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Textasy Archiv #02 (Mai 2000)

txtc #01 / txtc #03

 


ola,da nuevo.
soeben hier gescrollt. Da der loop schläft, ich aber am Tag der Arbeit arbeite, eben schreibe,schreibe ich:

Es war einmal ein Taucher, der wünschte sich nichts mehr als die Stadt am Meeresgrund zu finden, in der er seine Träume als kleine Luftblasen erleben könnte, dort wo man sagt, die Wünsche erfüllen sich. Zumindest sichtbar.
Er besorgte sich Flaschen und Anzüge und Brillen, und er nahm immer seine Kamera mit.
Eines Tauchganges entdeckte er ein grosses Fass, das auf dem Meeresgrunde lag.Er schwamm hinein und dort lag ein Mann in einem dunkelblauen Anzug und rauchte eine Zigarre.
"Weisst Du wo ich die Stadt der Wünsche finde?"fragte er ihn.
Der Mann lächelte und sagte:
"Sei froh, dass Du nur mich siehst und nicht den Rest Deiner Wünsche.", dann stand er auf und verwandelte sich langsam in eine purpurfarbene Flasche.

alinia ,santa cruz , Mon May 1 09:40:03 2000


Abenteuer für ´nen Groschen...

Vor 11 Jahren kostete ein U-Bahnticket noch zwanzig Pfennig. Für Kinder die Hälfte. Und in meinem Berlin gab es nur zwei U-Bahnlinien. Ich war vier als ich "die andere" Linie zwischen Alexanderplatz und Tierpark kennenlernte. Meine Großtante wohnte am anderen Ende der Stadt in Friedrichsfelde in einem Vollkomfort Neubau. Die Reise mit der U-Bahn vom Senefelder Platz, mit Umsteigen am Alexander Platz glich einer Weltreise.
Auf der mir neuen Linie fuhren andere Züge. Sie waren breiter und großzügiger. Sie sahen genauso aus und verbreiteten die selben Geräusche beim Anfahren, wie die S-Bahnen. Am Ende eines Wagens gab es entweder eine Sitzbank quer zur Fahrtrichtung oder eine Nische mit einem Zwei- und Dreisitzer sowie einen Klappsitz. Dieser Platz war immer der Grund für einen zünftigen Streit zwischen meinem Bruder und mir, war es doch von dort aus möglich, hockend in den anderen Wagen zu schauen. Dennoch war das alles nichts im Gegensatz zu meiner meiner damaligen "Stammstrecke" zwischen Vinetastr. und Otto- Grotewohl- Str. Dort fuhren noch Züge aus Vorkriegszeiten. Diesen Geruch den die Holzverkleidung und das rote Leder verströmte, werde ich nie vergessen. Auf allen Zügen fuhren damals noch ein Zugführer sowie ein Zugbegleiter, der das Abfahrtssignal gab. Einige sehr alte Züge hatten noch nicht einmal eine gemeinsame Kabine für Führer und Begleiter. Der Fahrer saß in einem Minikabinchen. Der Begleiter stand im Fahrgastraum in einer kleine Nische mit Blick nach vorn. Dieser Tunnelblick war das Beste. Der war noch nicht einmal durch den Klappsitz nach Friedrichsfelde zu toppen. Im letzten Wagen war dieser Platz mit Blick nach hinten frei und somit das faszinierenste, was einem kleinem Jungen damals so passieren konnte.
Mit dem Beginn meiner Schullaufbahn, endeten die regelmäßigen Fahrten auf der alten Strecke. Wir bekamen eine neue Wohnung in Friedrichsfelde.
Eine der größten Abenteuer war es nun, heimlich vom neuen Zuhause, zum Alex zu fahren, auf eine der alten Bahnen zu warten und die ganze Strecke einmal hin und her zu fahren. Wir zahlten natürlich nur, wenn wir an einer Zahlbox vorbei kamen. Und da das nur einmal beim Einsteigen passierte und wir an den anderen Bahnhöfen ja nur die Züge wechselten, kostete das Abenteuer für jeden nur zehn Pfennig.

MARiO ,L.E. , Mon May 1 09:58:29 2000


Maiveranstaltung der SP: Kein Gehalt unter 3.000 Franken!

gHack ,Ritchie Rich , Mon May 1 13:58:39 2000


Wow...so viele neue Gesichter hier bei uns in Textasy....ich bin gespannt, wie das wird...und ob ich als Nicht-Berliner überhaupt ne Chance habe, der Sache zu folgen...

...Fritzi...ich kann so gut verstehen....aber ob Mario das auch kann....es sind halt Männer, that's it...

alannis ,Leipzig , Mon May 1 16:11:07 2000


Vergleich U-Bahn HH - Berlin Teil I

Die Berliner U-Bahnen sind gelb. Die Hamburger müssen auch irgendeine Farbe haben, aber auch wenn ich noch so oft mit ihnen fahre, weiss ich es nicht. Nicht definitiv. Vielleicht orange-silber, ich bin mir nur nicht sicher.
In Hamburgs U-Bahnen gibt es 2 mögliche Arten von Ansagen für die nächste Haltestelle. Entweder der U-Bahnfahrer selbst, ein alter, knatteriger Hamburger, vielleicht früher mal möglicherweise Hafenarbeiter: "nächster Haltestelle..." - ("Stelle" natürlich ausgesprochen wie "spitzer Stein") dann dauert es eine Weile, er guckt auf irgendeinem Plan nach, wo er doch nach diversen Fahrten langsam mal die Strecke mit den Haltestellen kennen sollte, und nuschelt weiterhin vielleicht "Berliner Tor". Aber dass man es versteht, ist eher nicht anzunehmen. Man sollte sich eher am U-Bahnnetzplan orientieren, wozu man nur den Kopf gen Himmel verrenken muss um dann die richtige Linie rauszusuchen und sich die vorherige Haltestelle gemerkt habendie

Die Alternative dazu ist ein Tonband, und dazu in Verbindugn sogar (zumindest auf der Linie U2) ein sog. Infoscreen, ein Bildschirm, mehrfach im Abteil angebracht, der dazu ein schönes Bild der Haltestelle anzeigt. Die Stimme ist eine sehr erotische Frauenstimme.

In Berlin sind nur diese Tonbänder zu finden : "nächste Haltestelle" oder: "Zug nach Vinetastrasse" wenn der Zug im Bahnhof hält, dazu: "Einsteigen bitte", "zurückbleiben bitte" und das ganze Trara, alles von der selben Frau gesprochen. Ein bisschen persönlicher ist da der olle Urhamburger schon, finde ich.


Morgen: Die Rolle der "Motz" in der Bahn und die Berliner U-Bahn-Fensterscheiben.
so long:

ShanShana ,von hier. , Mon May 1 17:58:06 2000


wollt ir wirklich wissen, wei die bayern U-Bahn fahren?
genau -weiss-blau, das letztere vom frühlingsfest, a boa mass,
nächster halt:odeonsplatz, bitte zurückbleibben,
handgesprochen vom fahrer,akzent sächsisch,
do bleibmsch zrück,bittä
wuff,sauba samma,schwarzesheriffs hamma
dass mir ja keen besoffna in den ascher kotzt.
die Münchner nennen es den untagrund.

in meiner heimatstadt gibt es nur den GuaGua ->Bus, und der ist staubgrau und ohne Ansage.
vale

alinia ,santa cruz , Mon May 1 22:07:22 2000


Vergeich U-Bahn HH - Berlin Teil II
In Berlin sind komischerweise alle Fenster der U-Bahn zerkratzt. Es hängt eine Liste aus für Beschädigungsstrafen, und sog. "scratching" wird mit 250,- DM Geldstrafe geahndet. Ich schätze, sie haben noch nie einen geschnappt. Es findet sich nämlich wirklich schwer eine Scheibe, die nicht zerkratzt ist..
In Hamburg ist mir sowas noch nicht aufgefallen. Vielleicht sind dort die Fenster grösser. Oder von besserer Qualität, lassen sich halt nicht so gerne zerkratzen, sind robuster! Tja, tolle Bundshauptstadt, wo die Fenster in der Bahn zerkratzt sind und die sich nicht mal bessere Glasscheiben leisten können, so wie die guten alten Hamburger!

In Berin sitzt man sich gegenüber in der U-bahn. In HH gibt's diese 4er Sitze, je ein 4rer auf einer Seite, dazwischen ein Gang, das ist da schon diskreter. In Berlin weiss deswegen man nicht, wo man hin und wen man angucken soll, besonders, wenn man alleine ist. Aber alleine in Berlin, das will ich eh nicht sein...
In Berlin steigen oft bestimmte Menschen in die Bahn ein. Fährt der Zug an, schreien sie: "Schönen guten Tag, meine Damen und Herren, ich habe hier die Motz, die Motz ist ein Selbsthilfeprojekt, das Obdachlosen helfen soll [blablabla], und ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere mir eine Motz zu 2DMark abkaufen würde. Eene Mork geht davon an mich" Und dann gehen sie durch's Abteil und fragen jeden einzelnen "Möchten Sie vielleicht die Motz haben?" Und man muss beschämt zu Boden guckend verneinen. Wer will schon etwas mit so einem Titel! Motz! also wirklich...

In HH gibt es zwar auch eine Strassenzeitung, die "Hinz und Kunz", aber in der U-Bahn wurde sie mir noch nicht angeboten. Die schreien eh nicht so rum, die stehen eher stumm vor Karstadt und zeigen sie einem unauffällig, aber der Titel ist eben auch nicht MOTZ. Vielleicht ist der Name der Zeitung das Lebensmotto... Den Berliner Obdachlosen ist es ja jetzt auch verboten, ihre "Motz" oder "Strassenzeitung" in der Bahn anzupreisen, aber sie tun es doch, auch wenn sie jetzt vorsichtiger sind. Ich würde es Ihnen lassen. Auch wenn das für's Image schlecht ist, ist es eben ein Selbsthilfeprojekt!

trallalla, und morgen, .... tja, wird es ein morgen geben???

ShanShana ,von hier weil da so! , Tue May 2 13:52:03 2000


Es gibt jetzt ein neues Fernsehgerät mit integriertem Flachbildschirm, ISDN-Leitungssystem, Bildtelefon, Radio, Computer, Fax, Scanner, Audio- Video-CD-Recorder und Gameboy (für SuperMARiO in 16:9 SuperPalPlus...). Demnächst trifft sich mein Toaster und meine Klospühlung zum virtuellen Chat im Internet. Wann kommt der Zeitpunkt, daß der Mensch seine Sprache an die Kommunikationsmittel von heute so anpaßt (ich denke da so an das Geräusch eines Modem´s beim Aufbau einer Onlineverbindung), das Sprache nur noch eine Frage von Taktfrequenz und Bit-breite ist...??

Gibt es ein Morgen ? Mit Sicherheit...



MARiO ,Heldenstadt , Tue May 2 17:05:10 2000


Ich bin Der, der Du sein wirst.
Und Du bist Der, der Ich war.

Auf einem deutschen Friedhof in Rumänien gelesen. Weiter unten standen die Geburts- und Sterbedaten eines Mannes. Der Name der Frau und - nur - ihr Geburtsdatum ebenfalls...

