© www.ampool.de / Archiv -> www.imloop.de
pool #68 08.11.-15.11.2000
pool #67 / pool #69
good morning America, how are you?
mit Rücksicht auf die Erntezeit: seit 200 Jahren findet die Wahl im Herbst statt
mit Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Mehrheit: die Wahl findet nicht am Sonntag
statt
mit Rücksicht auf diejenigen die mit Pferd oder Kutsche von entfernten Gehöften zu den
Wahllokalen kommen: nach dem Sonntag wird ein weiterer Tag für die Anreise eingeschoben
seit 1845: die Wahl findet am Dienstag nach dem ersten Montag im November statt
mit Rücksicht auf die befürchtete Unmündigkeit der Wähler: der Präsident wird auf dem
Umweg über Wahlmänner gewählt
(als hätte man nur die realistische Wahl zwischen FDP und CSU, so ungefähr - und das
seit man wählen kann)
Abb.: NRA-Präsident Charlton Heston
NRA für National Rifle Association
Andreas Neumeister, - 08.11.00 at 20:03:40
Samstag, der 04.11.2000
Weiß gar nichts zu schreiben.
Montag, der 06.11.2000
Nun muß ich aber doch was schreiben. Weil es so ein wildes Wochenende war. Freitag bin
ich ganz brav früh ins Bettchen gegangen, habe vorher noch versucht, ein bißchen Gras im
Glas zu rauchen, aber ich glaube, das hat nicht so richtig geklappt, weil es immer gleich
aufgehört hat zu qualmen und zu glühen und es war auch gar nicht neblig im Glas. Könnte
man wohl auch Verschwendung nennen. Aber er bißchen breit war ich trotzdem, glaube ich,
habe nämlich ganz wunderbar geträumt von Bärchen auf Skipisten beim Picknick in den
Schweizer Bergen.
Naja. Samstag wollte ich dann auch zu Hause bleiben, aber um halb zehn kam Lisa ins
Zimmer, weil sie noch zu einer Party wollte und ob ich mit will. Schwuppschwupp
aufgebretzelt und abgedüst sind wir nach Winterhude. Sehr geile Wohnung.
So, und dann sind wir um halb zwei in die Schanze gefahren, weil das bp seinen 2.
Geburtstag gefeiert hat.
Stefan kam an und meinte, wir müßten reden und das täte ihm so leid von damals und er
wäre ja noch so jung gewesen. Und ein anderer Typ hat mich beobachtet, der war aber
blöd. Und ein Andreas hat mir beim Rausgehen einen fetten Schmatzer auf die Wange gegeben
und ich habe seine Hand gehalten und bin mit ihm raus, weil der so süß war. Aber
draußen vor der Tür im grellen Licht hat es dann gar nicht mehr geprickelt. Hmhmhm.
Abgang Andreas.
Boris hatte mir dann eine Caipi gekauft und wir haben uns übers Knutschen unterhalten und
daß er eine Frau zum Heiraten sucht und daß er gut küssen kann und ob er mir das mal
beweisen soll. Wenn er mich nur knutschen will, um mir zu beweisen, daß er es gut kann,
dann kann er es lassen, habe ich gesagt. Und dann fragte ich aber doch noch schnell, ob er
mich vielleicht einfach nur so küssen will. Ja, sagte er.
Naja, dann meinte ich, ich müßte jetzt gehen und bin raus und er wollte mich noch ein
Stück bringen und hat dann ganz lieb meinem Taxi hinterher gewunken.
Seit heute morgen kann ich nur noch Bryan Ferry / As Time Goes By hören. Diese weiche
Stimme, der klingt so wunderbar verpennt und verträumt und es passt so genau in meine
Stimmung. Ich bin total verliebt, absolut glücklich, überall spielen Geigen und der
graue Himmel macht extra ein freundliches Gesicht.
Nur der Kater, der hält sich hartnäckig.
Wenn ich nur wüßte, wer daran schuld ist. Wenn ich nur wüßte, was mich so glücklich
macht. Kann es nicht erklären. Ein Mysterium. Aber man kann sich doch nicht ohne Objekt
verlieben? Es sei denn, ich habe mich in mich selber verliebt... hmhmhm
Dienstag, der 07.11.2000
Ist das der Weg aus der Depression? Ist das der Weg? Und warum bin ich dann so erschöpft?
