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pool #68 08.11.-15.11.2000

pool #67 / pool #69

 



good morning America, how are you?

mit Rücksicht auf die Erntezeit: seit 200 Jahren findet die Wahl im Herbst statt

mit Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Mehrheit: die Wahl findet nicht am Sonntag statt

mit Rücksicht auf diejenigen die mit Pferd oder Kutsche von entfernten Gehöften zu den Wahllokalen kommen: nach dem Sonntag wird ein weiterer Tag für die Anreise eingeschoben

seit 1845: die Wahl findet am Dienstag nach dem ersten Montag im November statt

mit Rücksicht auf die befürchtete Unmündigkeit der Wähler: der Präsident wird auf dem Umweg über Wahlmänner gewählt

(als hätte man nur die realistische Wahl zwischen FDP und CSU, so ungefähr - und das seit man wählen kann)

Abb.: NRA-Präsident Charlton Heston

NRA für National Rifle Association


Andreas Neumeister, - 08.11.00 at 20:03:40




Samstag, der 04.11.2000

Weiß gar nichts zu schreiben.

Montag, der 06.11.2000

Nun muß ich aber doch was schreiben. Weil es so ein wildes Wochenende war. Freitag bin ich ganz brav früh ins Bettchen gegangen, habe vorher noch versucht, ein bißchen Gras im Glas zu rauchen, aber ich glaube, das hat nicht so richtig geklappt, weil es immer gleich aufgehört hat zu qualmen und zu glühen und es war auch gar nicht neblig im Glas. Könnte man wohl auch Verschwendung nennen. Aber er bißchen breit war ich trotzdem, glaube ich, habe nämlich ganz wunderbar geträumt von Bärchen auf Skipisten beim Picknick in den Schweizer Bergen.
Naja. Samstag wollte ich dann auch zu Hause bleiben, aber um halb zehn kam Lisa ins Zimmer, weil sie noch zu einer Party wollte und ob ich mit will. Schwuppschwupp aufgebretzelt und abgedüst sind wir nach Winterhude. Sehr geile Wohnung.
So, und dann sind wir um halb zwei in die Schanze gefahren, weil das bp seinen 2. Geburtstag gefeiert hat.
Stefan kam an und meinte, wir müßten reden und das täte ihm so leid von damals und er wäre ja noch so jung gewesen. Und ein anderer Typ hat mich beobachtet, der war aber blöd. Und ein Andreas hat mir beim Rausgehen einen fetten Schmatzer auf die Wange gegeben und ich habe seine Hand gehalten und bin mit ihm raus, weil der so süß war. Aber draußen vor der Tür im grellen Licht hat es dann gar nicht mehr geprickelt. Hmhmhm. Abgang Andreas.
Boris hatte mir dann eine Caipi gekauft und wir haben uns übers Knutschen unterhalten und daß er eine Frau zum Heiraten sucht und daß er gut küssen kann und ob er mir das mal beweisen soll. Wenn er mich nur knutschen will, um mir zu beweisen, daß er es gut kann, dann kann er es lassen, habe ich gesagt. Und dann fragte ich aber doch noch schnell, ob er mich vielleicht einfach nur so küssen will. Ja, sagte er.
Naja, dann meinte ich, ich müßte jetzt gehen und bin raus und er wollte mich noch ein Stück bringen und hat dann ganz lieb meinem Taxi hinterher gewunken.

Seit heute morgen kann ich nur noch Bryan Ferry / As Time Goes By hören. Diese weiche Stimme, der klingt so wunderbar verpennt und verträumt und es passt so genau in meine Stimmung. Ich bin total verliebt, absolut glücklich, überall spielen Geigen und der graue Himmel macht extra ein freundliches Gesicht.
Nur der Kater, der hält sich hartnäckig.
Wenn ich nur wüßte, wer daran schuld ist. Wenn ich nur wüßte, was mich so glücklich macht. Kann es nicht erklären. Ein Mysterium. Aber man kann sich doch nicht ohne Objekt verlieben? Es sei denn, ich habe mich in mich selber verliebt... hmhmhm

Dienstag, der 07.11.2000

Ist das der Weg aus der Depression? Ist das der Weg? Und warum bin ich dann so erschöpft? Und welche Telefonnummer hat die Avis, damit ich mein Sofa loswerden kann? Und wie steht die Börse?