Auf jeden Fall ein Morgen...

RADU & MARiO ,Turgu Mures /ROMANiA , Tue May 2 17:14:49 2000


Grafitties machen graue Wände lebendig...
Eine der besten "Freiluftgallerien" befindet sich am S-Bahnhof Berlin-Karlshorst (in Fahrtrichtung stadtauswärts, entlang der Mauer zur Trabrennbahn...). Oder auch gut, das Fußgängertunnelsystem unterm Thälmannplatz in Halle/S.
Hier in L.E. stand mal neben einem Graffiti der Spruch "malen ist meine Art zu fliegen".

Schön, wirklich schön.

Die Frage, ob Geldstrafe und Strafarbeit ein wirksames Mittel gegen Graffiti, Bombing und Scratching ist, sei dahingestellt...

Ich glaub nich dran.

MARiO ,Spraycityyyyy , Tue May 2 17:35:49 2000


am rande verweilend...
während, schmatzend, rauschend, das leben vorbeizieht
immergruene hoffnung...
auf erlösung ?!

Isobel ,L.E. , Wed May 3 09:09:08 2000


Frage: was hat ein ermordeter japanischer Tourist, der Guatemala Kinder fotografierte mit dem Mogul Leo Kirch un seinen Milliarden für die Übertragungsrechte des DFB zu tun?
SInd wir bis zum letzten Tropfen käuflich?
WO ist die Schamgrenze heute, hier?
Antworten werden mit Antworten belohnt.
Tschüssi

alinia ,santa cruz , Wed May 3 14:17:22 2000


hey, es gibt ein morgen, ich danke euch!!

noch ein paar Abschlussbermerkungen zur u-bahn, ich gebe dann auch ruhe. zumindest damit.
Der Vorteil in Berlin ist die Tageskarte, die nur um die 8DM kostet, in Hamburg kostet sie fast das doppelte, nämlich 13DM ab 9 Uhr, und vorher auch noch teurer.
Gut gefällt mir in Bärlin auch die Türöffnungstechnik, man muss nur auf einen Knopf leicht drücken, sobald er grün aufleuchtet, und schon geht die Tür auf. In Hamburg muss man an der Tür reissen, was manchmal, mit vielen Einkaufstüten beladen oder mit schwacher Brust, doch nicht so einfach ist.
Dafür hat Hamburg allerdings in jedem Wagen eine Notknopf, wo man sofort Sprechkontakt zum Fahrer bekommt. Den gibt's allerdings auch erst NACHDEM ein Mädchen in der Bahn vergewaltigt wurde, vor allen Leuten, die nichts gemacht haben.
In Berlin dagegen gibt es Plakate mit Verhaltensregeln in den Abteilen, die z.B. bei Lichtausfall, Feuer etc. anzuwenden sind. Die sind wohl auch erst angebracht worden, NACHDEM irgendetwas in der Richtung passiert ist. Und die kann man bei Lichtausfall eh nicht lesen, wies mich mein Freund und Helfer neulich hin. Recht hat er...

nunja, ansonsten frage ich mich, ob die ganzen berliner und leiptscher denn schon vom legänderen OZ gehört haben...

so dann sei dies vollendet.

ShanShana ,hotcity , Wed May 3 16:25:56 2000


"Fünf Antworten auf die Frage: Was ist unangenehm ?"

Auf Grund einer Mandelentzündung und damit verbundener Schluckbeschwerden gezwungen sein, einen Zahnputzbecher zur Aufnahme des Speichels neben das Bett zu stellen. Dann im Halbschlaf den gefällten Becher umzuwerfen. Das Aufwischen.

Beim kontrollierenden Blick auf das Klopapier statt einer je nach dem unterschiedlichen Braunfärbung eine größere Menge Blut zu entdecken. Hervorgerufen durch einen Pickel oder ähnliches und die ungewohnte Rauheit des Toilettenpapiers. In solchen Fällen ist kein Spiegel zur Hand, mit dem die Wunde in der Nähe des Arschlochs inspiziert werden könnte. Es bleibt einem nur - die Hose hochzuziehen.

An der geliebten Frau zu knabbern und zu nagen und dabei ein Produkt der kosmetischen Industrie aufzulecken, das sehr bitter schmeckt. Gute Miene dazu machen, um der Leidenschaft willen.

Eine unvollständige Erektion ohne hinreichende physiologische Erklärung (zu viel getrunken etc., pp.).

Den morgendlichen Auswurf des Raucherhustens auf dem nackten Rücken der Geliebten landen zu sehen.

Das alles ist unangenehm.

Hans Duschke ,salbadertown , Wed May 3 17:27:47 2000


Das Ziel des Trinkens ist das Betrunkensein. Der Sinn des Betrunkenseins liegt im Genießen zeitweiliger Dummheit. Der Sinn des Nicht-Trinkens liegt in der Nüchternheit. Wer nüchtern ist und dumm, ist arm dran.

Mit Gruss an xyz, l.e. oder mitschi oder wie auch immer...

...oooOOOhicksOOOooo...

Juhnke, H. ,Berlin , Wed May 3 17:32:46 2000


fahrkarten in der hauptstadt.

meine mutter ist tick.et-tester in berlin. das tick.et ist der elektronische fahrschein der zukunft. theoretisch eine ganz einfache sache. du gehst beim einsteigen an einer säule (leuchtend gelb) und führst die kreditkartengroße chipkarte über einen sensor. beim verlassen das gleiche spiel, nur das die säule jetzt blau ist. vor zwei monaten in berlin, mußte ich das system natürlich ausprobieren. also raus aus der u5 und hoch zur u2 und schööööön mit einem überzeugten lächeln über den sensor gestrichen. daraufhin meldete die säule sich mit einem schööööönen schrillen ton. auf dem 5 x 2 cm display erschien eine merkwürdige fehlermeldung (Err 23). also gleich noch mal. jetzt schööööön langsam mit der anderen seite. was folgte war ein disput zwischen der in allen richtungen gestrichenen karte und dem Error 23. der ganze bahnsteig grinste. alles schöööön peinlich. hmm. naja es hat dann noch ein weilchen gedauert, bis ich begriffen hatte, daß ich vor der blauen säule stand und mich die ganze zeit für eine nicht angetretene fahrt auschecken wollte (Error 23). schöööööne scheiße.
und was lernen wir daraus ?

bei blau darfst du gehn, bei gelb bleibst du stehn, oder so ähnlich ;)

ps: die alten u-bahn-wagen aus den zwanzigern, hatten noch nicht mal eine türschlußautomatik. wenn also an der vorletzten station nur noch mein bruder und ich im zug saßen, haben wir natürlich tunlichst vermieden, die tür zu schließen. der nervenkitzel, die schwarze wand mit dem gedärm an starkstromkabeln und den kalten fahrtwind zu spüren, war ungemein.

MARiO ,L.E. , Wed May 3 18:49:42 2000


es gab eine zeit, da führten zwei u-bahn-linien von west nach west unter ost. über der erde in ost war nichts zu sehen. nur ab und zu war ein leichtes grollen zu spüren.
der weg von west nach west unter ost, war länger als der abstand zwischen den anderen zugängen von oben nach unten in west. auf der reise von west nach west unter ost, fuhr der zug durch ehemalige zugänge von oben nach unten in ost. die geschlossenen zugänge in ost sahen unwirtlich, dunkel und dreckig aus. die einzigen leute die hier standen und warteten, trugen grüne uniformen. nur der zug hilt nie an. warum sie warteten konnte ihnen keiner sagen.
im dezember 1989 gruben sich leute von oben nach unten in ost. plötzlich war wieder licht im tunnel und der zug hielt am zugang in ost. mit der dunkelheit verschwanden auch die grünen uniformen.
heute ist von der metamorphose nichts mehr zu sehen. was bleibt sind errinnerungen...

MARiO ,Berlin U8/U6 , Wed May 3 19:11:33 2000


...denke zur Zeit viel über Grenzen nach...Schamgrenze, Grenze zwischen Treue und Untreue, Grenze zwischen getrennt-sein und nicht-getrennt-sein, Grenze zwischen Tag und Nacht, zwischen okey-sein und nicht-okey-sein....doch wo ziehe ich bloß meine Grenzen?? Ist ein Kuß schon ein Treuebruch? Oder nur dann, wenn bestimmte Absichten dahinter stecken? Wo hört Moral auf und fängt Unmoral an?.....

alannis ,Leipzig , Thu May 4 10:43:34 2000


...und denken Männer eigentlich so anders als ich? Ich glaube, oft ist ihm nicht bewußt, was er mit seinen Worten anrichten kann....schreibt einfach, wie es ihm in den Kopf kommt oder sagt was...nimmt in den Arm, tauscht Berührungen mit mir aus....denkt er nicht darüber nach, was ich empfinde? Was ich mir eventuell für Gedanken mache? Was so in meinem Kopf vorgeht, wenn er Dinge sagt/tut? Wieso sind Männer so?....Fritzi? ;-)

alannis ,Leipzig , Thu May 4 10:46:33 2000


Allerherzlichste Grüße an all die anderen Loopentzüglinge, schlimm ist's. Immer nur diese blöde Blume, hoffentlich hat das mal ein Ende.
Naja, hier sieht's zumindest fast genauso aus, sogar das olivgrün, fast wie vor dem letzten pool-Umbau.

Andrea ,Frankfurt , Thu May 4 11:46:11 2000


Zum U-Bahn-Fahren:

Spannend sind bei abendlichen oder nächtlichen Fahrten die Spiegelbilder in den Fenstern. Du siehst dich selbst und zwischen den Köpfen der Gegenübersitzenden die Sitznachbarn gespiegelt. In den Glasscheiben der Trennwände überlagert sich das Bild mit dem Dahintersitzenden und manchmal ist ein Gesicht so auf das andere gespiegelt, als könnte man die Gedanken sehen. Im gegenüberliegenden Fensterspiegelbild wird auch das Fenster hinter dir gespiegelt, so daß man die Gegenübersitzenden dann noch einmal sieht. Ein Spiegel im Spiegel. Wenn man ganz genau hinschaut, kann man in einem günstigen Augenblick sogar in diesem gespiegelten Bild des gegenüberliegenden Fensters noch einmal das eigene rückwärtige Fenster erkennen, also den Spiegel im Spiegel im Spiegel. An jeder Station ändert sich die Szenerie, und jeder neue Fahrgast vervielfältigt seine Bilder. Wenn er aussteigt, verschwinden seine Bilder rückstandslos.

