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pool 2 #11 (#91) 01.05.- 07.05.2001
pool 2 #10 / pool 2 #12
Longo Simone
Richard Barbieri
Fitzroy Simpson
Lloyd Ferguson
Manuel Gottsching
Bruce Woolley
Ingrid Chavez
Vikki Benson
Kathy Rosins
Leo Carrier
Peter Daou
Angus Young
Tyrone Brunson
Peter Yellowstone
Steve Voice
Geddy Lee
Robin Sellars
Jonah Ellis
Eugene Wilder
Pascal Languirand
Jim Caruso
2115 - 01.05.01 * 14:52:59
Das Plagiat ist notwendig. Es ist im Fortschritt inbegriffen.
Es geht dem Satz eines Autors zu Leibe, bedient sich seiner Ausdrücke,
streicht eine falsche Idee, ersetzt sie durch die richtige Idee
4711 - 02.05.01 * 18:59:36
Ich lese Rainalds neues Buch bei Merve, Das Jahrzehnt der schönen
Frauen, und es macht mich auf einmal traurig. Auf einmal bedaure
ich mich selbst, daß ich so wenig schreibe, so wenig erlebt habe,
weiß, ausgehe, Freunde habe, und gleichzeitig weiß ich, daß es
ein albernes Gefühl ist, weil ich der festen Überzeugung bin,
daß es jeden Tag neu anfängt das Leben, und nichts verloren ist,
und wenn schon, macht nichts, kommt ja wieder was neues.
Trotzdem gebe ich mich diesem Gefühl hin, hemmungslos, dem Selbstmitleid,
eher aus Neugier. Ich muß das Selbstmitleid mich dahinführen lassen,
an sein Ende, wo es verpufft.
Vom Gefühl her nur vergleichbar mit unglücklicher Liebe, also
einem Gefühl, das sich einfach nicht vermeiden läßt und so albern
ist.
Das Gefühl des Bedauerns, im Bett verschwindet es wieder. Ich
habe nichts erlebt, nichts gesehen, bin nicht ausgegangen und
habe keine Freunde wie er, sie, alle anderen. Das ist immer die
Rettung, dieses banale Gefühl anders zu sein.
Später suche ich die Gründe, wie ich warum gelebt habe, warum
ich eigentlich, obwohl unglaublich leichtsinnig, immer so eine
Angst vor dem Leben hatte, habe. Und daß diese Angst es geschafft
hat mich von etwas abzuhalten, an das ich mich gerne erinnern
würde. Das ich jetzt gerne als unverzichtbare Erfahrung hätte.
Eine komplette Spaltung, die täuschende Gewissheit des Erlebens,
das noch kommt, und die Ruhe des zu Hause Bleibens, die ich vorziehe.
Die Hochstapelei des Erwartens und die Ängstlichkeit. Beides krank.
Alles was wir bleibt: ein so wütender, so rasender Wille, so eine
Wut und Lebenslust, daß ich davon erstmal erschöpft liegen bleibe.
-Im Fernsehen ein Programm, als wäre die Zeit stehengeblieben,
seit Jahren. Danke-
Generell gilt: Raushauen, alles raus, wohlüberlegt raushauen,
auch Fehler. Das fehlt hier einfach. Zuviele Notizen, zuviel Vorsicht,
zuviel Angst. give face.
134 - 02.05.01 * 21:32:37
Einfach raushauen. Wohlüberlegt. Auch Fehler. Super. Und während
Sie da betteln, 134, habe ich die ganze Zeit den Kopf geschüttelt.
Ich weiss, dass Sie vor Erregung übermannt sind. Schon klar. Ich
hätte Ihnen auch gerne befohlen aufzustehen, sich von den Knien
zu erheben. Ich kenne Ihren Typ. Ich betrachte ihn, und suche
den Menschen, den ich vor langer Zeit gekannt habe. Manche sagen
heute, dass sie Grabsteine in Ihren Augen sehen.
4713 - 03.05.01 * 20:12:20
Uij. Sind wir jetzt alle ganz doll ehrlich geworden miteinander,
seit wir nur noch unter Nummern schreiben?
258 - 04.05.01 * 17:07:08
Was heisst: Seit wir mit Nummern schreiben? Wer Sie sind, 258,
wird ja wohl sehr deutlich klar. Ihr ganzes Ding steckt in diesem
"Uij". Bravo. Sehr witzig. Im übrigen wäre schon viel gewonnen,
wenn sich hier einige Mitmachneurotiker gleich von der prächtigen
Liste mit diesen wunderbar klingenden Namen verabschieden würde.
Ganz offiziell. Ich benötige keinen Diederichsen,Kracht oder Kummer,
damit ich hier Teil einer Guerrilla Hype Armada sein darf. Besonders
brauche ich kein Angsthasen- und Privatkünstertum. Ich werde auch
mit meiner Foxy Huber glücklich.