Und welche Telefonnummer hat die Avis, damit ich mein Sofa loswerden kann? Und wie steht
die Börse?
Mittwoch, der 08.11.2000
HSV gegen Deportivo La Coruna. 1:1. Ich brüll mir die Seele aus dem Leib und die spielen
wie die Amateure. Aber egal. UEFA-Cup ist immerhin erreicht, auch nicht verkehrt.
Aber der Heimweg eben... Erst 380 HSV-Shuttle zur Bahn, dann ab Holstenstrasse mit dem Bus
(am Bahnhof liegt ein Typ auf dem Boden, so hingekniet wie bei einer Papst-Audienz, die
Füße ganz verdreht, ich wollte schon 112 anrufen, aber dann ist er wieder aufgestanden,
brauchte vielleicht mal ne Pause, wer weiß). So und dann die letzten Meter allein durch
einsame Eimsbütteler Nebenstrassen. Mir kommt ein Typ entgegen im grauen Mantel, biegt
hinter mir in die selbe Strasse, verfolgt mich quasi. Sah aber sympathisch aus, vorher,
habe mir keine großen Sorgen gemacht, außerdem lief 50 Meter vor mir auch ein Mensch.
Ganz leise Strasse, nur die Schritte von drei Paar Gummisohlen waren zu hören und dann,
in ganz unregelmäßigen Abständen ist eine/r von uns auf ein altes Blatt getreten.
Raschel. Und dann der nächste. Raschel. Und dann zwei gleichzeitig. Raschelraschel. So
ging das die ganze Straße runter, nur noch leise Schritte, leises Atmen, das rauschende
Geräusch, wenn beim Gehen der Hosenstoff an den Innenseiten der Oberschenkel
aneinanderreibt und das Geraschel, laut wie ein Presslufthammer gegen die leisen,
rhythmischen, spätabends-und-die-Straße-ist-leer-Geh-Geräusche. Raschel. Ich bin dann
leider links abgebogen, über einen Sandweg, ganz kleines bißchen Knirschen unter den
Schuhen, aber keine Blätter mehr, aus dem Raschelterzett wurde dann wohl ein
Raschelduett.
Sabine Weber Hamburg - - 09.11.00 at 00:13:42

Honolulu
Howard Sheronas - via mail - 09.11.00 at 20:20:50
ich fixe nicht
ich kokse nicht
ich kiffe nicht
ich trinke nicht
ich esse nicht
vorgelesen, genehmigt, unterschrieben
Abb.: Me, myself and I
Andreas Neumeister, Mjunik - - 10.11.00 at 10:40:31
Hypothek
Er sagte: ich glaube an die Dichtung, die Liebe, den Tod;
gerade deshalb glaube ich an die Unsterblichkeit.
Ich schreibe einen Vers.
Ich schreibe die Welt.
Ich existiere.
Die Welt existiert.
Aus der Spitze meines kleinen Fingers
strömt der Fluß...
Jannis Ritsos, Samos im März 1969
Eckhart Nickel St. Peter Ording - - 10.11.00 at 14:48:01
A poem for Ms Sabine Weber, writer.
I saw you standing at the stop
In your crochet halter top
And your sky-blue trainer bra,
I know you´re going to go too far.
You´re driving all the boys insane
Down by the sports hall in the rain,
chewing gum and navy dress,
purple shirt and all the rest.
Oh there´s stacks to do and stacks to see.
Stacks to touch and there´s stacks to be.
So many ways for you to spend your time,
Such alot
But I know you´ve got stacks.
I heard you let him touch too much
In the back seat of the bus.
Did you stay over at his place?
Did you do it?
Was he ace?
The world is bigger every day
And you´ve always got something to say
And you´ve always got somewhere to go.
It´s getting faster don´t you know?
That there´s stacks to do;
Places to go and
Faces to kiss,
Boys to confuse and
Appointments to miss.
So many ways to spend your time.
Such alot
But I know what you´ve got,
Yes I know that you´ve got stacks.