Corvus. ,Berlin , Thu May 4 13:16:29 2000


Thank You for this forum. Ich finds sehr nett, nach Leipzig zu schreiben, der nettesten Stadt in Deutschland vielleicht, wo es sehr viel nette Leute gibt und irrsinnig schöne Biergärten. Glaubt mir, wenn ich nicht schon so viele Netze in Berlin ausgebreitet hätte, dann wäre ich längst bei Euch.
Grüße auch an die wunderbare Leipziger Straßenbahn.
Was zu meinem wichtigen Beiträg zu Berlins S- und U-Bahnnetz überleitet: Ich glaube, nur in Berlin gibt es diese verkicherten, geschauspielerten, verstörenden Ansagen. Kommen nur selten, so alle halbe Jahre, aber dann erwischen sie einen voll. So Sachen wie "Anschnallen bitte (kicher kicher)", meist aber Betonungsspielchen mit der festen Formel "Bitte zurücktreten! Die Türen schließen!" (wenn ich mich nicht irre). Also rollendes RRR, verschiedene Tonlagen, gesungen als aktueller Hit, etc. Ähnlich tolle Ansagen kenne ich nur aus London mit "Mind the gap". Einmal kam ich aus dem Kino, "Nico-Icon", diese Doku über Nico, und ich schwöre (es gibt auch Zeugen!): Die Ansager sprach mit Nicos Stimme! Here she comes...dafür lohnt es sich, S und U in Berlin zu fahren.

ideath ,Berlin , Thu May 4 14:30:45 2000


danke für die unangenehmen antworten.
jetzt ist mir klar, dass es genau richtig ist, wenn jeder der inbedingt fussball glotzen will 5 euro blechen soll.
unangenehm. aber bequem.
leder,rund, oder weiblich und schwarz. ein wenig büchner und dann der schnelle ANTON.
zu kryptisch? bei GAUKELEY nachzulesen, die hat nämlich schon 1965 Tagebuch geführt und den rutsch ins monätertiär dokumentiert.
BLÜCHER

alinia ,santa cruz , Thu May 4 15:48:39 2000


Hats mich also auch hierher verschlagen, hab sogar das looparchiv durchgesehen, um die adresse zu finden.Allerdings auch gleich wieder weg wegen Kurzurlaub nach FFM, die Heimat.

Mein Heimweh bestärkt haben übrigens Andreas' Stadt-Berichte im Loop, was sie gar nicht weiß. Oft genug war sie gerade da, wo meine Freunde sich aufhielten. Hach.

zembla ,berlin , Fri May 5 04:41:18 2000


Eigentlich ein Held, unser kleiner Schüler auf den Phillippinen. Ich stelle mir vor, wie er Monate getüftelt und gebastelt hat, gestern am PC sitzt und mit einem Lächeln auf den Lippen den "Send"-Button drückt. ILOVEYOU. Die ganz große Party. Make Love Not Web. Aber wahrscheinlich werden sie ihn erwischen, einsperren und zu 23 Mrd. $ Schadenersatz verurteilen. Ich drück ihm ein bißchen die Daumen.

Corvus. ,Berlin , Fri May 5 09:26:45 2000


Das Letzte

Gebannt erwartet die Öffentlichkeit den Börsengang von K-Offline. Bis vor kurzem hätte es niemand für möglich gehalten, dass der Markt ein hochgradig defizitäres Unternehmen wie die Berliner Kultur akzeptieren würde. Mit der Lancierung der K-Offline-Aktie betritt Christoph Stölzl,
vormals Berliner Kultursenator und nun Vorstandsvorsitzender der Berlin Kultur AG, mutig Neuland.

Der Emissionskurs steht noch nicht fest, aber, so Stölzl, "wir werden ihn mit einer außerordentlichen Verantwortung im Umfeld der derzeitigen Marktsituation - gerade im Hinblick auf die Privatanleger - wählen". Analysten verweisen auf den bekanntlich geringen wordholder value der Berlin Kultur. Stölzl kontert: "Nahezu täglich erwartet man den Einbruch des Neuen Marktes und der New Economy. Das wird eine Stärkung der Old Economy bringen, und darin ist Berlin Kultur stark."

Unter Marktbeobachtern gilt die K-Offline-Aktie als Risikopapier. Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen, darauf angesprochen, sagt: "Es ist wahr, dass die Berlin Kultur Verluste macht, aber das machen fast alle Unternehmen der New Economy auch. Zugespitzt kann man sagen: Verluste zu machen bringt Erfolg. In diesem Sinn hat die Berliner
Kulturpolitik immer gewirtschaftet." Soweit es an ihm liege, werde es dabei bleiben.

Auf die Frage, wie viele Anteile Berlin erwerben werde, wollte Diepgen sich nicht festlegen. "Jetzt sind die Kleinanleger dran", sagte er. Analysten interpretieren die Äußerung dahingehend, dass sich Berlin als Kleinanleger versteht.

Die Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz hat den Kleinanlegern "Nervenstärke" empfohlen. Die wird auch Stölzl brauchen. Die K-Offline-Aktie ist bereits mehrfach unterzeichnet.

Kulturbeobachter sehen dem Börsenstart vom K-Offline mit gemischten Gefühlen entgegen. Von Reuters befragte Händler erwarten einen "ordentlichen Rutsch" in allen Marktsegmenten. Es werde eine "Zitterpartie" geben. Die Möglichkeit, dass Berlin Kultur die lange erwartete Weltwirtschaftskrise auslöse, wird nicht ausgeschlossen. Dazu Stölzl: "Berlin Kultur hätte das Zeug dazu. Aber wir kennen unsere Verantwortung."

Gerüchte, wonach eine im Umkreis der Berliner Akademie der Künste entstandene Gruppe namhafter Künstler mehrheitlich Anteile erwerben wolle, um Einfluss auf die Berlin Kultur zu nehmen, sind von Akademiepräsident György Konrád dementiert worden.

Angesichts der neuen Lage hat sich auch die ZEIT zur Emission entschlossen. Anteilscheine sind an jedem Kiosk zum Ausgabekurs von voraussichtlich 5 Mark zu haben.

aus: DIE ZEIT Nr. 18/2000

M.O.Heydenreich ,Berlin , Fri May 5 10:00:57 2000


Dacht', mein Liebchen schreibt mir
- Tandaradei -
Ein Elektrobriefchen fein
- Tandaradei -
Doch da mein Liebchen fort ist
- Tandaradaus -
Kann's nur ein Makrovirus sein!
- Tandaradei -

gHack ,Vogelweide , Fri May 5 10:08:02 2000


für ein dfb-erste-liga-spiel fünf euro zu zahlen finde ich voll ok. von mir aus auch noch mehr. und irgendwann dann soviel, daß weder 40 kamera- perspektiven, noch der anschließende intim- talk mit dem fussball...

"lieber fussball, wie fühlen sie sich nach diesem harten tritt in ihr gesäß ?", "...?!?"

...ausreicht um die couchpotatos, aus ihren furzwarmen sesseln zu heben.
aus einschaltquoten werden ausschaltquoten und die dfb- mannschaften bekommen nach weiteren drei langweiligen jahren sponsoring probleme.
spätestens dann sollten die team-chefs darüber nachdenken, ob es nicht doch attraktiver wäre, ein spiel mit 6:4 enden zu lassen, statt sich mit einem taktisch ausreichendem 0:0 zufrieden zu geben.

was das jedoch alles mit einem ermordeten japanischen touristen in guatemala zu tun hat, fragt sich...

MARiO ,no-tv-town , Fri May 5 14:04:27 2000


ich schickte dem Schatzele ein Virus fein,
dachte, da bin ich mal ein bisschen gemein.
Doch nun, oh zunder und oh graus,
ich rief an, er ist nicht zu Haus.
gefälscht war der virus "ILOVEYOU" von mir für ihn
lallalla, was sich reimt ist sien.
und sien ist ein wort ohne bedeutung,
ich suche nach läuterung.
hoffe, das schatzele hat mich noch lieb.
bin doch die hausmaus, piep-piep.
wahrscheinlich frass der virus ihn auf,
dann sag ich, ich lauf.


ich lauf bedeutet soviel wie wer eine lampe ist, isst selbst die schuld.

ShanShana, irgendwie ,ungereimt alles so. , Fri May 5 20:21:15 2000


Ja, das frage ich mich auch, was hat das mit einem erschlagenen japanischen Touri zu tun, der gerade völlig unschuldig als Repräsentant einer visukomerzielen Nation arme Guatemalakinder in Trachten fotografiert hat. Digital.

Ich werd das Gefühl aber nicht los, dass da ein Zusammenhang besteht, dass da eine Manifestation der Defensive von VisualOverkill losgeschlagen hat, eine Maschine, die radikal alles verschlingt, kauft, aufbereitet und serviert: soilent screen.

Dann werdet ihr begreifen, dass man Bilder nicht essen kann und virtuell auch nicht.

Was die einen essen können, dekorieren die anderen mit potatoe chips und warmen Arsch vor der Kiste.

Meine Anfrage an die japanische Botschaft hat nicht zur Aufklärung meiner Frage beigetragen.


alinia ,santa cruz , Sun May 7 09:54:19 2000


Tagebuch, Montag 08.05.2000: in der Englischvorlesung gerade mal wieder festgestellt, wie albern das Leben sein kann....komme mir wirklich vor wie in einem Kindergarten sometimes....am Wochenende in Berlin gewesen, nach über 10 Jahren zum ersten Mal die Möglichkeit bekommen, eine Stadtrundfahrt zu machen - und dann auch noch durch das beleuchtete nächtliche Berlin....eine schöne Erfahrung, die mir ein sehr chaotisches Wochenende da beschert hat....meine Mitbewohnerin/Freundin/Schwester ist wieder daheim, in den letzten Tagen habe ich sie schon ein Stück vermisst....gestern haben wir dann erstmal unsere übliche Jasmintee-Party-und-dabei-in-der-Küche-hocken-und-einfach-reden absolviert, die auch bitter nötig war....jetzt lockt mich der strahlend blaue Himmel da draußen, ich werde aber artig sein uns zu meiner obligatorischen Recht-Vorlesung gehen, die zum Glück erst gegen Abend stattfinden wird.....Leipzig rules....

alannis ,Leipzig , Mon May 8 10:12:31 2000


Gestern hat mich Walter Benjamin besucht. Zu mir wollte er natürlich nicht, er hat einfach irgendwo geklingelt. Er war ziemlich durch den Wind und ich habe ihm ein Glas Multivitaminsaft zu trinken gegeben. So etwas kannte er noch nicht, und auch sonst fand es hier sehr komisch. Ich wußte auch nicht so recht, was ich mit ihm anfangen sollte und habe ihm dann das Internet gezeigt. Er war völlig begeistert. "Der Gedanke im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit", formulierte er und klickte sich durch ein paar Newsgroups. Ich wollte ihm dann auch bißchen Aura zeigen und ließ ihn in einen Chat gehen, aber er konnte nur sehr langsam tippen. Später haben wir dann auf dem Balkon ein paar Würstchen gegrillt und Dosenbier getrunken. Was er denn von dieser Welt halten würde, habe ich ihn schließlich gefragt. "Die Unterscheidung zwischen Autor und Publikum ist im Begriff, ihren grundsätzlichen Charakter zu verlieren. Der Lesende ist jederzeit bereit, ein Schreibender zu werden," meinte er und nahm noch etwas Senf zur Wurst. Ich wollte dann wissen, ob ihm das Geschriebene denn gefalle. Er schaute einen Moment lang nachdenklich über die Stadt und fragte dann, ob er noch ein Bier haben könne.