Mittwoch, der 08.11.2000

HSV gegen Deportivo La Coruna. 1:1. Ich brüll mir die Seele aus dem Leib und die spielen wie die Amateure. Aber egal. UEFA-Cup ist immerhin erreicht, auch nicht verkehrt.
Aber der Heimweg eben... Erst 380 HSV-Shuttle zur Bahn, dann ab Holstenstrasse mit dem Bus (am Bahnhof liegt ein Typ auf dem Boden, so hingekniet wie bei einer Papst-Audienz, die Füße ganz verdreht, ich wollte schon 112 anrufen, aber dann ist er wieder aufgestanden, brauchte vielleicht mal ne Pause, wer weiß). So und dann die letzten Meter allein durch einsame Eimsbütteler Nebenstrassen. Mir kommt ein Typ entgegen im grauen Mantel, biegt hinter mir in die selbe Strasse, verfolgt mich quasi. Sah aber sympathisch aus, vorher, habe mir keine großen Sorgen gemacht, außerdem lief 50 Meter vor mir auch ein Mensch.
Ganz leise Strasse, nur die Schritte von drei Paar Gummisohlen waren zu hören und dann, in ganz unregelmäßigen Abständen ist eine/r von uns auf ein altes Blatt getreten. Raschel. Und dann der nächste. Raschel. Und dann zwei gleichzeitig. Raschelraschel. So ging das die ganze Straße runter, nur noch leise Schritte, leises Atmen, das rauschende Geräusch, wenn beim Gehen der Hosenstoff an den Innenseiten der Oberschenkel aneinanderreibt und das Geraschel, laut wie ein Presslufthammer gegen die leisen, rhythmischen, spätabends-und-die-Straße-ist-leer-Geh-Geräusche. Raschel. Ich bin dann leider links abgebogen, über einen Sandweg, ganz kleines bißchen Knirschen unter den Schuhen, aber keine Blätter mehr, aus dem Raschelterzett wurde dann wohl ein Raschelduett.


Sabine Weber Hamburg - - 09.11.00 at 00:13:42




Honolulu



Howard Sheronas - via mail - 09.11.00 at 20:20:50




ich fixe nicht
ich kokse nicht
ich kiffe nicht
ich trinke nicht
ich esse nicht

vorgelesen, genehmigt, unterschrieben

Abb.: Me, myself and I


Andreas Neumeister, Mjunik - - 10.11.00 at 10:40:31




Hypothek

Er sagte: ich glaube an die Dichtung, die Liebe, den Tod;
gerade deshalb glaube ich an die Unsterblichkeit.
Ich schreibe einen Vers.
Ich schreibe die Welt.
Ich existiere.
Die Welt existiert.
Aus der Spitze meines kleinen Fingers
strömt der Fluß...

Jannis Ritsos, Samos im März 1969


Eckhart Nickel St. Peter Ording - - 10.11.00 at 14:48:01






A poem for Ms Sabine Weber, writer.

I saw you standing at the stop
In your crochet halter top
And your sky-blue trainer bra,
I know you´re going to go too far.

You´re driving all the boys insane
Down by the sports hall in the rain,
chewing gum and navy dress,
purple shirt and all the rest.

Oh there´s stacks to do and stacks to see.
Stacks to touch and there´s stacks to be.
So many ways for you to spend your time,
Such alot
But I know you´ve got stacks.

I heard you let him touch too much
In the back seat of the bus.
Did you stay over at his place?
Did you do it?
Was he ace?

The world is bigger every day
And you´ve always got something to say
And you´ve always got somewhere to go.
It´s getting faster don´t you know?

That there´s stacks to do;
Places to go and
Faces to kiss,
Boys to confuse and
Appointments to miss.

So many ways to spend your time.
Such alot
But I know what you´ve got,
Yes I know that you´ve got stacks.