Christian Kracht Vientiane, Laos - - 10.11.00 at 15:12:33
Ein Abend, wie er im Buche steht: Erst, als Digestiv, ein Begrüßungsport für Michel,
Fonseca Late Bottled Vintage 94, dann, ins unter Denkmalschutz stehende Poser-Restaurant
POP, wo uns der freundliche Wirt Drazen an den letzten freien Tisch neben der Küche
setzte und der italienische Sommelier zur Weinwahl, einem 98er Primitivo, mit an den Mund
gelegtem Finger nur noch beim Abgang murmelte: "Primitivo, Primitivo, primitiv, aber
warum nicht!", und dann zum runtercoolen in die BAR EINS, der DJ spielte gerade eine
unterfütternde Drum'n'Bass-Version von "Tainted Love", schließlich ins
FISCHERS, wo Freund Khan sturzbetrunken eine Runde Tuborg springen ließ und zu
Chart-HipHop verzückt auf die Tanzfläche verführte, aber, nun endlich, zum eigentlichen
Hammer: Als die Lichter angingen, brüllte der vom Streifendienst über die BMG-Streife
ins verzerrte Nachtleben abgerutschte V-Mann im Tweedmantel mit Schnäuz: "Alle
Kaggerlagge gehn nach Haus! Nach Haus! Aber alle Kaggerlagge!"
Deutschland im Herbst.
Eckhart Nickel Michel Obaden - - 11.11.00 at 03:45:08
Topthemen der Woche:
1. Tina Obladen (Art)
2. Soda (Fashion)
3. Grace Jones (Music)
4. Jenny Jones (Architecture)
"Was wünschst Du Dir zum Geburtstag?" - "Einen Kasten Bier." -
"Und zu Weihnachten?" - "Stange Zigaretten."
Eva Munz Bangkoque - - 11.11.00 at 04:29:45
EIN HERRENPELZ AM POOL
beschäftigt literaturinteressierte Gemüter: in der ersten Ausgabe,
der von Sigrid Löffler geleiteten Kritikerzeitschrift "Literaturen",
thematisiert ein Text digitale Literatur-Salons.
Der populärste von ihnen, www.ampool.de, wird auch von Christian Kracht, 34,
(ex-"Tempo", ex-"Spiegel", jetzt in Thailand lebend) besucht. Kracht
und seinen Mitpoolianern wird oft Oberflächlichkeit vorgeworfen, da er z.B. einmal den
Kauf eines neuen Pelzmantels bekanntgab. So auch "Literaturen": "Der König
der Selbstbespiegelung ist zweifellos Christian Kracht. Einmal schreibt er: `Ich habe mir
gerade einen Bodenlangen Herrenpelzmantel von Costume National für 6800 Mark
gekauft´."
Den Poolbenutzern blieb die Schelte nicht verborgen. Auf die vermeintliche Kritik an
seinem teuren Lebenswandel erwiderte Kracht: "Vorsorglich habe ich die Domain
www.literaturen.de schützen lassen, als ich davon hörte, daß die begabte und
sympathische Sigrid Löffler eine Literaturzeitschrift dieses Namens gründen will. Sie
kann mir den Namen jederzeit abkaufen. Der Preis: 6800 Mark. Der bodenlange Herrenpelz,
den ich mir neulich kaufen mußte, ist also längst wieder drin."
Dichtung und Wahrheit liegen ja eng beieinander. Als Domaininhaber ist ein Stefan Tuglu
aus München eingetragen. Vielleicht ein Strohmann Krachts? Auf Anfrage schickt Kracht
E-mails aus Nepal und Bangladesch. Klarheit bringen sie wenig. Am Satellitentelefon aus
Bangkok gibt Kracht die Räuberpistole zu: "So ganz stimmt die Geschichte nicht. Frau
Löffler ist bestimmt ganz nett. Ich kenne sie ja gar nicht."
Schade eigentlich. Stefan Tuglu ist von den Behauptungen Krachts weniger begeistert und
droht mit seinen Anwälten: "Gut, daß er jetzt den Mantel hat. Der kann sich warm
anziehen." Im 32 Grad heißen Bangkok ist das nicht notwendig, deshalb wird der
bodenlange Herrenpelz zur Zeit in Berlin ausgeführt: Kracht-Freund Benjamin von
Stuckrad-Barre kümmert sich um das gute Stück.