Corvus. ,Berlin , Mon May 8 11:08:26 2000


schönen gruss... textasy scheint ja wirklich gut zu laufen. gratulation und bis bald

lkandinsky ,leipzig , Tue May 9 11:02:54 2000


ist nicht eher das problem, der unterschied zwischen aktionsradius und informationsradius?
binnen kürzester zeit, stehen sämtliche informationen - zu allem und nichts - zur verfügung, weltweit, "48 Stunden" am Tag, während unser entscheidungswille gerade mal so über dem der wahl des abendlichen fernsehprogrammes liegt?
wie lange sind wir also bereit, den vorsprung durch globale informationsbeschaffung, als solchen überhaupt anzuerkennen? oder ungekehrt, wann kommt der punkt, daß aus globalen informationsnetzwerken, internationale aktionsnetzwerke werden?
wie auch immer. den schuldigen - für den heutigen zustand - in fremden reihen zu suchen, bringt nichts. dafür gibt es mehr als einen beweis...
nur wir selbst können die antreiber und stopper im getriebe der zeit sein...

MARiO ,centraL.E. , Tue May 9 12:28:25 2000


...kennt ihr das Gefühl, manchmal einfach unfähig zu sein, eure Gefühle/Gedanken in Worte zu fassen...? Manchmal wünschte ich mir, ein einfacher Blick würde genügen...diese Traurigkeit, die so tief in mir drin ist, auszudrücken...

alannis ,Leipzig, B-B-Str. , Tue May 9 13:11:11 2000


Anstrengung des Begriffs. So hat Hegel den dialektischen Prozess genannt, in dem sich die Begriffe "abarbeiten". Das habe ich nie ganz kapiert. Aber mißtrauisch bin ich gegenüber den Begriffen geworden. Auch hier. Gerade hier.

Der Radius des Wortes. Information ist auch Aktion, weil sie Kommunikation ist. Von diesem Punkt an wird es ungemütlich hegelianisch. Worte wie: "Informationsgesellschaft"., da kreuzen sich die Schnüre von Subkultur und Shareholder Value. Und auch das sind wieder Begriffe, die offensichtlich schwer arbeiten müssen. Deshalb ist auch ein Radius rund, weil die Begriffe Karussell fahren. Die Bedeutungen hat man vorher ausgekippt (damit nichts überschwappt).

Die Wörter für die Traurigkeit. Der Schrank ist voller Gefäße: manche sind zu groß, andere zu klein, einige zu dünn, oder auch zu krumm. Trost: bei den Dichtern. Gefahr: der Selbstkitsch. Wenn es Gedanken sind, dann müssen es schon Worte sein. Wenn es Worte sind, müssen es nicht geschriebene Sätze sein. Der Hinterausgang in das Unausdrückbare ist selten legal. Es ist Einbildung anzunehmen, daß dieses Ding nicht in ein Gefäß paßt.

Corvus. ,Berlin , Tue May 9 13:40:36 2000


zembla: Jetzt weiß ichs. Mit dem Heimwh. Und es freut mich, aber keine Schadenfreude, nein, nur die reinste, unschuldigste Freude. Und schöne Grüße aus der alten Heimat, wo die Sonne scheint, es schwül ist am Main, die Mücken um die alten Trauerwiden schwirren bis abends das Gewitter aufzieht. Dann wird es kühler.

Andrea ,Frankfurt/heiß , Tue May 9 13:55:43 2000


Dieses "Wir wollen den Jürgen sehen" geht mir nicht aus dem Kopf. So ist es gemeint, das ist der Zweck der einfachen Übung. Müllübertragung vom Bildschirm ins Hirn, heute nachmittag um 3. Anderer Müll, der keinen was angeht: Die Physiker, Die Räuber, die verlorene Freundin, die am Telefon sagt: Ich hab grad Besuch, das wäre unhöflich jetzt zu reden. Ich meine, sage es aber nicht: Es kommt doch drauf an, was man redet. Ich habe natürlich was Unhöfliches vor, wenn sie schon so weit ist, mir von Unhöflichkeit zu reden, dann nenne ich meinen Ärger halt so. Wir wolln den Jürgen sehen. Mir scheiss ich selber ins Gehirn. Wie lange wollt Ihr noch an Rang und Namen hängen? Das schrieb der Lenz empört dem Goethe. Stimmt so.

ideath ,Berlin , Wed May 10 02:08:21 2000


Kennt ihr das, wenn alles über euch zusammenbricht ?
Möchte mich nur noch verkriechen...

Isobel ,lovely L.E. , Wed May 10 08:45:52 2000


Schuldig sind wir alle. Was wir leben wählen wir. Sicher hat jeder ein gewisses Aktionspotential, doch alleine Aktionen verändern nichts. Manifestation von Bewusstsein schafft Realität, hat einmal Jünger gesagt.
Millionen mal gedachte oder unbewusst hingenommene Vorgänge verwirklichen sich und mit einem Mal stehen wir da und sagen, das haben wir nicht so gewollt.
Umdenken ist schwer, raus aus Denkfurchen, die schon seit Urkulturzeit angelegt sind in uns.
Denken jedoch auf einer nicht bewusstseinsverändernden Ebene wird durch Bilder gesteuert, fern(seh)gesteuert, deshalb ist auch der Informationsfluss nicht unbedingt Kommunikation, eher Programmierung unseres Unterbewusstseins.
Schuld kann man nicht suchen, weil es sie so nicht gibt. Es gibt nur Sichtweisen.

alinia ,santa cruz , Wed May 10 09:02:35 2000


wenn über einem alles zusammenbricht wie ein kartenhaus, hat das auch seine positiven seiten. der blick ist jetzt frei für neues. alles kann neu beginnen. viel schlimmer ist es, wenn einem der boden unter den füßen zusammenbricht. alle grundfesten sind weg und du fällst...

MARiO ,sun-town L.E. , Wed May 10 10:43:46 2000


Isobel...und wie gut ich das kenne...aber leider geht es nicht...verkriechen ist ja nur die Flucht, irgendwann muß man sich den "Feinden" stellen...
...Corvus...was ist, wenn es wirklich kein Gefäß gibt, das meine Traurigkeit fassen kann? ...werde ich sie dann nie mehr los?...

alannis ,Leipzig , Wed May 10 11:54:46 2000


Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
Und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott.
Sie wissen alles, was wird und war,
Kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
Ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: bleibt fern,
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an - sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Rainer Maria Rilke

(Ist das Gedicht nicht schön?)

der stumme Clown ,Leibdsch , Wed May 10 14:37:31 2000


Bei allem Respekt, alannis:
das gibt es nicht. Genau das meinte ich mit
Selbstkitsch: "Meinetraurigkeit". Das ist schon 90% Design und nur noch 10% diffuses Schlecht-Drauf-Sein. Wenn man genau hinschaut, gestaltet jeder seinen eigenen Mythos, so z.b. "Meinetraurigkeit". Jeder Mythos hat sich vom Geschehen abgelöst. Er hat eine Eigendynamik gewonnen und füttert sich selbst. Das meinte ich oben mit der "Anstrengung des Begriffs". Ausweg: sich nicht ernst nehmen. Trost: die anderen machen es auch so.

alinia:
Die Bilder programmieren uns. Wir programmieren aber mit. Die Programmiersprache dabei ist die Erinnerung.

Corvus. ,Berlin , Wed May 10 14:42:38 2000


Corvus: Korrekt. Sich mit negativen Emotionen zu identifizieren, wird die ursprünglichen Probleme nur verstärken und Selbstläufer-Eigenschaften entwickeln. Gehirnchemie ist Gehirnchemie. Emotionale Stabilität ist erstrebenswert, da Voraussetzung für wirklich kreatives Arbeiten.

Webmaster: Neues, leeres File generieren, please... ;)

gHack ,ort ort ort , Wed May 10 17:36:04 2000


...and when death comes to an end,
life will beginn again
and you will see the flowers grow,
and you will be right between them.
Buddha is watching you, take care
and enjoy life and being there for now.

ShanShana ,im Rausch des Abends , Wed May 10 22:13:40 2000


ein schlechtes magazin ist im umlauf, "federwelt", welch esoterischer name. das heft ist "in Kooperation mit dem Bundesverband junger Autorinnen und Autoren" erschienen. ich erlaube mir die anmerkung, daß die texte wirklich besser in der schublade geblieben werden.
eine frage an die feder weise -redaktion: war die werbung für den frieling verlag ernst gemeint?
da hört aber das prickelnde für mich auf. da trink ich lieber ein glas "federweis(s)er".

lkandinsky ,lipsia , Wed May 10 23:07:23 2000


Wenn man schreibt, sollte man dennoch nicht viel Worte machen. Erzählen und nicht Darüber-Reden.

die mit dem füller ,hawaii , Wed May 10 23:11:09 2000


Corvus...autsch....das gibt mir zu denken....

alannis ,Leipzig , Thu May 11 10:02:49 2000


but...scheinbar warst du noch nie wirklich traurig...ich zelebriere meine Traurigkeit ja nicht, meist merken die Menschen um mich rum noch nicht mal, wie es mir geht - ich bin halt die liebe nette und eigentlich immer fröhliche Person, der sie Tag für Tag begegnen...also....sei vorsichtig mit deinen Behauptungen über Design und Mythos....

alannis ,B-Brecht-Straße , Thu May 11 10:08:14 2000


Bei allem Respekt Corvus:

Traurigkeit ist nicht nur 90% Design. Aus Design wäre ich nicht tagelang in meinem Bett liegen geblieben bis ich anfing aus Bewegungsmangel zu kotzen. Und dann kam ich immer noch nicht. raus! Alles nur weil ein Grund fehlte. Ein Grund zum aufstehen. Ein Grund sich der übermacht der Feinde -wie alannis so schön sagte- zu stellen. Alle Gründe waren hohle Phrasen und allerweltssprüche, die meistens mit: Du mußt... an fingen.
Du mußt mal wieder raus!
Du mußt dich bewegen bei deinem schlechten Kreislauf.
Du mußt dir was suchen was dich interessiert.

Und mein Liebling schlechthin: Du mußt aufhören so viel zu denken!

Es ist war, wenn es mir gut geht, denke ich weniger - besonders über mich nach. Aber diese Sprüche zäumen das Pferd von hinten auf. Gedankenkarussels kann man nicht so stoppen. Was würde mit der ganzen Energie passieren, die sich in immer wiederkehrende Konstrukte immer schneller aufbau? Sie würde noch stärker werden oder sich unkontrolliert entladen!

Kurz gesagt: Man kann nicht etwas NICHT tun!

