© www.ampool.de / Archiv -> www.imloop.de
pool #61 16.09.-22.09.2000
pool #60 / pool #62
Die Indios in der Stadt haben jetzt Verstärker mit Hintergrundmusik dabei und dröhnen
auf ihren Panflöten Lieder nach Art von "Tränen lügen nicht" mit Playback
über den Bismarckplatz. Wer hat sie auf diese Idee gebracht? Wer konnte diesen, das
Schlimme zum noch Schlimmeren wendenden, fatalen Stilwechsel heraufbeschwören? Haben sie
in ihren kargen Übergangswohnungen zu viel Volksmusik und Schlager im Ersten und Zweiten
schauen müssen? Haben sie sich das begeisterte Publikum des Nachmittagsprogramms zum
Vorbild genommen? Und wer hat Ihnen dann die CDs oder Kassetten mit der Hintergrundmusik
angedreht? Wie konnte es nur passieren?
So geht es mir durch den Kopf, während ich in der Hof-Apotheke stehe und der neue
Indio-Sound schwallartig durch die auf- und zugehende Sensorenschiebetür sickert. Und wie
mir beim Warten auf das Unterschreiben des Kassenzettels auffällt, daß die ohnedies
kostspielige Zahncreme "Original Rembrandt" noch einmal um eine Mark
fünfundfünzig zugelegt hat, sehne ich mich ungelogen das erste Mal in meinem Leben nach
den Original-Peruanern mit "El Condor pasa" zurück.
Eckhart Nickel Herbst - - 16.09.00 at 18:20:42
Heute nicht entscheiden können zwischen der 5-stöckigen Parkgarge mit 163 Teilen und der
mit nur 67 Teilen oder der 3-stöckigen von Matell (zusammenklappbar, aber viel zu teuer).
Dafür einen Batmananzug gekauft. In der Röhrenrutsche dann echtes Angstgeschrei der
anderen Kinder. Auf jeden Fall der größere Spaß.
Sven Lager B. - sleep tight - 17.09.00 at 22:18:35
Für die Sammlung:
- Der Nachrichtensprecher der BBC spricht in der Meldung über den Österreich-Bericht der
drei Weisen konsequent von "the Austrian chancellor Mr. Scheussel".
- buecher.de inseriert auf der Homepage der New York Times unter anderem: Ernest
Hemmingway.
Jetzt muß ich nur noch herausbekommen, was letzteres bedeuten soll.
Carmen Sammson Berlin - - 18.09.00 at 12:49:35
Andrian Kreye, Brooklyn, NY - - 18.09.00 at 16:04:04
Heute: für Malérie - Für die nette Fanmail.
Ja, wow, plötzlich geht das. Wieder. Die Finger schnurren über die Tastatur, verdammt,
ich hätte schon gerne etwas noch Leichteres, Flüssigeres als eine Tastatur. Allein die
Schreibfehler, Flüchtigkeitsfehler kosten mich ein Viertel der Zeit. Erstmal
runterschreiben, eine neue Idee. Das liegt im Kopf, weiß der Teufel was da vor sich geht,
und plötzlich geht das: Schreiben. Das, was ich eigentlich tun will, nicht die ganzen
Dinge, die ich tue, fast schon als Übersprungshandlung. Doch The Face lesen, ja, Video,
drei Stunden? Okeh. Dies und Das. Nein, Schreiben, jetzt.
Es gibt dabei, ich weiß nicht wie es anderen geht, zwei Arten des Schreibens. Mühsam,
langsam, feilend, zäh. Oder schnell, mit Fehlern, die Hälfte kann man streichen. Die
zweite Art ist mir lieber. Raus und dann kämmen. Hört sich fast an als könnte ich das.
Vielleicht. Vielleicht der Moment zu bemerken, daß das Schreiben von der Hand geht. Eine
der seltenen richtigen Metaphern. Ende der Scham vielleicht auch, für den Moment. Die
Scham, die ich auch von Künstlerfreunden kenne: Mache ich überhaupt etwas Richtiges,
Echtes? In einer Welt der genauen Berufe, der klaren Linien. Nichts gelernt. Doch,
Schreiben. Nonstop daran denken, schon im Schreibmodus denken. Das passiert. Nie genau
wissen, ist das Gerade-Nichts-Schreiben jetzt, Vorbereitung oder Leerlauf?