Kleiner Tipp: Die Domain sigrid_loeffler.de ist noch zu haben.
aus: KRESS REPORT 11.11.2000, München - - 11.11.00 at 20:14:03
Für den Terminkalender: 15. Dezember, Junges Theater Göttingen, Uraufführung: "Ach
so." Von Jürgen Nerger und Eckhart Nickel.
Eckhart Nickel Heidelberg - - 12.11.00 at 18:16:56
Schon fast vergessen, das schöne Gefühl doch nicht auszugehen. Eine Einladung zu
verpassen, eine Party sausen lassen. An den anderen Abenden haben wir uns schon
gelangweilt, wir hätten selber entscheiden müssen wohin wir ausgehen, wenn überhaupt.
Nicht daß wir zu dieser Einladung, zu der wir heute gehen wollten, wirklich verpassen
wollten. Aber es fing schon an mit, 'Puuh, ich bin überhaupt nicht in Ausgehstimmung',
'Nee, ich auch nicht'. Dann kam wirklich was dazwischen. Jetzt liegen die Einladungskarten
mit unseren Namen neben den Drinks, die wir uns zur Feier des freien Abend gemixt haben.
Und wir machen das gleiche wie jeden Abend. Mails schreiben, Reden, Lesen und Trinken. Nur
mit dem angenehmen Gefühl des Verhindertseins.
Aber ein kleines schlechtes Gewissen muß dabei sein, es wärmt wie ein Kaminfeuer.
(Kleiner Tipppp: Die Domains 'stefan-tuglu.de', 'stefan-tuglu.com' usw. sind noch zu
haben.)
Sven Lager - B. - 12.11.00 at 19:38:59
'In Kürze hier am pool: Jan "Foto Fix" Wenzel aus Leipzig. Herzlich Willkommen!
Andreas Neumeister, Mjunik - 27.10.00 at 19:56:25' :

Jan Wenzel - via mail - 13.11.00 at 18:20:06
An dieser Stelle möchte ich einen Drink empfehlen, den man sich an fast jedem Ort der
Welt mixen kann, den
Long Island Icetea
Rum
Wodka
Tequila
Gin
Limette
Ananas
Brauner Zucker
Die Limette kann auch eine Viertel Zitrone sein. Rum, Tequila, Wodka und Gin (alle weiß)
der Einfachheit halber jeweils eine Verschlußkappe. Aus einer reifen Ananas eine Scheibe
schneiden, vierteln und auspressen. Braunen Zucker dazu (nicht bei schon gesüßtem
Ananassaft), einen Eiswürfel dazugeben und schütteln, nicht rühren. In ein Glas mit Eis
damit und falls es zu kalt ist, in Ofennähe das Eis ein wenig schmelzen lassen.
*Kein Eistee natürlich! Dafür ist die Ananas da.
Sven Lager - B. - 13.11.00 at 20:05:14
Gratulation für die minimalste Ausdrucksabweichung im Paßbildautomaten schon jetzt.
Willkommen! Grüße aus dem POP in Heidelberg.
Eckhart Nickel Heidelberg - - 13.11.00 at 23:39:00
Aus der Serie "Briefe, die man lieber nicht abschickt"
Lieber R.,
in Deiner e-mail findest Du die überarbeitete englische Übersetzung des Vertrags.
Eine Bitte hab ich noch: Mach das nie wieder.
Der Text ist letzte Woche erstellt worden, wie ich weiß. Was zwischen dem letzten
Dienstag und heute morgen, als Du mich beauftragt hast, passiert ist, weiß ich nicht.
Nur, daß von mir erwartet wird, die haarsträubende Übersetzung eines Nicht-Kollegen
innerhalb eines Arbeitstages halbwegs verständlich hinzubiegen. Um es in aller
Deutlichkeit zu sagen: Das Englisch dieser Verträge ist -- in Teilen -- das von
betrunkenen Norwegern auf Ferienreise in Athen, die gerade versuchen, eine Französin
anzubaggern. Ungefähr so.