Man kann nur etwas anders machen.

mizzebill ,Leipzig , Thu May 11 10:49:42 2000


"du musst aufhören zu denken"...was Schlimmeres kann einem nicht geraten werden, mal abgesehen davon, daß das gar nicht funktioniert...wenn ich aufhöre, zu denken, was dann?...mizzebill....danke....

alannis ,Leipzig , Thu May 11 12:08:37 2000


(was es so alles gibt: Traurigkeitsdiskussionen. Wunderlich. Aber warum nicht.)

zur Klarstellung: ich habe nicht behauptet, daß jede Traurigkeit 90% Design ist. Es geht um die spezielle "Meinetraurigkeit", die nicht mehr unmittelbar besteht, sondern ausgedacht und ausgemalt wird. Die Übergänge sind fließend. Die Loreley fragt nicht: "Ich weiß nicht, was soll ICH bedeuten...". Und, ohne zynisch sein zu wollen: So eine Traurigkeit kann auch eine sprachliche Konstruktion mit vegetativen Folgen sein. Wir schweben nicht frei in der Welt und erfinden uns unsere Zustände - so wird es dann auch sein, daß jede Zeit ihre eigenen Traurigkeiten (oder Euphorien oder sonstwas) hat. Und dann gibt es vielleicht sogar eine 90er Jahre-Traurigkeit. Und das ist wiederum auch wieder traurig.

oder?

Corvus. ,Berlin , Thu May 11 13:29:58 2000


traurig,traurig.
Sinn und Inhalt bestinmmen die Form.

Ich habe heute 75 Minuten den Boden geschrubbt, Zähne geknirscht, 7 Eimer und Schmutz. Dabei geflucht, jetzt strahlt er, wie weich ist der boden unter meinen Füssen. Jedes Mal hasse ich, ja hasse ich diese Arbeit und sie bringt mir Gedanken wie :ich armes Schwein, Frau für alles, Mama Sidolin und wer hat gesagt, dass die Welt sauber ist.
Mein Ex ruft an, euphorisch, neheme die Kinder zum Wandern, am Samstag und SOnntag, naja, vielleicht aber erst Sonntag, halt, er hat da ja vielleicht doch ne Probe, mal sehen, nächste Woche.
Er will in den Alpenverein eintreten, die Bergluft schafft guten Teint.
Die Kinder glotzen Pokemon, der Kater kotzt auf den frischen Boden, ich giesse unseren toten Feigenbaum.
Mein Freund hustet, er braucht Ruhe, und Traurigkeit erweckt in ihm Fluchtgedanken und Ekel.Prosit Halbmond.
Der Weg in die oo Jahre ist weit und es ist nicht alles Geld, was traurig ist.

alinia ,santa cruz , Fri May 12 01:50:46 2000


nachts um halb zwei werde ich wachgerüttelt.
sie schaut mir in die augen.
sie schlägt mir ins ins gesicht.
sie dreht sich weg und schläft weiter.
am morgen frage ich,...?

deine ex hat nie exestiert,
du schläfst mit meiner besten freundin
und alle haben es gewußt
nur ich nicht
und das alles in meinem traum!, willst du noch mehr erklärungen?

was bleibt ist ein kopf voller fragezeichen und eine schmerzende wange.

schlaflos in ,L.E. , Fri May 12 08:43:58 2000


Hey, wen entdecke ich denn hier?
Lauter alte loopster: alinia, corvus, gHack...
Danke für die Einladung, MARiO.
Here am I - lulu in textasy.

lulu. ,exhauptstadt , Fri May 12 16:49:10 2000


Ich komm zu Dir,
halt Deine Hand,
wir geh'n gemeinsam
durch dies wunderbare Land,
das ich für Dich erfand
mit mathematischem Verstand.

Ein Wunder hier,
ein Traum gleich dort,
grad noch hier und jetzt schon fort.
Ich zeige Dir mein Angesicht
Doch Du siehst mich nicht.

Ich weiß genau,
was Dir gefällt,
ich schaff Dir eine neue Zauberwelt,
in der kein Regen fällt,
in der nur Deine Wahrheit zählt.

Ich zeig Dir Berge,
zeig Dir Seen,
hier brauchst Du alles
nur mit meinen Augen sehn
und nicht zu verstehn.
Keine Angst, Du kannst ruhig
Mit mir geh'n
In ein großes All
Ganz für Dich allein
Hier kannst Du endlich mal
Du selber sein
Im Neonsonnenschein
Fang ich Dir Deine
Wünsche ein
Doch Du siehst mich nicht...

Ein Wunder hier,
ein Traum gleich dort,
grad noch hier und jetzt schon fort.
Ich zeige Dir mein Angesicht,
doch Du siehst mich nicht.

alannis ,Leipzig , Fri May 12 19:54:20 2000


D A N K E, B E R L I N !!!
[kunst und technik]:
letzmalig dochnochmals erneut wieder verlaengert!
([k+t] finally again dacapo again al fine)

goetterdaemmerung

Freitag 19.05. "Venus-------------------------Welcome"
Freitag 26.05. "Venus------------------Health"
Freitag 02.06. "Saturn-------Junior Prom"
Freitag 09.06. "Jupiter--------------------Gala"

[kunst und technik], monbijoupark 22.20 h

nur raushalten, ,  hier , Sat May 13 09:16:11 2000


SOLARIS

old views,new ways??
memory is just what you are recognizing..

Erinnerung ist das, was uns von Instinktlebern unterscheidet, die Fäghigkeit Situationen mit Erlebtem zu verknüpfen und die Erfahrungen daraus zu speichern.
Leider beitzt dieser Speicher aber auch eine "Zugangssoftware", die abhängt von unserer Programmierung durch unseren sozialen Uterus.
Also, wie gelingt es die Programme umzuschreiben?
Wie kann das Denken sich aus Bandschleifen befreien, eigenständig werden ?
Verknüpfungen herstellen, ja überhaupt Wahrnehmungen machen, die nicht an bereits eingespeicherte erinnern?
Wie sieht unsere Seele anders als aus ihrer Erinnerungsgeschichte heraus?
Fragen, die entstehen, wenn es darum geht aus den unangenehmen Erscheinungen der Bilderflut und deren Auswirkungen auszusteigen.

und letzlich: Inhalt?

Gedanken aus " Dateneros", Oktober 1999, Carracas


Übrigens: mother is the best!!!!!!!!!!
Allen Müttern die kleine Gedenkminute, aus Herz macht Liebe.

alinia ,santa cruz , Sun May 14 09:49:25 2000


Last night: BvSB-Lesung in der Darmstädter Centralstation. Christian und Eckhart waren ebenfalls anwesend. Im Happeningstyle zum Zeitpunkt seines Fersehauftritts via Eurovision Stefan Raab CDs geschändet. Nur wenige fanden das okeh. Danach Future Sound of India oder so ähnlich. Christian war eine Buddahstatue.

Tim, ohne Hund, aus ,den Seiten heraus. , Sun May 14 13:33:03 2000


new economy:

Phosphor.; Sven Lager
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Suzuki (Digipack); Tosca
Things to Make and Do; Moloko
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Digital Diaries.; Natacha Merritt
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Herzlos. Ein fieses Märchen vom ewigen Glück.; Stella Duffy
Asian Ladies. Texte in Englisch / Deutsch / Französisch.; Uwe Ommer
Crazy Sexy Girls. Latvian Girls in Riga.; Ralf Vulis
Shaven Angels. Peter Lorenz.; Peter Lorenz
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The Melody At Night, With You; Keith Jarrett
Twenty Four Seven; Tina Turner
Virgin Suicides/Original Soundtrack; Air
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Der gelbe Bleistift.; Christian Kracht
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Brazilification; Fila Brazillia
Transatlantik Lounging 2; Various
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Phosphor.; Sven Lager

kopiert ,vom pool , Sun May 14 15:52:13 2000


anfrage an alinia...

was hälst du von:

fernseher laufen lassen,
ton auf level zero,
anlage füttern mit favourite-stuff,
schnittwechsel der bilder umgekehrt proportional zum tempo des gespielten sounds...

ich habe es noch nicht ausprobiert, aber die idee hört sich gut an, denkt...

MARiO ,L.E. , Mon May 15 14:29:32 2000


als gestern der mutter-genesungswerk-spot zum dritten mal im radio lief, bekam auch ich ein schlechtes gewissen und sprach meiner mutter auf den anrufbeantworter...