Christian Kracht Vientiane, Laos - - 10.11.00 at 15:12:33




Ein Abend, wie er im Buche steht: Erst, als Digestiv, ein Begrüßungsport für Michel, Fonseca Late Bottled Vintage 94, dann, ins unter Denkmalschutz stehende Poser-Restaurant POP, wo uns der freundliche Wirt Drazen an den letzten freien Tisch neben der Küche setzte und der italienische Sommelier zur Weinwahl, einem 98er Primitivo, mit an den Mund gelegtem Finger nur noch beim Abgang murmelte: "Primitivo, Primitivo, primitiv, aber warum nicht!", und dann zum runtercoolen in die BAR EINS, der DJ spielte gerade eine unterfütternde Drum'n'Bass-Version von "Tainted Love", schließlich ins FISCHERS, wo Freund Khan sturzbetrunken eine Runde Tuborg springen ließ und zu Chart-HipHop verzückt auf die Tanzfläche verführte, aber, nun endlich, zum eigentlichen Hammer: Als die Lichter angingen, brüllte der vom Streifendienst über die BMG-Streife ins verzerrte Nachtleben abgerutschte V-Mann im Tweedmantel mit Schnäuz: "Alle Kaggerlagge gehn nach Haus! Nach Haus! Aber alle Kaggerlagge!"
Deutschland im Herbst.


Eckhart Nickel Michel Obaden - - 11.11.00 at 03:45:08





Topthemen der Woche:

1. Tina Obladen (Art)
2. Soda (Fashion)
3. Grace Jones (Music)
4. Jenny Jones (Architecture)

"Was wünschst Du Dir zum Geburtstag?" - "Einen Kasten Bier." - "Und zu Weihnachten?" - "Stange Zigaretten."



Eva Munz Bangkoque - - 11.11.00 at 04:29:45





EIN HERRENPELZ AM POOL

beschäftigt literaturinteressierte Gemüter: in der ersten Ausgabe,
der von Sigrid Löffler geleiteten Kritikerzeitschrift "Literaturen",
thematisiert ein Text digitale Literatur-Salons.
Der populärste von ihnen, www.ampool.de, wird auch von Christian Kracht, 34, (ex-"Tempo", ex-"Spiegel", jetzt in Thailand lebend) besucht. Kracht und seinen Mitpoolianern wird oft Oberflächlichkeit vorgeworfen, da er z.B. einmal den Kauf eines neuen Pelzmantels bekanntgab. So auch "Literaturen": "Der König der Selbstbespiegelung ist zweifellos Christian Kracht. Einmal schreibt er: `Ich habe mir gerade einen Bodenlangen Herrenpelzmantel von Costume National für 6800 Mark gekauft´."
Den Poolbenutzern blieb die Schelte nicht verborgen. Auf die vermeintliche Kritik an seinem teuren Lebenswandel erwiderte Kracht: "Vorsorglich habe ich die Domain www.literaturen.de schützen lassen, als ich davon hörte, daß die begabte und sympathische Sigrid Löffler eine Literaturzeitschrift dieses Namens gründen will. Sie kann mir den Namen jederzeit abkaufen. Der Preis: 6800 Mark. Der bodenlange Herrenpelz, den ich mir neulich kaufen mußte, ist also längst wieder drin."
Dichtung und Wahrheit liegen ja eng beieinander. Als Domaininhaber ist ein Stefan Tuglu aus München eingetragen. Vielleicht ein Strohmann Krachts? Auf Anfrage schickt Kracht E-mails aus Nepal und Bangladesch. Klarheit bringen sie wenig. Am Satellitentelefon aus Bangkok gibt Kracht die Räuberpistole zu: "So ganz stimmt die Geschichte nicht. Frau Löffler ist bestimmt ganz nett. Ich kenne sie ja gar nicht."
Schade eigentlich. Stefan Tuglu ist von den Behauptungen Krachts weniger begeistert und droht mit seinen Anwälten: "Gut, daß er jetzt den Mantel hat. Der kann sich warm anziehen." Im 32 Grad heißen Bangkok ist das nicht notwendig, deshalb wird der bodenlange Herrenpelz zur Zeit in Berlin ausgeführt: Kracht-Freund Benjamin von Stuckrad-Barre kümmert sich um das gute Stück.
Kleiner Tipp: Die Domain sigrid_loeffler.de ist noch zu haben.


aus: KRESS REPORT 11.11.2000, München - - 11.11.00 at 20:14:03




Für den Terminkalender: 15. Dezember, Junges Theater Göttingen, Uraufführung: "Ach so." Von Jürgen Nerger und Eckhart Nickel.


