Britta. Hamburg, Stadt - 29.08.99 at 01:08:10
daß naters und von uslar sich über tischtennis- und
hütchenspielerei necken und zergeln, mag amüsant sein für
leute die sich gerne bestätigt fühlen in ihrer einsicht in die
banalität des (hier etwas großes einsetzen). daß sie daß
tempo nicht verschärfen, wenn es um das verhältnis von
schreiben und denken geht, daß sie auch hier denken, in
lässiger pointensuche etwas sagen zu können, ist literarisch
und moralisch böse. irgendwann wollen wir einsatz sehen, kein
abgeklärtes drüberstehen. hier scheut sich der
schriftbegeisterte oder kämpft und plaudert nicht weiter wie
selbstverständlich. Zur totalitäten Staatsform gehört die
terminologische Erstarrung der Sprache, die autoritär wird und
auf die Vereinheitlichung der Gedanken der Denkenden hinwirkt.
Diese Autorität der Sprache über das Denken ist nicht
grundsätzlicher Natur, denn es ist nicht die Sprache überhaupt,
die hier das Denken bestimmt, sondern eine Sprache, die von einem
Denken, das sich ihr überortdnet, zu bestimmten Zwecken
eingesetzt wird. Aber das ist nur eine Verdeutlichung der
Situation, in der alle Redenden und Hörenden sich immer
befinden. In der Sprache ist früheres Denken abgelagert, das
nicht nur dadurch wirksam wird, daß man es gewähren läßt,
sondern jedem Verständigungsversuch unvermeidlich zugrundeliegt.
In dieser Blickrichtung erscheint die Terminologie als ein
Versuch des Denkens, sich von der Autorität der Sprache, das
heißt des in ihr sedimentierten Denkens zu lösen und sich als
selbstständiges zu bestätigen. Die Mitarbeit der Sprache am
Text schwächt die Stellung des Autors, der nicht mehr für alles
einzustehen vermag, was in seinem Text geschieht, und der nicht
einmal weiß, was sein Text alles enthält, weil er das, was die
Sprache mitbringt, nur unvollständig überblickt und
kontrolliert. (Kämpfen heißt hier also nicht notwendig große
Töne spucken)
ex bethanien, - 29.08.99 at 00:06:25