MARiO ,radiohörend L.E. , Mon May 15 14:31:59 2000


... danke für die Aufforderung hier zu schreiben .... ich nehme die Gelegenheit wahr durch das, was mich in letzter Zeit am meisten beschäftigt......:
Seit dem 12. Mai herrscht Ausnahmezustand bei mir. Eher in meiner Schule: Abi-Prüfungen der Grund. Das heißt gesperrte Wege zwischen den Häusern, geschlossene Türen. Umwege die jeder in Kauf nimmt (nehmen muß).
Von Zeit zu Zeit erhascht man das verräterische Grinsen, welches unter den Elfern die Runde macht. Sehr zu empfehlen:man plaziere sich zur Mittagspause unter einem Schatten spendenden Baum mit gutem Blick auf den Weg zur Raucherecke. In den kommenden 25 Minuten gibt's mindestens drei dieser Grinser zum absoluten Nulltarif (eigene Erfahrung)!
Und warum? Klar: die Rauchwolke über der Essenhalle immer im Blick, wird jeder unweigerlich daran erinnert: nein, nicht dass der Magen knurrt, sondern an die armen Jungs und Mädels, denen darin der Kopf qualmt. Kaum einer von uns spricht es mal aus, aber grinsen tun 'se alle.
Jawohl, ein Jahr noch, ein knappes Jahr, dann sind wir die homogene Masse, die den Qualm erzeugt; andere grinsen sich zu. Ein Jahr, die Zahl eins, kurz vor Null - das Ende. Was, schon so weit? -nee! Gestern war doch erst noch Englisch Klasse 5:"Today is Monday, the fifteenth of May, 19..." ... ... wirklich schon so lange her. Verdammt! Die Zeit, wo ist sie hin?
Doch okay, betrachten wir die Sache realistisch: 1 Jahr - fast 12 Monate. Jetzt noch wenige Wochen bis zum Schuljahresende. Klausuren, Sportfest, Kukos, Exkursionen; das Übliche.
Alle werden lockerer - 6 Wochen Ferien stehen schließlich ins Haus. 6 Wochen - voll ausgeplant, beinah jeder Tag. Nichts spontan - ob das gut geht? Und dann ... 1.Schultag, Zusammensuchen von Kursen, alte Gesichter. "Hallo" überall; Erlebnisse eines Sommers.
Es wird Herbst, Winter, schneller als man denkt. Silvester, wir schreiben das Jahr 2001. Irgendwo mit irgend welchen Leuten den Abend verbracht. 3 Gläser Alkohol, und wieder verabschieden sich einige graue Zellen, die man doch 3 Wochen später so dringend braucht.
Vorabitur. Druck von allen Seiten; was kommt dran? Alles! Alle verdammten Themenbereiche; Erörtern Sie, Beweisen Sie, Erläutern Sie, Beschreiben Sie ... ... ...
2 Wochen später vorbei. Ferien - an Erholung nicht zu denken. Jeder will lernen, kennt nun seine Schwachpunkte ... keiner macht's (ach doch, 10 haben sich zusammengerafft).
Es wird März, April, und irgendwie geht das Gefühl nicht von Dannen, daß die Hefter der Prüfungsfächer von Woche zu Woche exponentiell anwachsen in Bezug auf ihre Dicke.
Es ist Frühling, der Monat Mai naht. Jeder spricht davon, mindestens einmal am Tag flötet einem ein netter Lehrer die drei Buchstaben in's Ohr:"Abi"! Wird sofort assoziiert mit "Lernen" ... ... ... noch nicht gemacht.
Die Zeit vergeht weiter. Mitte Mai, und der erste Prüfungstag. Sonne, heiß, man kann nicht schlafen. Nervös. Angst? Nein, keine Angst, Ungewißheit, Leere im Gehirn, Denken an Versagen. Nun gut, doch Angst. 108 Leute, kein Grinsen. Aufgewühlte Gesichter überall. Der erste Tag X. Die letzten Zigaretten. Oh Gott, wenn nur einer ein Thema sagen würde ... schreckliche Ungewißheit. Dödel, die versuchen "cool" zu sein. Der Henkerswitz .... Einlaß.
Mein Tisch, mein Bogen Papier, mein Füller, meine Wasserflasche, mein Glücksbringer, ICH.
Ich eine NUMMER. Endlich die erwarteten Aufgabenblätter. Irgend ein Thema gewählt - einfallslos. Schon wieder Angst zu versagen. Gedanken schweifen ab in die vermasselte Zukunft - shit - Zeit verträumt. Also los. Suche nach guten deutschen Sätzen. Aussagekräftig. An richtiger Stelle im Kontext, rund herum bekannte Gesichter. Angespannt. Denkend. Grübelnd. Schreiben. Unerträgliches Kratzen der Federn wird zu ohrenbetäubendem Lärm. Unerträgliche Ruhe.
Ich bin eine Nummer. Kein Name zählt, nur Leistung. Um mich herum Nummern, Leistungen. Nach vier Stunden allgemeine Aufbruchsstimmung. Verabschiedung von meinem Bogen Papier. Häßliche Schrift. Mieses Gefühl im Magen. Übellaunig. Nie wieder seh' ich diese Blätter, nur eine Punktzahl. Die Nummer wird durch Punkte bewertet.
Draußen fliegen die Gedanken davon. Aufgeregtes Besprechen der Themen; Gegacker hier und da. Nur weg von da! Ein kurzer Wortwechsel mit Freunden. Vielleicht gehen wir auch einen Kaffee trinken. Abstand von allem. Drei Tage lang. Verrückt. Gewusel im Kopf. Erstkorrektor, Zweitkorrektor, wenn's hart auf hart kommt auch noch ein dritter.
Tag X1 überlebt, es folgt X2 mit Funktionenscharen und Parametern, Integralen, Zufälle, Geometrie, Vektoren .... .... Zahlen rauschen vorbei. Fünf Stunden lang. Nie wieder will ich meinen Rechner sehen.
Tage später der krönende Schluß X3: Bio. Teil A, B, C; fünf Stunden Zeit. Nicht denken, wissen. 500 Seiten Hefter. Abrufbereit von Seite eins bis 500. Ein ruhiges Händchen zum Mikroskopieren, bloß nicht die falschen Indikatoren zusammenkippen ... ... nächste Aufgabe.
Schon beinah Routine.
Und eben deswegen folgt nun eine Verschärfung; wir gehen über zum mündlichen Prüfungsteil, Tag X4 - Jipie! Na endlich! Darauf habe ich mein Leben lang gewartet. Drei grimmige Gesichter, zwei Zettel und ich - die Nummer. Auf den Zetteln irgend eine Aufgabe. Geschichtliches. Jahreszahlen. Mein Stift fliegt über das Papier:"Verdammt was war da bloß los? Hier fehlt doch noch was! Wie hieß dieser Politiker? Welcher Kaiser? Welche Schlacht? Und WARUM eigentlich alles?" Ui, beinah vergessen die Quelle zu analysieren. Zeit vorbei.
20 Minuten vor mir und drei Prüfer. Stickiger Raum, Kartenständer wachsen ins Überdimensionale. Zittern in meiner Hand, mein Blatt flattert knisternd vor sich hin. Leere im Hirn. Nichts gelernt und die Hälfte vergessen. Ach, mein Blatt. "Nun. Frau X, bitte beginnen Sie! Ihr Thema?" Alles verschwimmt vor meinen Augen, kein Wort kann ich erkennen, so wackelt das Blatt vor mir. Ich bin doch noch nicht 80! Mir fällt spontan ein, daß das mit dem Frühstück keine so gute Idee war. Aus irgend einem Grund plötzlich der Gedanke ein lautes "Quark" würde aus meinem Mund kommen, begänne ich jetzt zu sprechen. Ich vertraue auf eine Naturkatastrophe, der Boden wird sich unter mir auf tun, das Gebäude kippt um, ein Erdrutsch. Ein Feuerwerk - Silvester war doch erst?!
15 Minuten vorbei. Ich habe etwas Geschichtliches rausgelassen, in gelangweilte Gesichter gefaselt, ein demokratisches System angemalt, und vom Dauerlauf mit Zeigestock hin und her zwischen den Karten bin ich noch immer außer Atem. Okay. Glühen der Ohren abschalten. System auf Kühlung einstellen. Adreanalinzufuhr stoppen. Über die Hälfte geschafft. Nach ein paar hinterlistigen Fragen frage ich mich wann ich zur Tür hinaus gegangen bin. Halte ich eine Rose in der Hand? Ich glaube bis gelb hat's gereicht?!
Erleichterung. Vorbei. Adrenalin strömt wieder durch meine Adern. Ich will die Welt umarmen. Abi- Streß ade. Frei. Tun was ICH will. Ich habe einen Namen ... bald wieder. Den Abend genießen. Entspannen. Und ins Geheim denken:" Jetzt könnt Ihr mich alle mal kreuzweise!"
ENDE
Drei vergammelte Wochen später ein dichtes Gedränge im Gang. 108 Leute. Schon wieder. Ahh, ich will laut schreien. Nicht schon wieder. Es dreht durch! So viele! Gibt's Bananen? Nee, alle angespannt. Hat hier jemand die Zeit zurückgestellt? Wieder Tag X1, Deutsch-Abi? Nein. Nummern, äh, Namen fallen. Meiner. Kalte Hände. ein kleines Zimmer. Drei Leute. Einer steht mir gegenüber, 1000 mal gesehen. mir fällt etwas neues an ihm auf. Ob er mein Herz klopfen hört? Bei der Geschwindigkeit muß es doch gleich herausspringen. Wie sieht's mit den anderen aus? Draußen. Schon einer umgekippt? Nein, alle senkrecht. Zahlen. Schon wieder. Verdammt!
Und spontaner Einfall des Schlagers:"Verdammt, und dann stehst Du im Regen, und niemand der hält dir den Schirm, und Deine Seele die erfriert ..." Bei 30°Celsius! Meine Punkte. Punkte einer Nummer. Gemischt? Geht so. Mich gibt's wieder als Namen. Unzufrieden?! Und glücklich.
Vorbei, ja, VORBEI. Ich habe bestanden .. hätte besser sein können. Hätte ich mal bloß mehr gemacht vor einem Jahr! Xxxxxxx! Ach egal. Vorbei. Hätte ist zu spät.
Ein paar Wochen Schule. Schöne Schule. Schönes Leben. Letzter Schultag. Verrückte überall. Spaß.
Gemischte Gefühle, aber noch ist's nicht ganz so weit ... ... erst noch mal genießen ... .
Nun ist die Zeit reif: Abi - Ball.
Grinsen als ich im Kleid mit Riesen - Rucksack meinen Platz einnehme ... irgendwo mußten die vielen Schnieffahnen untergebracht werden. Ansprachen der Direktorin, Eltern, Schüler, Ehrungen, Vergabe der Abi - Zeugnisse ... wir stehen auf. Wir, MaL1; Blumen von unserer Tutorin. Ich muß doch schon ganz verheult aussehen. Wieder Herzklopfen, aber diesmal nicht so schlimm. Mein Zeugnis - Blumen, Glückwünsche. Ein buntes Fest bis in den frühen Morgen. Freunde, Eltern, Tränen voll Glück. Mein Wuschelchen bekommt etwas ganz Besonderes ... ... ...wir liegen uns in den Armen. Lange. Endlos lange. Freude und Schmerz zugleich. Nach 8 Jahren geht nun jeder seinen Weg. Verrückt. Crazy.
Was noch alles?
Versagen? Erfolg? Liebe? Leid?
Einfach leben. Spontan. Chaotisch. KEINE AHNUNG .....................
............. ................ .................. .......... .............. ...................keine Ahnung ob's so wird.
Aber so stell' ich mir's vor. Abizeit 2001. In einem Jahr weiß ich's besser. Und dann???
(konkrete Planung ist in Arbeit :-) )

kerstin ,sunny day in Riesa , Mon May 15 15:37:28 2000


Es war einmal ein Junge mit Namen Blika Andersson.
Blika Andersson lebte am Rande einer großen Stadt.
Eines Abends also stand er am Fenster. Er beobachtete die Wolken - du kennst sowas ja.
Da es schon beinahe dunkel war, konnte man die Wolken kaum noch erkennen - dafür funkelten aber schon die Sterne. Einige waren so winzig, daß Blika Andersson gar nicht sicher war, ob es überhaupt Sterne waren.
Während er da so stand, bewegte sich einer dieser winzigen Sterne und kam immer näher. Blika Andersson dachte zuerst an eine Sternschnuppe oder sogar an einen Kometen.
Aber nein - das war etwas anderes. Und dieses Etwas fiel immer tiefer und tiefer, landete schließlich auf dem Hügel hinterm Haus.
Blika Andersson rannte raus, so schnell er konnte. Über die Brücke, dann den langen dunklen Weg entlang. Normalerweise fürchtete Blika Andersson sich vor diesem Weg, aber jetzt hatte er keine Zeit für Furcht.
An der Stelle, wo der Weg eine Kurve machte, sah er einen weißen Karton im Graben liegen. Er ging vorsichtig näher. Tatsächlich. Ein Karton. Der Deckel des Kartons war abgesprungen - aber Blika Andersson konnte nicht sehen, was darin war. Er kletterte in den Graben, der nicht sehr tief war.
In dem Karton lag ein kleines weißes Schaf, das Blika Andersson mit großen Augen ansah.
Es schien noch ein wenig durchgerüttelt zu sein von seiner Reise, die sicher sehr lang gewesen war.
"Wer bist du?" fragte Blika Andersson mit sanfter Stimme, um das Schaf nicht zu erschrecken.
Erst schien das Schaf ihn nicht zu verstehen, dann seufzte es leise und sagte: "Paul".
Seine Stimme war hell, fast wie eine kleine Glocke.
Blika Andersson sprach den Namen leise vor sich hin, als müßte er sich an dessen Klang gewöhnen. Dann lächelte er und kniete sich vor den Karton.
"Du wolltest also zu mir?" fragte er mit der Naivität derer, die ganz in sich selbst ruhen.
Paul nickte und begann, aus dem Karton zu klettern. Das gelang nicht sehr gut, denn durch die lange Reise waren seine Beine eingeschlafen.
"Laß nur, ich trage dich."
Blika Andersson nahm den Karton, klemmte sich den Deckel unter den Arm und machte sich auf den Weg - den langen dunklen Pfad entlang, über die Brücke zurück zum Haus.