Ich rauche zuviel. Der Moment, in dem ich wirklich schreibe, an einem Stück, weiter und
weiter. Selten genug. Gerne habe ich mich vor dem Moment gefürchtet, bin aufgestanden,
habe einen Kaffee gekocht, telefoniert. Fast wie sich Verlieben. Man erträgts kaum. Ein
sehr schöner Moment. Also dranbleiben. Erst beim Schreiben fällt mir ein wie es
weitergeht. Ein zweites Ich. Nein, eine innere Logik, ausgelöst durch die ersten
Tastaturbeweungen, den Cursor, schon geschriebene Zeilen.
Irgendwann alles wieder wegwerfen, oder es ist gut, genau das, kleine Änderungen, das
geht erst ein paar Tage später, eine Stunde, der Lesemodus. Beim Schreiben bin ich nicht
bei Besinnung. Ich bin der Andere, der, den ich manchmal träume, im leichten Dämmer,
morgens. Liquid-Boy. Jetzt übertreibe ich.
Tu ich nicht. Sprache, Geschichten.
Wers liebt.
Sven Lager - B. - 19.09.00 at 20:12:58
In der ICE-Rauchergaststätte des Spätzuges "Maria Sybilla Merian" kurz hinter
Hannover sitzt mir eine elegante junge Dame im dunkelbraun durchbrochenen Ensemble mit
beiger Lederhandtasche und Sonnenbrille im Haar gegenüber, versunken in einen Band
Gedichte von Thomas Bernhard, dessen Seiten sie durchblättert und immer wieder leise
auflacht. Sie hat die Beine übereinandergeschlagen und ihr linker Schuh kreist in der
Luft. Und da ich schon denke, nanu, wie wunderbar, daß jemand diese wenig bekannten
Meisterstücke so sichtbar zu schätzen weiß, blickt sie auf, und ich denke bei mir,
dieses Gesicht habe ich schon einmal gesehen. Da erkenne ich, um wen es sich handelt: Zoë
Jenny. Auf meine Frage nach ihrem Wohnort antwortet sie Nirgendwo. Draussen verblasst ein
orange glühender, klargefegter Septemberhimmel und es wird dunkel. Wir reden und reden
und plötzlich sind wir schon in Frankfurt und sie steigt aus. Vorher stellen wir noch
rechtzeitig fest, daß es zwei Dinge gibt, ohne die man nie leben sollte:
Cailler-Vollmilchschokolade und Portwein.
Eckhart Nickel Herbst - - 20.09.00 at 00:09:52
Liebe Eva - das ist lustig. Meine Top-Themen der Woche unterscheiden sich nur
unwesentlich von Deinen!
Sie lauten:
-Trockenfutter
-Fünf Sterne Deluxe
-der Schlaf
und
-The Gap
Und wir haben ja erst Mittwoch.
Bei der Lektüre der letzten Pool-Einträge fällt mir etwas auf.
Manche Wortelassen so ein unwohles, auch etwas aggressigves Gefühl entstehen, so als
würde es unter den Fingernägel schrecklich jucken. Oder so wie das letzte Drittel
Runterkommen von einer Pille. Das Wort »Pausehof«, wie etwas weiter oben von Dir, lieber
Lorenz, benutzt, ist so ein Wort. Ganz genauso »Schokoladepudding«, oder aber auch
»bulthaup«. Den beiden ersten würde ich gerne mit aller Gewalt ein »n« in die Mitte
schlagen, und bei dem dritten würde ich gerne das »t« hinter das »p« prügeln.
WEIL ES DOCH SO VIEL SCHÖNER UND RICHTIGER KLINGEN UND AUSSEHEN WÜRDE!!!
zu blöd
Rebecca Casati münchen - - 20.09.00 at 15:11:27
neu:
Bannerklickrate
Adlonliteratur
Arbitration Panel
Stubai Cliffhanger
Mittelstandssoftware
Andreas Neumeister - 20.09.00 at 15:29:05
Liebe Rebecca
Und wer war es, der Moshammer mit doppel O geschrieben hat? Ich glaube, das war eine
gewisse Mode-Redakteurin.