Eckhart Nickel Heidelberg - - 12.11.00 at 18:16:56




Schon fast vergessen, das schöne Gefühl doch nicht auszugehen. Eine Einladung zu verpassen, eine Party sausen lassen. An den anderen Abenden haben wir uns schon gelangweilt, wir hätten selber entscheiden müssen wohin wir ausgehen, wenn überhaupt.
Nicht daß wir zu dieser Einladung, zu der wir heute gehen wollten, wirklich verpassen wollten. Aber es fing schon an mit, 'Puuh, ich bin überhaupt nicht in Ausgehstimmung', 'Nee, ich auch nicht'. Dann kam wirklich was dazwischen. Jetzt liegen die Einladungskarten mit unseren Namen neben den Drinks, die wir uns zur Feier des freien Abend gemixt haben. Und wir machen das gleiche wie jeden Abend. Mails schreiben, Reden, Lesen und Trinken. Nur mit dem angenehmen Gefühl des Verhindertseins.
Aber ein kleines schlechtes Gewissen muß dabei sein, es wärmt wie ein Kaminfeuer.


(Kleiner Tipppp: Die Domains 'stefan-tuglu.de', 'stefan-tuglu.com' usw. sind noch zu haben.)


Sven Lager - B. - 12.11.00 at 19:38:59




'In Kürze hier am pool: Jan "Foto Fix" Wenzel aus Leipzig. Herzlich Willkommen! Andreas Neumeister, Mjunik - 27.10.00 at 19:56:25' :




Jan Wenzel - via mail - 13.11.00 at 18:20:06

 


An dieser Stelle möchte ich einen Drink empfehlen, den man sich an fast jedem Ort der Welt mixen kann, den

Long Island Icetea



Rum
Wodka
Tequila
Gin
Limette
Ananas
Brauner Zucker

Die Limette kann auch eine Viertel Zitrone sein. Rum, Tequila, Wodka und Gin (alle weiß) der Einfachheit halber jeweils eine Verschlußkappe. Aus einer reifen Ananas eine Scheibe schneiden, vierteln und auspressen. Braunen Zucker dazu (nicht bei schon gesüßtem Ananassaft), einen Eiswürfel dazugeben und schütteln, nicht rühren. In ein Glas mit Eis damit und falls es zu kalt ist, in Ofennähe das Eis ein wenig schmelzen lassen.

*Kein Eistee natürlich! Dafür ist die Ananas da.


Sven Lager - B. - 13.11.00 at 20:05:14




Gratulation für die minimalste Ausdrucksabweichung im Paßbildautomaten schon jetzt. Willkommen! Grüße aus dem POP in Heidelberg.


Eckhart Nickel Heidelberg - - 13.11.00 at 23:39:00




Aus der Serie "Briefe, die man lieber nicht abschickt"