Seit dieser Nacht also wohnt Paul, das Schaf, in Blika Anderssons Zimmer. Manchmal, wenn du ganz leise bist, kannst du ihn hören, wenn er mit Blika Anderssons Filzstiften malt.
Hörst du das Quietschen der Stifte auf dem Papier?
Aber Paul würde niemals zugeben, daß er soetwas tut. Überhaupt spricht er manchmal kein Wort, schmiegt sich nur sanft an den schlafenden Blika Andersson, legt seinen Kopf vorsichtig auf dessen Bauch und bewacht seinen Schlaf.....


In Gedanken an eine Gute-Nacht-Geschichte, erzählt von meinem Lieblingsdoktor....
*hugs you...;-)

alannis ,Leipzig , Tue May 16 13:18:34 2000


oh, ja habs ausprobiert.
zuerst mit meiner Lieblingsmusik von Schostakovich, der fünften.
Dazu aber wohl den verkehrten channel erwischt, ein Bulle kommt selten allein.

next: mit Pavlos Dog und Julia, dann schon Space night, aber irgendwie stimmt was nicht mit den Schnittsequenzen.

Ehrlich gesagt, es ist nicht nur das Tv, es ist unser Denken, das in Bildern angelegt ist und daher ertrinkt. Ich klage nicht, sondern sehe ( Picasso)

good night

alinia ,santa cruz , Wed May 17 22:15:10 2000


Flut der Bilder/Erinnerungen, dazu Fußnoten:

1. Die Kunst der Mnemonik. Das seltsame Gedächtnistheater des Giulio Camillo funktionierte über Bilder, wie die gesamte klassische Gedächtniskunst. Die Verbindung des Erinnerungsstoffes mit Bildern, dann die Reihenfolge oder Topographie.
2. Die miesen Selbstverständlichkeiten. Keine Welt ohne Denken, kein Denken ohne Erinnerung. Kultur ist ein anderer Begriff für Vergangenheit.
Solche Selbstverständlichkeiten zerstören gleich die Fragen.
3. Ruhe nach dem Bild. Früher gab es noch Testbilder, diese schönen, komischen Figuren mit Farben, Kreisen und Rechtecken. Jetzt gibt es sie nicht mehr, aber "Mandalas für Kinder".

Corvus. ,Berlin , Wed May 17 23:18:15 2000


Tom Kummer zum ersten zum zweiten zum dritten. Gut laut in der Flittchenbar.

www.kicker.de ,  ° , Thu May 18 09:07:08 2000


im forum der 13 gibt es passwortschwierigkeiten. hat zur folge das kurzzeitig jeder schreiben kann... viel spass also mit times new roman auf lila hintergrund...

MARiO ,mal hier mal da... , Thu May 18 10:25:28 2000


letztens treffe ich einen alten freund wieder. wir unterhalten uns über leute die uns damals begleiteten. DAC z.b. ein ziemlich unscheinbarer typ. genialer acid-musiker. 94-96 auf dem höhepunkt seiner underground schaffenszeit, dannach voll auf drogen abgegangen - incl. psychatrieaufenthalt - und jetzt inner sekte und momentan in brasilien um da ein dorf aufzubauen. alles sehr krank... der idiot, war voll der programmierfreak, könnte jetzt locker in dtl. 8000 dm verdienen, aber was ist schon geld und all die weltlichen versuchungen...

MARiO & SEBASTiAN ,L.E. & BERLiN , Thu May 18 11:16:45 2000


@ der stumme clown. eines der schönsten gedichte ueberhaupt :-)

Isobel ,wie immer...L.E. , Thu May 18 13:20:00 2000


In den Raum gestellt:

" Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können. "
(Francis Picabia)

" Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen"
(John Lennnon)

"Die Zeit ist der beste Lehrer, leider tötet sie alle Schüler."
(Hector Berlioz)

und zum Schluß:
"Mangement by Moses: Und er führte sein Volk in die Wüste, dort wartete er auf ein Wunder."
;-)

kerstin ,... ... Riesa , Thu May 18 15:08:29 2000


Hmja. Tom Kummer im pool beim Planschen mit Born. Born Senf to be WILD. MetaFake. Still da liegt der pool. Bilderchen statt Statement. Ärgerlich? Und ob.

gHack ,online , Thu May 18 15:22:15 2000


Jetzt nicht mehr. Frage mich, wo angesichts des fröhlichen Crossmarketings der Journalismus aufhört und die Schriftstellerei anfängt. Ist Hunter S. Thompson Journalismus? Tom Wolfe Schriftsteller?

gHack ,da , Fri May 19 09:23:22 2000


Tom Kummer ist zu einem Giganten des Showbiz mutiert. Focus klettert an ihm hoch, und druckt jedes seiner Worte ab. Manche behaupten, der Focus drucke nur Lügen. Wo also ist der Unterschied? Seit wann interressieren wir uns für Wahrheiten, gut unterhalten gefühlt haben wir uns. Der möglicherweise perfekte Slapstick-Journalismus.

Tim, ohne Hund ,aus den Seiten , Fri May 19 18:16:01 2000


grüß euch alle hier. und im besonderen corvus.
hab mir grad von lienus flüstern lassen, wo du dich so rumtreibst. hatte eigentlich insgeheim gehofft, du würdest bereits über die heuer für unser piratenschiff verhandeln.
schön, dich zu lesen. und jedesmal ungeheuer überraschend. weil ich vieles von mir darin widergespiegelt finde. manchmal so stark, daß es weh tut. nu ja.
loop hat übrigens wieder geöffnet.

und hier, mein lieber, noch einen kinderteller für dich:

welcome to the kinderteller
hello to the horse

warum sollten wir noch worte verlieren
über den ausgang einer schlacht,
die selber längst verloren ist?

daß eine rose eine rose sei,
ist ja bereits verzweiflung.
auch kann es vorkommen,

daß wir die glut einer zigarette
mit dem sonnenuntergang
im auge einer frau verwechseln.

existenz ist selektive blindheit.
und was uns hält im maßlosen,
ist immer nur der alltag.

daß wir also einmal mehr das universum
vom schmutzigen kinderteller kratzen,
um ihm eine saubere grenze zu ziehen.

was mir aber dennoch hoffnung macht,
ist dies: daß es auf einem möbiusband
kein innen und kein außen gibt.

hu.t ab
the big bang

kattz ,aachen , Sat May 20 00:48:22 2000


(zieht den Hut vor kattz...schön, wieder von dir zu lesen. Ich vermute, daß du bei deiner Doppelexistenz (k,l) bleibst. Zwei Parameter ergeben schon eine Kurvenschar).
*
Leider ist hier das Tempo etwas eingeschlafen. (Auch die Ladezeiten, Mario, gehen schon so langsam in Richtung textanästhesy.) Wäre vielleicht wieder mal die Zeit für ein wenig Propaganda.
*
Es gibt kaum eine Stadt, die so anders bei Regen aussieht wie Berlin. Als hätte man sie über Nacht ausgetauscht.

Corvus. ,Berlin , Mon May 22 09:26:31 2000


b.l.e.i.b.e. l.i.e.b.e.r. s.t.u.m.m.

verschüchterte ala ,Leipzig , Tue May 23 00:42:47 2000


b.itte [n]icht, [ala.]
ich bin nur ein alter radaubruder, bei dem manchmal die gehirnwelle losrattert. aber ich kann auch ganz leise töne anschlagen. ja, ganz leise. s.ein.

kattz ,psssss.t , Tue May 23 01:27:52 2000


Ein Universum von einem Kinderteller zu kratzen; ist bei meinen Kindern nicht mehr möglich.
>>HÖCCHSTENS ein Kurve, die langsam gegen Null geht, Null pommes, keine k-t-offeln, nur noch TKKD.
in diesem Sinne habe ich auch schon in den Gleitspiegelungen der islamischen Moscheen nach einem zwischenraum gesucht, der Menschneherzen weiblich heilt.

alinia ,santa cruz , Tue May 23 11:29:27 2000


Manchmal ist es gut, nur zuzuhören...oder, wie in diesem speziellen Fall, nur mitzulesen....

alannis, mutiger ,Leipzig , Tue May 23 11:40:36 2000


*lol*...........>alinia.
und. habe selber d.rei kinder. und einen bioladen. aber außer chips und saft brauch ich eigentlich nicht viel mehr mitzubringen.
gleitspiegelungen und darin einen zwischenraum suchen, sind ein schönes bild. islamische moscheen?



geschichte für alannis:

der klangüber begegnet seinem freund, dem fuchs
'''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''''

wenn der klangüber am abend die große stadt mit ihrem üblen geruch und ihren rattengeheimnissen hinter sich lässt, um jenseits der dicken mauern waldblumenduft zu erwandern, begegnet er manchmal seinem freund, dem fuchs, der am honigbach unter den knorrigen kastanien sitzt und mit seinen kuckucksgewehrfeuerkugeln spielt.
der klangüber hat ein schieres in seinen taschen, und obwohl der fuchs das weiß, tut er jedesmal so, als wäre er überrascht, wenn der klangüber es herausholt und wie eine lockbrezel auf den waldboden legt.
was ist das, fragt der fuchs.
das ist ein schieres, sagt der klangüber. man kann es zwischen den zähnen halten.
darf ich es einmal zwischen den zähnen halten, fragt der fuchs. du könntest solange mit meinen kuckucksgewehrfeuerkugeln spielen.
der klangüber lacht. ich will mir nicht die finger verbrennen, sagt er. du darfst es aber auch ohne gegengabe einmal versuchen. nur warne ich dich, mein freund, zu fest hineinzubeißen. es klebt noch schwarzes blut daran aus meinen träumen.

der fuchs sitzt am honigbach und leckt sich die schnauze.
der klangüber triefelt über den waldboden und sucht das schiere.
hast du das schiere gesehen, fragt er den fuchs.
ich weiß nicht, was du meinst, sagt der fuchs. ich muß eingeschlafen sein. ich hatte einen schwarzen traum.
wo sind denn deine kuckucksgewehrfeuerkugeln, fragt der klangüber.
sie müssen in den bach gerollt sein, sagt der fuchs. spürst du nicht den kühlen nebel auf deiner sahnehaut?

die kuckucksgewehrfeuerkugeln sind nicht in den bach gerollt, sagt der klangüber und lacht. ich kann sie ja dort unter den fliederbüschen leuchten sehen.
aber der nebel, sagt der fuchs verlegen. er ist kühl bis ans herz.
der nebel ist nur deinen gedanken entstiegen, sagt der klangüber. du hast zu fest in das schiere hineingebissen. ich hatte dich aber gewarnt vor meinen träumen.
bist du noch mein freund, fragt der fuchs.
ich bin es nie gewesen, sagt der klangüber.

ich werde dir jetzt die wahrheit sagen, sagt der fuchs. ich habe das schiere aufgefressen. es war ja für mich bestimmt.
warum hast du mich aber angelogen, fragt der klangüber.
weil ich der fuchs bin, sagt der fuchs. ein fuchs muß lügen, damit ihm geglaubt wird.
gib mir jetzt deine kuckucksgewehrfeuerkugeln, sagt der klangüber. dann glaube ich dir.