Ich weiß nicht, wessen Sünden ich da ausbügeln soll. Aber ich möchte Dich bitten,
dieses Büro nicht mehr zu beauftragen, oder jedenfalls nicht anschließend mich zum
Aufräumen zu bestellen. Ich verstehe bei dieser ganzen Angelegenheit überhaupt nicht,
wieso mehr oder minder Eure gesamte Kanzlei mit mir zusammenarbeitet, und das - so
sagt man mir jedenfalls - auch gerne und unter Anerkennung meiner Leistung, und nur
Du darauf bestehst, die oben genannten geselligen Norweger zu beglücken.
Deren Quatsch ich dann innerhalb von kürzester Zeit zu sinnvoll zusammenhängenden
Sätzen verarbeiten soll. Ich möchte nämlich des weiteren anmerken, daß ich gestern
andere Aufträge verschoben habe, weil ich Dich gern hab, wir uns schon so lange kennen
und ich Dir gerne in einer Notlage helfen will.
Was möchte ich Dir eigentlich sagen? Ich werde in Zukunft Aufträge dieser Art nicht mehr
annehmen. Und für diesen berechne ich 30 % Eilzuschlag auf meinen üblichen Stundensatz
hinzu. Und davon kaufe ich mir morgen ein superschickes Kleid. Für den Ärger.
In alter Freundschaft schickt Dir (trotzdem) viele liebe Grüße
Carmen Samson Berlin - - 13.11.00 at 23:52:45
Liebe Carmen,
diesen Brief solltest du unbedingt genau so abschicken!
Das rät Dir von Herzen, Deine Elke
E.N. Bangkok - - 14.11.00 at 15:53:39
Für Martin Fengel
Ablauf des Martinsfestes (Auszüge)
I.
"Wir singen das erste Martinslied: 'St. Martin du hast für uns so viel Gutes
getan!'"
II.
"Martinsspiel: Die Hortkinder übernehmen den gesprochenen, und alle gemeinsam den
gesungenen Teil. In diesem Spiel wirken alle Gruppen nach ihrem Können und ihren
Fähigkeiten mit. Auch die Eltern sind dabei einbezogen, weil Herr Oswald ein
Kindergartenpapa aus der Kuschelbärengruppe den St. Martin spielen wird."
III.
"Die Taschen sind fast leer,
doch diese Münzen geb ich her.
Das reicht für Suppe und für Brot
und stillt fürs Erste deine Not.
Doch seh ich zittern dich und frieren,
da will ich keine Zeit verlieren.
Siehst Du den warmen Mantel hier (DM 6800)?
Ich will die Hälfte schenken dir (DM 3400)."
Kuschimuschi - 15.11.00 at 11:24:52
Hihihi. Kicher.
brtt hmbrg - - 15.11.00 at 12:42:50
Ach ja, und hier noch was hübsches aus der Zeitung (ausnahmsweise), nämlich aus der TAZ:
"Schröders Augen stinken nach Kotze"
Der Bundeskanzler vertilgt angeblich Wellensittiche und verliert Körperteile, behaupten
Bielefelder Schüler.
Seit einer Woche hat die Theodor-Heuß-Gesamtschule in Bielefeld-Stieghorst ihren Skandal.
Der Anlass: eine schlichte Hausaufgabe. "Beschreibe einen Tag aus dem Leben unseres
Bundeskanzlers Gerhard Schröder", hatte der Deutschlehrer Thomas P. von den
Schülern der Klasse 5b gefordert. Ein auf den ersten Blick unverdächtiges Aufsatzthema.
Doch was P.s Schüler am nächsten Tag ablieferten, lässt selbst hartgesottenen Naturen
die Haare zu Berge stehen.
Melanie* (10) beispielsweise. Sie malt detailliert des Kanzlers Essgewohnheiten aus. Das
Ergebnis liest sich allerdings weniger wie ein Schulaufsatz als wie die Regieanweisungen
zu einem Horrorfilm: "Wenn Schröder abends nach dem Regieren nach Hause kommt,
schreit er sofort los. Weil er will dann was zu essen haben. Seine Frau Doris zittert vor
ihm wie Erbsenlaub. Schröder geht gleich zum Wellensittichkäfig, wo der
Lieblingswellensittich von Doris drin ist. Er macht die Türe auf und packt sich das
Vögelchen. Dann stopft er es sich lebendig in den Mund und zerkaut es zu Matsche."