Lieber R.,
in Deiner e-mail findest Du die überarbeitete englische Übersetzung des Vertrags.
Eine Bitte hab ich noch: Mach das nie wieder.
Der Text ist letzte Woche erstellt worden, wie ich weiß. Was zwischen dem letzten Dienstag und heute morgen, als Du mich beauftragt hast, passiert ist, weiß ich nicht. Nur, daß von mir erwartet wird, die haarsträubende Übersetzung eines Nicht-Kollegen innerhalb eines Arbeitstages halbwegs verständlich hinzubiegen. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Das Englisch dieser Verträge ist -- in Teilen -- das von betrunkenen Norwegern auf Ferienreise in Athen, die gerade versuchen, eine Französin anzubaggern. Ungefähr so.
Ich weiß nicht, wessen Sünden ich da ausbügeln soll. Aber ich möchte Dich bitten, dieses Büro nicht mehr zu beauftragen, oder jedenfalls nicht anschließend mich zum Aufräumen zu bestellen. Ich verstehe bei dieser ganzen Angelegenheit überhaupt nicht, wieso mehr oder minder Eure gesamte Kanzlei mit mir zusammenarbeitet, und das - so sagt man mir jedenfalls - auch gerne und unter Anerkennung meiner Leistung, und nur Du darauf bestehst, die oben genannten geselligen Norweger zu beglücken.
Deren Quatsch ich dann innerhalb von kürzester Zeit zu sinnvoll zusammenhängenden Sätzen verarbeiten soll. Ich möchte nämlich des weiteren anmerken, daß ich gestern andere Aufträge verschoben habe, weil ich Dich gern hab, wir uns schon so lange kennen und ich Dir gerne in einer Notlage helfen will.
Was möchte ich Dir eigentlich sagen? Ich werde in Zukunft Aufträge dieser Art nicht mehr annehmen. Und für diesen berechne ich 30 % Eilzuschlag auf meinen üblichen Stundensatz hinzu. Und davon kaufe ich mir morgen ein superschickes Kleid. Für den Ärger.
In alter Freundschaft schickt Dir (trotzdem) viele liebe Grüße


Carmen Samson Berlin - - 13.11.00 at 23:52:45





Liebe Carmen,
diesen Brief solltest du unbedingt genau so abschicken!
Das rät Dir von Herzen, Deine Elke


E.N. Bangkok - - 14.11.00 at 15:53:39




Für Martin Fengel


Ablauf des Martinsfestes (Auszüge)


I.

"Wir singen das erste Martinslied: 'St. Martin du hast für uns so viel Gutes getan!'"

II.

"Martinsspiel: Die Hortkinder übernehmen den gesprochenen, und alle gemeinsam den gesungenen Teil. In diesem Spiel wirken alle Gruppen nach ihrem Können und ihren Fähigkeiten mit. Auch die Eltern sind dabei einbezogen, weil Herr Oswald ein Kindergartenpapa aus der Kuschelbärengruppe den St. Martin spielen wird."

III.

"Die Taschen sind fast leer,
doch diese Münzen geb ich her.
Das reicht für Suppe und für Brot
und stillt fürs Erste deine Not.
Doch seh ich zittern dich und frieren,
da will ich keine Zeit verlieren.
Siehst Du den warmen Mantel hier (DM 6800)?
Ich will die Hälfte schenken dir (DM 3400)."


Kuschimuschi - 15.11.00 at 11:24:52




Hihihi. Kicher.


brtt hmbrg - - 15.11.00 at 12:42:50




Ach ja, und hier noch was hübsches aus der Zeitung (ausnahmsweise), nämlich aus der TAZ:

"Schröders Augen stinken nach Kotze"

Der Bundeskanzler vertilgt angeblich Wellensittiche und verliert Körperteile, behaupten Bielefelder Schüler.

Seit einer Woche hat die Theodor-Heuß-Gesamtschule in Bielefeld-Stieghorst ihren Skandal. Der Anlass: eine schlichte Hausaufgabe. "Beschreibe einen Tag aus dem Leben unseres Bundeskanzlers Gerhard Schröder", hatte der Deutschlehrer Thomas P. von den Schülern der Klasse 5b gefordert. Ein auf den ersten Blick unverdächtiges Aufsatzthema. Doch was P.s Schüler am nächsten Tag ablieferten, lässt selbst hartgesottenen Naturen die Haare zu Berge stehen.

