© www.ampool.de / Archiv -> www.imloop.de

pool 2 #7 (#87) 01.04.- 07.04.2001

pool 2 #6 / pool 2 #8

 

 



Habe heute das Verlagsprogramm von Kiepenheuer & Witsch gelesen. Dann habe ich gemerkt, es war das Fernsehprogramm von RTL 2.


501 - 01.04.01 * 10:54:04




Wenn M. mir damals Geld angeboten hätte, wäre ich mitgegangen.
So überraschend und ungewöhnlich wäre dieses Angebot gewesen
und hätte meinen Fehltritt nicht nur entschuldigt, sondern sogar
gerechtfertigt meinen Spaß zu haben, um die hungrigen Mäuler zuhause zu stopfen.


100 - 02.04.01 * 16:48:01




Heute war der Zaubertag in Berlin. Der Tag, an dem man blass in die Sonne blinzelt und `Hey Körper, du bist ja auch noch da´ sagt.Der Tag, an dem sich Frauen vornehmen, mal ein Kleid zu kaufen, das nicht schwarz ist. Der Tag, an dem es Gründe gibt, nicht Selbstmord zu begehen.


501 - 02.04.01 * 17:05:30




Hoppla, ich glaube das sitzt jemand allein zuhaus und durchsticht mit einer heißen Stricknadel bunte K & W Bücher.
Es gibt diese großartige Szene in 'Happiness', in der dieser widerliche dicke Mann an die Wand onaniert und das Sperma dann benutzt, um eine Postkarte neben seinem Bett zu befestigen. Das wäre auch eine Möglichkeit.
Was mich mehr erschreckt an Verlagsprogrammen, ist nicht Seichtigkeit, sondern die Gestrigkeit. Literatur scheint keine moderne Kunst zu sein. Die Anpreisungen sind dem Pressesprachschwulst der Plattenkonzerne ähnlich, wenn sie für ewas Gebrechliches werben. Joe Cocker, die röhrenede Bierflasche: 'Ein virtuoser Meister, der es versteht, nicht nur die Gefühle, sondern auch den Verstand zum Klingen zu bringen.' Die Klangfarbe deines Verstandes möcht ich lecken!
Und ich würde mich umbringen, wenn neben meinem neuen Roman ' Ein Fest der Literatur' stehen würde. Es klingt so nach gerötetem Gesicht.
Aber bei den meisten Büchern trifft es zu. Ihre Themen klingen ehrwürdig wie die Größen des Jazz oder kitschig wie das Spätwerk der Stones. Einsame Hotels, seelische Irrfahrten, die auf Mittelmeerinseln enden, oder verrückte Autofahrten und Begegnungen, die mich an amerikanische B-Movies aus den frühen Neunzigern erinnern, die man sich pausenlos bei den Privaten ansehen kann.
Sprachlich ist es auch nicht besser: " So hatte er geheime Vergnügungen kultiviert, von denen niemand etwas ahnte." Welches Jahrhundert bitte? "Sie warf ihren Kopf in den Nacken und nahm sein Lachen wie eine Flut wilder Küsse entgegen." Das nächstemal, wenn ich ein Lachen entgegennehme, quittiere ich. Am meisten irritiert mich beim Blättern in Buchläden die altbackene Sprache neuerschienener Bücher. Das ist so, als würde man heute als Maler auf Beckmann machen oder Picasso. Die Sprache ist so wichtig wie das Thema, aber in Rezensionen in Deutschland ist sie nur ein nebensächliches Argument.
Das zweite Buch, ebenso wie das erste, aus der Mitte des Regals genommen: "Man muß eins ganz klar sehen: Wenn ich mich den ganzen Tag lang beschwere, statt die Sache anzugehen, ist es logisch, wenn der Dampfer ohne mich ablegt." Flott geduzt und ungeduscht. Es ist wie mit den Uhren, auf denen an Stelle des Sekundenzeigers zwei Schweine rammeln. Original, aber langweilig.
Eine schöne Sprache schreibt ja Lorenz Schröter. Nur der ist leider nicht bei Kiepenheuer und Witsch.


77 - 02.04.01 * 21:07:46





Was hat denn Lorenz Schroeter damit zu tun?


501 - 02.04.01 * 21:47:53




Dinge, an die ich nicht glaube:

Daß er wirklich glaubt sein Schmatzen beim Sex würde mich anmachen. Welche Frau ihm das wohl beigebracht hat?
Daß Kate Moss mit ihrer neuen Tagesschaufrisur glücklich ist.
Daß dieses einbetonierte Mädchen ein Castor-Trauma haben wird. Die hatte doch schon vorher ein Girokonto.
Daß zynische Frauen gerne Weißwein trinken. Ich trinke Bier.
Daß ich mit einem Mann mitgehen würde, der mir Geld bietet. Er müßte mir schon ein Einkommen bieten.
Daß schnelltrocknender Nagellack ein Vorteil ist. Er stinkt und die Farben sind scheußlich.