Er heißt ja in Wirklichkeit Mosch-ammer.
In der Zeitschrift Literaturen steht wieder was zum Gähnen über pool. Irgendwas über
Arroganz und dass sich Christian Kracht mal einen Pelzmantel gekauft hat für 6800 DM. Und
wie langweilig wir sind und blass, und dass man sich darüber furchtbar aufregen könnte,
als gäbe es nichts Einfacheres auf der Welt, als eine Website zu ignorieren. Anscheinend
aber doch nicht.
Manchmal fühle ich mich ja schon alt, aber wenn ich sowas lese, denke ich wieder, Wow!,
Speerspitze der Avantgarde, meilenweit voraus, nichts begriffen die dahinten unseren
Gummiabrieb beim Gasgeben beschnüffeln.
"Alle Menschen warten, doch wir, doch wir, doch wir sind schon längst fort."
Der Plan.
lorenz schröter berlin - - 21.09.00 at 09:39:43
En passant erfahre ich gestern im italienischen Denkmal-Restaurant "Pop" in der
Unteren Straße einen entscheidenden Wandel beim Apero: Es wird nun nicht mehr ungefragt
Prosecco angeboten, sondern, man beachte das verschollene und einst geschmähte Wort,
"Spumante" aus dem Trentino, wie der neue Kellner aus Italien rollend-singend
bemerkt: "Das ist unsere Champagner!". Schmeckt in der Tat knalltrocken,
sprudelt ordentlich und wird ziemlich kalt serviert.
Eckhart Nickel Herbst - - 21.09.00 at 11:07:37
Meine Topthemen der Woche:
- Madonna
- Vater
- Farbe
- Pre-school
Liebe Rebecca,
Selbstverständlich heißt es: PauseNhof und SchokoladeNpudding und das Wort bulthaup
läßt sich ohne weiteres ein Leben lang vermeiden.
Musik der Woche:
- Madonna "Music"
Getränk der Woche:
- Long Island Icetea
Satz der Woche:
NOBODY IS PERFECT
WHAT DID YOU EXSPECT?
I WILL DO MY BEST
Elke Naters - Bangkok - 21.09.00 at 12:52:54
Hamburg war schön.
Es ist immer schöner, wenn es schön ist.
Hamburg ist bei schönem Wetter am schönsten.
Köln war schön.
Es ist immer schöner, wenn es schön ist.
Köln ist bei schönem Wetter am schönsten.
Karlsruhe war schön.
Es ist immer schöner, wenn es schön ist.
Auch Karlsruhe ist bei schönem Wetter natürlich am schönsten.
Abb.: Leerstehende Regierungsgebäude in Bonn
Andreas Neumeister, Mjunik - - 21.09.00 at 15:36:16
Meine Top-Themen der Woche (Was ich davon halte):
-Die Zukunft der Jeans
-Fruchtbombe
-Haare nach vorne
-Kompensation
Bourgeoisie as a Rebel.
Eckhart Nickel Herbst - - 21.09.00 at 20:14:13
Lieber Lorenz,
vorsorglich habe ich die Domain www.literaturen.de schützen lassen, als ich davon hörte,
daß die begabte & sympathische Sigrid Löffler eine Literaturzeitschrift dieses
Namens gründen will. Sie kann mir den Namen jederzeit abkaufen. Der Preis: 6800 Mark. Der
Bodenlange Herrenpelz, den ich mir neulich wegen Norbert Niemann kaufen mußte, ist also
längst wieder drin.
Christian Kracht Bangkok, Thailand - - 22.09.00 at 05:44:45
Topthemen zum Wochenende:
1. Madonna
2. colonic irrigation
3. Mount Kailash
4. Gold (immer noch)
eigentlich alles ein Thema: long live esoteric realism!
Eva Munz Bangkoque - - 22.09.00 at 15:44:12