Melanie* (10) beispielsweise. Sie malt detailliert des Kanzlers Essgewohnheiten aus. Das Ergebnis liest sich allerdings weniger wie ein Schulaufsatz als wie die Regieanweisungen zu einem Horrorfilm: "Wenn Schröder abends nach dem Regieren nach Hause kommt, schreit er sofort los. Weil er will dann was zu essen haben. Seine Frau Doris zittert vor ihm wie Erbsenlaub. Schröder geht gleich zum Wellensittichkäfig, wo der Lieblingswellensittich von Doris drin ist. Er macht die Türe auf und packt sich das Vögelchen. Dann stopft er es sich lebendig in den Mund und zerkaut es zu Matsche." Wer glaubt, die zweifellos fantasiebegabte Autorin ließe es hiermit bewenden, irrt. Melanie zufolge vertilgt der Bundeskanzler im weiteren Verlauf des Abends: fünf Katzen, eine Schüssel voll Maden, einen Salat aus lebenden Regenwürmern und Nacktschnecken, verfaulte Eier, Froschlaich, Kohlrabi, Jauche, Erbrochenes und Eiter. Während dessen steht Doris Köpf daneben und heult ohne Unterlass.

Ähnlich rüde geht Melanies Klassenkamerad Marc (9) zur Sache. Er lässt den Bundeskanzler als Zombie in der Berliner Kanalisation leben. Schröder ernährt sich dort von Kindern, die er durch die Gitter der Gullideckel zieht. Ab und zu begibt sich der Kanzler aber auch in die Oberwelt. "Dann regiert das Monster unser Land. Dabei verliert er immer wieder irgendwelche Körperteile, zum Beispiel wenn er eine Rede hält und fuchtelt, eine Hand. Die Bundestagsputzfrauen müssen die Teile dann sofort aufsammeln, damit keiner was merkt. Manche frieren sich auch Sachen von Schröder ein. Später belegen sie Tiefkühlpizza mit ganz klitzekleinen Schröderteilen. Wenn dann einer fragt, was das ist, sagen sie einfach: Tintenfischringe."

Den Vogel schießt jedoch Mirko (10) mit seinen "Betrachtungen" ab. Er kapriziert sich darauf, Gerhard Schröders Körper zu beschreiben. Des Kanzlers Hände seien behaarte Klauen, die gern in Exkrementen wühlten, seine Beine aus stinkendem Harzer Käse, und seine Gesichtshaut gleiche einer verschimmelten Quarkspeise, die fünf Wochen im Kühlschrank gestanden hat. Grundsätzlich herrscht in Mirkos Aufsatz das Olfaktorische vor. Schröder, behauptet der junge "Schriftsteller", habe in seinem Leben nicht einmal geduscht. Er rieche "wie der alte Cockerspaniel von unserer Nachbarin, wenn es geregnet hat". Am ekelhaftesten seien aber seine Augen: "Schröders Augen stinken nach Kotze."

Was die drei Pennäler zu Papier gebracht haben, kam ans Licht, als sich eine Mutter beim Direktor der Schule beschwerte. Die weitere Prüfung ergab, dass sich auch die Aufsätze der anderen Schüler kaum von den drei zitierten unterscheiden, wenn sie auch nicht ihre diffamatorische Intensität erreichen. Schnell geriet deshalb Lehrer P. in Verdacht, er habe seine Schüler im schröderfeindlichen Sinn agitiert.

P. weist das weit von sich: "Ich habe die Schüler lediglich über den amtierenden Bundeskanzler aufgeklärt. Vollkommen wahrheitsgemäß. Ich hielt das für meine pädagogische Pflicht." Was P. allerdings unter "wahrheitsgemäß" versteht, kann nur vermutet werden. Immerhin hat der "Pädagoge" die drei übelsten Aufsätze durchweg mit "sehr gut" bewertet. Zudem räumt er ein: "Wie jeder normale Mensch empfinde ich beim Anblick dieses Bundeskanzlers einen gewissen Ekel."

Mittlerweile hat auch das nordrhein-westfälische Kultusministerium auf den Vorfall reagiert. Seit drei Tagen ist Thomas P. vom Dienst suspendiert. Der für das Schulwesen zuständige Staatssekretär, Dr. Wolfgang Meyer-Hesemann, hält sich vorerst bedeckt: "Die Sache wird untersucht", erklärte er auf Nachfrage. Ansonsten: kein Kommentar. Etwas redseliger gibt sich ein Mitarbeiter des Ministeriums, der nicht genannt werden will: "Sicher haben die Schüler in ihren Aufsätzen übertrieben. Aber mit den Augen, da haben sie recht. Schröders Augen stinken wirklich nach Kotze. Ich habe es selbst mal gerochen."