Wer glaubt, die zweifellos fantasiebegabte Autorin ließe es hiermit bewenden, irrt.
Melanie zufolge vertilgt der Bundeskanzler im weiteren Verlauf des Abends: fünf Katzen,
eine Schüssel voll Maden, einen Salat aus lebenden Regenwürmern und Nacktschnecken,
verfaulte Eier, Froschlaich, Kohlrabi, Jauche, Erbrochenes und Eiter. Während dessen
steht Doris Köpf daneben und heult ohne Unterlass.
Ähnlich rüde geht Melanies Klassenkamerad Marc (9) zur Sache. Er lässt den
Bundeskanzler als Zombie in der Berliner Kanalisation leben. Schröder ernährt sich dort
von Kindern, die er durch die Gitter der Gullideckel zieht. Ab und zu begibt sich der
Kanzler aber auch in die Oberwelt. "Dann regiert das Monster unser Land. Dabei
verliert er immer wieder irgendwelche Körperteile, zum Beispiel wenn er eine Rede hält
und fuchtelt, eine Hand. Die Bundestagsputzfrauen müssen die Teile dann sofort
aufsammeln, damit keiner was merkt. Manche frieren sich auch Sachen von Schröder ein.
Später belegen sie Tiefkühlpizza mit ganz klitzekleinen Schröderteilen. Wenn dann einer
fragt, was das ist, sagen sie einfach: Tintenfischringe."
Den Vogel schießt jedoch Mirko (10) mit seinen "Betrachtungen" ab. Er
kapriziert sich darauf, Gerhard Schröders Körper zu beschreiben. Des Kanzlers Hände
seien behaarte Klauen, die gern in Exkrementen wühlten, seine Beine aus stinkendem Harzer
Käse, und seine Gesichtshaut gleiche einer verschimmelten Quarkspeise, die fünf Wochen
im Kühlschrank gestanden hat. Grundsätzlich herrscht in Mirkos Aufsatz das Olfaktorische
vor. Schröder, behauptet der junge "Schriftsteller", habe in seinem Leben nicht
einmal geduscht. Er rieche "wie der alte Cockerspaniel von unserer Nachbarin, wenn es
geregnet hat". Am ekelhaftesten seien aber seine Augen: "Schröders Augen
stinken nach Kotze."
Was die drei Pennäler zu Papier gebracht haben, kam ans Licht, als sich eine Mutter beim
Direktor der Schule beschwerte. Die weitere Prüfung ergab, dass sich auch die Aufsätze
der anderen Schüler kaum von den drei zitierten unterscheiden, wenn sie auch nicht ihre
diffamatorische Intensität erreichen. Schnell geriet deshalb Lehrer P. in Verdacht, er
habe seine Schüler im schröderfeindlichen Sinn agitiert.
P. weist das weit von sich: "Ich habe die Schüler lediglich über den amtierenden
Bundeskanzler aufgeklärt. Vollkommen wahrheitsgemäß. Ich hielt das für meine
pädagogische Pflicht." Was P. allerdings unter "wahrheitsgemäß"
versteht, kann nur vermutet werden. Immerhin hat der "Pädagoge" die drei
übelsten Aufsätze durchweg mit "sehr gut" bewertet. Zudem räumt er ein:
"Wie jeder normale Mensch empfinde ich beim Anblick dieses Bundeskanzlers einen
gewissen Ekel."
Mittlerweile hat auch das nordrhein-westfälische Kultusministerium auf den Vorfall
reagiert. Seit drei Tagen ist Thomas P. vom Dienst suspendiert. Der für das Schulwesen
zuständige Staatssekretär, Dr. Wolfgang Meyer-Hesemann, hält sich vorerst bedeckt:
"Die Sache wird untersucht", erklärte er auf Nachfrage. Ansonsten: kein
Kommentar. Etwas redseliger gibt sich ein Mitarbeiter des Ministeriums, der nicht genannt
werden will: "Sicher haben die Schüler in ihren Aufsätzen übertrieben. Aber mit
den Augen, da haben sie recht. Schröders Augen stinken wirklich nach Kotze. Ich habe es
selbst mal gerochen."