1331 - 02.04.01 * 21:49:26




Manchmal kommt mir meine Kindheit hoch wie Pizza mit Ananas. Morgens wache ich auf,
den gesamten Text von


727 - 03.04.01 * 22:20:46




"Schmidtchen Schleicher" im Kopf. Stehe verstört am Küchenfenster,
saufe Fanta um halb sechs morgens, und frage mich, was die mit den Bildungsbürgerkindheiten
wohl einholt, womit die erwachen, wenn die Vergangenheit im Autopilot unterwegs ist.
Sehe in den halben Morgen, vor den Fenstern Berlin. Möchte verschollen sein. Wie einige
meiner Freunde mit eingereichten Doktorarbeiten, beim Verlag abgegebenen Roman-Manuskripten
und den Wohnungsschlüsseln in meinem Briefkasten. Eigentlich möchte ich auch gar nicht verschollen
sein, sondern verschellen. Weil's das aber nicht gibt, kann ich's auch nicht
machen. Von außen betrachtet, so rein grammatikalisch, ist es eh keine aktive Handlung, also
würde sich nichts ändern und Schmidtchen Schleicher käme wieder, während jemand anders meine
Pflanzen gießt und die Post hereinholt.
Ich rauche noch zwei Zigaretten, der komischen Melodie der Tauben da draußen fehlt am
Ende immer ein Ton. Lege mich wieder hin und zupfe an dem Mann neben mir, weil ich seinen
Schwanz brauche, um wieder einschlafen zu können.


727 - 03.04.01 * 22:28:26





www.sehrcool.de


7 - 04.04.01 * 08:13:18





Nochmal www.sehrcool.de. Dort gibt es garantiert keine Schwänze.


7 - 04.04.01 * 14:25:45




Über die Erwartung.

Fällt mir gerade wieder auf an einer Rezension, nein gleich an mehreren, wie sehr die Erwartungshaltung die Sicht trübt. Bei Journalisten eher störend, weil sie reden dann hauptsächlich über sich selbst und was sie sich dachten, was es ist und warum es dann so nicht ist, was ja dann immer eher schlecht ist, weil man der Erwartungshaltung widerspricht, oder daß sie es sich schon gedacht haben. Aber sonst ist es eine gute Sache, wenn man sich selbst beobachen kann, seinen Neid, seine Eifersucht und das, worüber man sich freut, vielleicht weil man es nicht erwartet hat.

- Ich dachte, die wäre wahnsinnig dumm, aber die ist ja sehr sehr nett UND schlau. Ich meine, was die Leute von der erzählen und dann kommt sie einfach auf einen zu und sagt hallo ohne jede Arroganz und hört mir zu, wie ich von meinem Familienbesuch erzähle und dann reden wir den ganzen Abend über unsere Familien. Noch nie jemand so schlauen getroffen, wirklich.

- Oh Gott, zu diesem Mann habe ich mal aufgesehen, ich konnte jeden seiner Sätze auswendig und jetzt das! Ich meine, erst fasst er mich ständig am Arm und dann erzählt er den ganzen Abend die blödsten Blondinenwitze. Und Spucke fliegt ihm dabei aus dem Mund.

- Wie macht der das, der schreibt ein Buch nach dem anderen, und dazwischen Theaterstücke und Hörspiele und wenn man ihn trifft, langweilt er sich gerade und hat nichts zu tun? Da stimmt doch was nicht. Wenn ichs mir genau überlege, schreibt er ziemlich viel Müll, völlig überbewertet, der Mann.

- Also dafür, daß Jim Carey mitspelt, und ich bin wirklich kein Jim Carey Freund, wirklich überhaupt nicht, dafür war der Film ziemlich gut. Sehr lustig, ein ziemlich guter Film.


36 - 05.04.01 * 18:44:03




Am Olympic-Airport, in der Wartehalle: Flug Zero Ten wird angesagt, die knapp zehn Pasagiere schauen kurz auf, aber es ist nur eine Verschiebung der Abflugzeit. Die Entschuldigung: "Due to Crew-Rotation". In Rot erscheint auf dem Bildschirm von Gate 7 die verschobene Abflugzeit, darunter abermals die Worte: "Crew Rotation". Eine elegante dunkelblonde Griechin mit langer, schmaler Nase in braunem Kostüm schiebt die ovale Sonnenbrille in ihr halblang geschnittenes Haar, seufzt kurz auf und geht sich einen weiteren Kaffee holen. Das Stehpult vor der Tür zum Rollfeld bleibt verwaist. Draussen startet hin und wieder eine kleine Maschine in den überblauen Nachmittag. Dann ist es soweit: Die AT 52, eine Propellermaschine mit zehn Reihen, so sieht man in einiger Entfernung, wird aufgetankt, aus einem winzigen Kerosinkarren. Wir laufen hinüber. Ich sitze Reihe vier, direkt neben der großen Flugschraube. Der kleine blonde Steward eilt mehrmals verschwitzt nach vorn und hinten; demonstriert, als sich der erste Propeller warmheult, rasch von vorne den Gebrauch des Sitzgurtes und verschwindet dann im Cockpit. Alle anderen Informationen, so die Stimme des Piloten, könne man den Sicherheitshinweisen am Vordersitz entnehmen. Wir rollen immer schneller die Startbahn entlang. Als wir schon fast am Ende der Piste angelangt sind, verlangsamt die Maschine und dreht wieder um. Dann geht es dröhnend mit Vollgas geradeaus, im Ostwind langsam hoch und wir fliegen eine weite Kurve über Athen, im Steigflug auf das Meer hinaus, immer höher, über kleine blinzelnde Inseln hinweg. Orangensaft mit Eiswürfeln.


010 - 06.04.01 * 14:43:51






33 - 07.04.01 * 21:29:06