CHRISTIAN Y. SCHMIDT




Georg M. Oswald - 15.11.00 at 13:24:39




Heute in der Post, der Satz des Tages: "Kaum etwas ist so tot wie das Sakko eines Mannes, der sich für den Löwen seiner Firma hält". Wunderbar.
(aus: Claudius Seidl, Männer essen Fleisch, Frauen essen Gemüse", KiWi).

Aufgabe des Tages: Sich vorstellen, was für ein Leben die Aufsatz-Phantasie der Kinder auszulösen im Stande ist.


Eckhart Nickel Heidelberg - - 15.11.00 at 15:46:08




Mittwoch, der 15.11.2000

Eben habe ich eine olfaktorische Kettenreaktion erlebt.
Ich bin in die U-Bahn eingestiegen, müde und grummelig, weil ich zu faul war, zur Stabi zu fahren und mein Buch abzugeben, für das ich eine schlimme Mahnung (Sperrung des Kontos angedroht usw.usf.) bekommen habe. Ich sitze entgegen der Fahrtrichtung, das hasse ich, und lese Schuld und Sühne. Und es setzt sich jemand vor mich hin. Ein Mann. Sieht nicht besonders aus, zieht eine kleine 0,33 Liter Glasflasche Christinenbrunnen aus der Jackentasche, nimmt einen Schluck. Alles nichts besonderes. Blaukarierte Hemd, Jacke, Jeans, sitzt breitbeinig da, graue Socken, häßliche Schuhe. Und dann.
Ich sehe auf mein Buch und rieche. Rieche. Einen Geruch, erst dachte ich, das ist mein eigenes Parfum, dann dachte ich, ein anderes Parfum, ein Männerduft. Nein, kein Männerduft, nicht in dem Sinn. Aber es war ein Männer-Duft. Von irgendwoher roch jemand so gut, so betörend nach Mann, nicht schmutzig, nicht nach Schweiß, nicht nach Sex, nur unglaublich gut nach Mann. Ich habe da gesessen, Blick auf das Buch und versuchte, herauszuschnuppern, aus welcher Richtung der Geruch kam. ich glaube, es war der Typ mir gegenüber, der absolut nichts von einen potentiellen Liebhaber hatte. NICHTS. Aber dieser Duft, der erinnert daran, die Nase in eine haarige Männerbrust zu vergraben, und nur zu schnuppern, die Augen geschlossen. Nichts Geborgeneres, nichts Zärtlicheres und Schöneres kann ich mir vorstellen. Nicht jetzt.
Ixh träumte davon, so dazuliegen, die Nase vergraben und eingehüllt von diesem Duft Da kam die Osterstrasse, ich muß aussteigen, drehe mich nach rechts und blicke einem anderen Typen, in der Bank diagonal zu meiner direkt in die Augen. Ich muß sehr verträumt geschaut haben, denn seine Augen haben mich verfolgt, auch noch auf dem Bahnsteig. Aber der war es nicht.
Ich bin dann zu Penny und war völlig neben mir, versponnen in erotische Träumereien, deren einzige Substanz Duft ist. Ich war so nett zu einer Frau, die die Butter vergessen hatte und deren Einkaufswagen ich weiter in der Schlange geschoben habe, habe einer Omi das runtergefallene Kleingeld aufgehoben und einen Hund gestreichelt, der an der Tür gewartet hat. Sonst grantele ich schnell durch den Penny-Markt und hoffe, mit niemanden reden, geschweige denn lächeln zu müssen.
Mußte mich eben im dunkeln ans Fenster stellen. Sollte ich jemals einen Mann kennenlernen, der so riecht, ich wäre verloren, ihm verfallen, auf immer. Vielleicht würde ich ihn auch einkochen und seine Essenz um den Hals tragen.


Sabine Weber Hamburg - - 15.11.00 at 17:51:54





Jan Wenzel - Gast - 15.11.00 at 20:15:26