CHRISTIAN Y. SCHMIDT
Georg M. Oswald - 15.11.00 at 13:24:39
Heute in der Post, der Satz des Tages: "Kaum etwas ist so tot wie das Sakko eines
Mannes, der sich für den Löwen seiner Firma hält". Wunderbar.
(aus: Claudius Seidl, Männer essen Fleisch, Frauen essen Gemüse", KiWi).
Aufgabe des Tages: Sich vorstellen, was für ein Leben die Aufsatz-Phantasie der Kinder
auszulösen im Stande ist.
Eckhart Nickel Heidelberg - - 15.11.00 at 15:46:08
Mittwoch, der 15.11.2000
Eben habe ich eine olfaktorische Kettenreaktion erlebt.
Ich bin in die U-Bahn eingestiegen, müde und grummelig, weil ich zu faul war, zur Stabi
zu fahren und mein Buch abzugeben, für das ich eine schlimme Mahnung (Sperrung des Kontos
angedroht usw.usf.) bekommen habe. Ich sitze entgegen der Fahrtrichtung, das hasse ich,
und lese Schuld und Sühne. Und es setzt sich jemand vor mich hin. Ein Mann. Sieht nicht
besonders aus, zieht eine kleine 0,33 Liter Glasflasche Christinenbrunnen aus der
Jackentasche, nimmt einen Schluck. Alles nichts besonderes. Blaukarierte Hemd, Jacke,
Jeans, sitzt breitbeinig da, graue Socken, häßliche Schuhe. Und dann.
Ich sehe auf mein Buch und rieche. Rieche. Einen Geruch, erst dachte ich, das ist mein
eigenes Parfum, dann dachte ich, ein anderes Parfum, ein Männerduft. Nein, kein
Männerduft, nicht in dem Sinn. Aber es war ein Männer-Duft. Von irgendwoher roch jemand
so gut, so betörend nach Mann, nicht schmutzig, nicht nach Schweiß, nicht nach Sex, nur
unglaublich gut nach Mann. Ich habe da gesessen, Blick auf das Buch und versuchte,
herauszuschnuppern, aus welcher Richtung der Geruch kam. ich glaube, es war der Typ mir
gegenüber, der absolut nichts von einen potentiellen Liebhaber hatte. NICHTS. Aber dieser
Duft, der erinnert daran, die Nase in eine haarige Männerbrust zu vergraben, und nur zu
schnuppern, die Augen geschlossen. Nichts Geborgeneres, nichts Zärtlicheres und
Schöneres kann ich mir vorstellen. Nicht jetzt.
Ixh träumte davon, so dazuliegen, die Nase vergraben und eingehüllt von diesem Duft Da
kam die Osterstrasse, ich muß aussteigen, drehe mich nach rechts und blicke einem anderen
Typen, in der Bank diagonal zu meiner direkt in die Augen. Ich muß sehr verträumt
geschaut haben, denn seine Augen haben mich verfolgt, auch noch auf dem Bahnsteig. Aber
der war es nicht.
Ich bin dann zu Penny und war völlig neben mir, versponnen in erotische Träumereien,
deren einzige Substanz Duft ist. Ich war so nett zu einer Frau, die die Butter vergessen
hatte und deren Einkaufswagen ich weiter in der Schlange geschoben habe, habe einer Omi
das runtergefallene Kleingeld aufgehoben und einen Hund gestreichelt, der an der Tür
gewartet hat. Sonst grantele ich schnell durch den Penny-Markt und hoffe, mit niemanden
reden, geschweige denn lächeln zu müssen.
Mußte mich eben im dunkeln ans Fenster stellen. Sollte ich jemals einen Mann
kennenlernen, der so riecht, ich wäre verloren, ihm verfallen, auf immer. Vielleicht
würde ich ihn auch einkochen und seine Essenz um den Hals tragen.
Sabine Weber Hamburg - - 15.11.00 at 17:51:54

Jan Wenzel - Gast - 15.11.00 at 20:15:26