4713 - 05.05.01 * 05:44:28
www.christiankracht.com
7 - 05.05.01 * 12:15:18
4713, oder 4711, oder was auch immer, ich mag Sie. Ehrlich. Nun
habe ich eine Frage an Sie vorbereitet, damit wir uns vielleicht
ein bisschen näherkommen. Die Frage geht so: Buddhismus kennt
ja Strategien, Zeitabläufe im Innern zu verlangsamen. So sieht
der Mönch, der beim Bogenschiessen ein Ziel anvisiert, den Weg
zum Ziel voraus. Sind das Dinge die Sie interessieren?
969 - 05.05.01 * 18:17:39
Gute Frage, 969. Jetzt wird's interessant. Und ich würde gerne
wissen -- nein, nicht, für wen 4713 mich hält. Sondern für wen
4713 sich hält. Hm?
258 - 06.05.01 * 14:20:35

7443 - 06.05.01 * 17:25:37
Da hat 7 schon recht, die Antwort auf diese Frage, 258, ist auf
www.christiankracht.com zu finden.
25 - 07.05.01 * 03:45:30
Verweisen möchte ich auf das wunderbare Spiel im Forum der 13,
das Mirko Bonné und off. (aus dem Loop?) hineingestellt haben.
Wenn wir hier schon Websites zitieren.
258 - 07.05.01 * 14:08:01
Jeder ist ein Schwächenazi.
So? Ich male ihm einen Grabstein auf. Nein, ich sehe da eher Kontaktlinsen,
sagt er.
Aber B. ist entsetzt, daß ich glaube nichts zu erleben und daß
ich das auch noch in den pool schreibe. Ich würde doch eine Menge
erleben. Er ist auch beleidigt, daß ich also nichts mit ihm erlebe
und ich antworte ihm ein wenig scharf, daß es darum nicht geht,
sondern um das plötzliche Gefühl des Nichterlebens, die Freude
über etwas, hier das Buch, sogar Erregung, genau, und das Minusgefühl,
überraschend: Was ist das?
Er traut mir diese Schwäche gar nicht zu.
Ich sage ihm, es geht mir um diese kindliche Vorstellung des Erlebens,
die bei mir ausgelöst wird, daß ich dafür in die Fremdenlegion
hätte gehen, DEN Deutschen Roman als 14 Jähriger schreiben müssen
oder als Heroinpunk in Tokyo leben, um dieser Vorstellung gerecht
zu werden. Also daß es um den irrealen Wunsch des ausufernden
Erlebthabens geht. Dieser Wunsch klingt mit, wenn ich etwas schätze,
bewundere, etwas mich beeindruckt, auch wenn das Buch als Beispiel
nicht gut passt - doch, es passt sehr gut, merke ich gerade beim
Wiederaufschlagen, weil es ein Querschnitt ist durchs Denken,
Sehen, Lernen. (Rainald Goetz, Jahrzehnt der schönen Frauen)
Bei ihm steht auch diese schönen Sätze über die Prüfungen des
Nachtlebens:
"Da ist ganz große Großzügigkeit von allen gefragt. Ich bin schon
ein sehr hassdurchfurchter Typ, und dauernd macht man irrsinnig
gehässige Bemerkungen, die ja auch noch alle stimmen."
B. erzählt von Thomas Bernhard, der jede Schwäche gehasst hat
und jeden schwachen Menschen. Ich schließe mich überhaupt nicht
aus, meine verborgenen Schwächen machen mich zu einem gewaltigen
Schwächenazi. Ich hasse die Schwächen der Anderen. Ich bin schlimm,
aber das ahnt B. nicht.
Daß S. nichts gegen seinen Ausschlag macht. Ständig hat er was
und jammert kein Arzt könnte ihm helfen. Daß G. jedesmal heult
wegen seiner Freundin, die ihn ständig vor allen Leuten demütigt
und betrügt, satt sie zu verlassen. Kein Wunder, daß D. von ihrem
Freund jedesmal durchgeprügelt wird, wenn sie die Klappe aufmacht.
Wenn Pasolini heute auf einer der fragwürdigen Päderatenlisten
stehen würde, wie sie in England veröffentlicht wurden, und er
wäre deswegen gesteinigt worden, wäre meine erste Reaktion, Recht
so, die alte Sau.
Man muß sich selbst prüfen.
Ein kurzes Neidgefühl auf ein Erleben, oder auf ein Buch oder
ein ganzes Leben, ist natürlich kleine Schwäche. Aber irgendwo
muss man anfangen. Das Gefühl gehört ausgelotet, und siehe da:
es ist ein vergängliches und lächerliches. Darum gings.
Das war gemeint mit Raushauen, wohlüberlegt raushauen. Vielleicht
kennen wir uns doch noch nicht so lange.
Ist ja auch nicht einfach: Wem vertraut man seine eigene Schwäche
an? Kann man sich das leisten? Schadet es einem nicht zu sehr?
Mit Leuten, die immer nur den Eindruck machen stark zu sein und
die Lage unter Kontrolle zu haben, will ich nichts zu tun haben.
Die Welt ist voll von solchen Loosern.
47 - 07.05.01 * 14:49:25
We, it seems, can own ourselves
in imagination.
25 - 07.05.01 * 17:54:42