kattz ,in der schattensonne , Tue May 23 15:51:00 2000


....ich lese....und lächle still....danke.....

alannis,nachdenklich ,Schweinebackenroom , Tue May 23 22:34:50 2000


an Alannis (kennst Du dieses Lied?)
übers jahr
spuren im schnee führen an dir vorüber frostklare winde im mondenschein endlose stunden voll gläsernem schweigen wachst du beharrlich in tiefer nacht bricht dann die stille zerfließt ein verschlafenes, karges verlangen leise verweht sich der nebel endlich voller licht die welt tiefgrüne wiesen, schattenkühle wälder blühen in der gunst des sonnenspiels reifende ähren in wiegendem tanze flüstern ihre weisen dem winde zu bricht dann die stille neuerlich hernieder, mit diesigem hauche... leise erhebt sich der nebel schließlich tritt die nacht in die welt wieder sind da spuren im schnee bei den bäumen der mond steht alleine in kalter nacht es ist eine stille ganz tiefe ruhe allmächtiges schlafen leise verliert sich das leben wartet auf den neuen tag
Peter Heppner

nemo ,zu hause , Wed May 24 00:06:22 2000


kattz: großartiges teil. :-)

Corvus. ,Berlin, eilig. , Wed May 24 09:17:11 2000


...nemo...nein, den Text kannte ich noch nicht....

alannis, gecoached ,Leipzig , Wed May 24 13:20:19 2000


Bestandsaufnahme

Frau. Homo sapiens, noch dazu weiblich. Weit entfernt von 20, noch nicht zu nah an 30. Studentin. Lernende. Lebende. Buchhändlerin, Leseratte, haltlos süchtig nach diesem Medium. Niederrheinerin. Tochter, Schwester, Katzenmutter. Freundin, Kumpel, Mitbewohnerin. Vamp? Wohl eher kaum.
Süchtig nach diesem Zustand, der sich Leben nennt. Christin. Gläubig. Eiserne Prinzipien,
oft belächelt.
Sarkastisch, ironisch, manchmal unverstanden. Schreibende. Zwang, Worte auf dem Papier festzuhalten. Sie aus dem Kopf zu kriegen. Braunäugig. Rothaarig.
Ohne eigenen Stil, und dennoch wohl unverkennbar ich. Raucherin, Teetrinkerin.
Schulter zum Ausheulen, gutmütig. Naiv manchmal. Temperamentvoll, spontan. Neugierig. Bockig. Sturkopf, geerbt vom Vater. Genauso die Nase, Augen, Mund.
Zuverlässig, wenn auch oft widerwillig. Kerzensüchtig. Solo. Nicht einsam. Ab und zu mal allein. Gerne allein mit mir selbst. Musik. In mir, um mich. Singende, Hörende, Fühlende....

alannis, realistisch ,Leipzig , Wed May 24 20:33:05 2000


Sehr geehrte Frau Alannis,
vielen Dank für Ihren Auftrag. Ihre Anzeige wird mit obg. Text in der Rubrik "Heiraten/Bekanntschaften" unter dem Chiffre 345673/5 am Samstag, den 27. Mai veröffentlicht.

Ihre Leipziger Volkszeitung

Anzeigenannahme ,Leipzi , Wed May 24 21:27:02 2000


also, ich habs gern gelesen. mag das, wenn jemand so über sich schreibt. auch wenn ich noch die traurigkeitsdiskussion von weiter oben im hinterkopf hab und was corvus dort über mythenbildung gesagt hat (war das jetzt eigentlich das richtige wort?).
auch krieg ich eiserne prinzipien mit ironie nicht recht zusammen. werd mal drüber nachdenken müssen.
unter kontaktanzeige würde ich das hier übrigens nicht setzen wollen. ich glaube, hier hat sich jemand allzu leicht von der form täuschen lassen. aber was ist es dann?
ich melde mich wieder.

kattz ,müde , Wed May 24 21:56:25 2000


woher kommst du denn eigentlich, alannis. pott und niederrhein - das klingt so nach krefeld, duisburg...
hab selber mal ne zeitlang in essen gelebt. und erinnere mich gerade, daß es da ne zigarettensorte gab, die man sonst nirgendwo auf der welt kaufen konnte. hab den verdammten namen vergessen. und dann der baldeney-see. die isenburg. damals war essen noch nicht anders.

kattz ,zechenromantiker , Wed May 24 22:03:31 2000


...cat...in Essen geboren, am Niederrhein aufgewachsen...auch dadurch geprägt? ;-)

alannis, rheinisch ,Leipzig , Thu May 25 11:11:59 2000


Psalm

Du bist drei Blutstropfen im Schnee.
Du bist mein Un-, mein Widersinn,
mein bißchen Lustgewinn.

Du bist meine Einsamkeit.
Du winkst im Wasser, Undine.
Du schmierst unsre Sexmaschine.

Du kommst in Schönheit wie die Nacht,
du bist der sichre Ort.
Du sprichst das eine Wort.

Du bist meine Bäckerblume,
mein Alpha und mein Omega,
mein F, mein U, mein C, mein K.

Du schreibst mein Gedicht, du bist
die Nougatcreme auf meinem Frühstückstoast.
Du bist mein Trost.

Du bist der Stein von meinem Grab.
Du bist das Mal auf meiner Stirn.
Du bist der Stahl in meinem Hirn.

Du bist die Hand, die mich segnet.
Ich bin dir nie begegnet. Robert Steegers


...so kann man es auch sagen....

alannis, begeistert ,Leipzig , Thu May 25 17:37:16 2000


Selbstanklage

Daß also ein letzter desperater Schritt
Die Zeiten enden könnte,
Davon gingst du aus mit geheimer, eifersüchtiger Freude.
Und daß nur blaue Träume und übergroßer Idealismus dich zurückhalten
war deine Erklärung - und keine Erklärung.
Du glaubtest tatsächlich, es wäre so leicht -
Du Narr.

Hyacinthus ,Lipsiae anno MM , Fri May 26 17:26:34 2000


ein merkwürdiger text, der merkwürdigerweise zu einem brief passt, den ich vor wenigen tagen erhielt. und in dem eine frau mir schrieb, es sei nur mehr stummheit in ihr. und sie sei aus unserer welt gefallen.
ich las diesen brief als einen abschied und als eine verlegenheit oder angst, es mir zu sagen. und da ich es ihr nicht unnötig schwer machen wollte, bat ich sie, auf alle erklärungen zu verzichten, sondern einfach leise zu gehen. und dann schrieb ich noch (da ich anders nicht verstehen konnte, wie eine solche entscheidung innerhalb weniger stunden in ihr hatte heranreifen können), daß ein leichter geschmack von verrat und lüge auf meiner zunge zurück bliebe.

sie erklärte dann doch. ohne allerdings zu sagen, was überhaupt vorgefallen war. was in ihr diese stummheit hervorgerufen hatte. tatsächlich weiß ich bis heute nicht, was eigentlich geschehen ist. nur eben, daß es etwas war, daß sie mir gegenüber verstummen ließ. was mir unverständlich ist. da ich mir nichts vorstellen kann, was ein schweigen rechtfertigen könnte.

vielleicht laufen zwischen uns aber auch nur mißverständnisse hin und wider. keine erklärungen zu wünschen, heißt ja nicht zu wünschen, eine zunge möge verstummen. im gegenteil. wie gern hätte ich sie reden gehört. am ohr des geliebten aber. nicht am ohr des beichtvaters, den sie aus mir machen zu müssen glaubte. zwischen dieser rolle, die mir zugedacht war, und ihr, setzte ich einen abstand. nicht zwischen sie und mich.

deswegen geht mir dieser text so nah. weil wenn ich ihn wie für mich hierher gestellt lese...

nie tat ich einen schritt, der von dir weggeführt hätte. du verwechselst das wort mit der wirklichkeit. nur im wort führt kein weg von hier nach dort.

strombo_liner ,nordwest , Fri May 26 18:25:03 2000


LOL..back to kattz

Hab auch ne katz, arabische Schönheit.
Islamische Moscheen deshalb, weil in diesen traditionell Ornamentik verwendet wird, die als Vorbild für diese Gleitspiegelungen dienten.(bsp.Escher)
Ich hab dort ein Jahr DAGG verbracht an der Akademie in Teheran, vor langer,langer Zeit.
Ornamentik ist eben orientalisch, kommt aus der Wiege der Menschheit, die aber für eine Frau heute schrecklich schwer zu finden ist.

to be continued, wenn ich mit meiner Samstagsarbeit fertig bin..

alinia ,santa cruz , Sat May 27 12:12:58 2000


du brauchst aber verdammt lange für deine samstagsarbeit, alinia. und ich hab jetzt hunger.

kattz ,aachen , Sat May 27 19:14:35 2000


Diarium obscurus

Samstag nachmittag: ich bin allein wie so (viel zu) oft und denke nach und wüßte für die Frage "Wonach?" dennoch keine Antwort und muß lachen und könnte weinen.
Ich halte mich für den einsamsten Menschen den ich kenne und muß wieder lachen ob dieser seltsamen Logik (EINSAMSTER Mensch den ICH KENNE!) und könnte weinen.
Ich denke zu oft und vergesse über dieses Denken das Leben und ich träume zu oft und erträume mir ein Leben das aufgrund fehlender Realität gezwungenermaßen enttäuscht.
Wem Eskapismus ein Schlüsselbegriff des eigenen Lebens wird dem wird dies Fliehen zum Fluch und zum Grab denn die Welt und die Menschen sind so begehrbar.


Verstrickt im Netz der Angst
Habe ich mich selbst erkannt
Unfähig zu existieren
Bin ich nicht bereit mich selbst zu tragen
Lieg ich im Dreck der Gleichgültigkeit
Und lebe den Tod der Vergessenheit
Bin ich nur eine Kreatur der Langweile
Nur ein schlechter Witz in einem leeren Wartesaal

Ich träumte einst vom Leben
Und träumte einst von Liebe
Doch aus dem Leben wurde Flucht
Und aus der Liebe wuchst die Angst ...
(aus LOBLIED AUF DIE ZWEISAMKEIT, Tilo Wolff)

Hyacinthus ,Leipzig , Sat May 27 21:24:07 2000


Tagebuch, Sonntag, 28.05.2000...es ist verrückt, wie Dinge im Nachhinein eine ganz andere Bedeutung bekommen können - das Sommerfest war an sich schon ein schönes Highlight in diesem Jahr...wenn man dann im Nachhinein noch Dinge erfährt, die dort hätten sein können...dann sitze ich zumindest still in meinem Zimmer, lächle und denke....ja....weird life....but I love it....

alannis, müde ,Schweinebackenroom , Sun May 28 03:20:05 2000


hyazinthe du hast echt den arsch offen

nemo ,zu hause , Sun May 28 18:51:35 2000


Hallo zusammen !
seit heute bin ich ein interessierter Fan von diesem keinen schnuckeligen Forum. Ich bin per Zufall auf euch alle gestoßen und lese nun seit einer Sunde interessiert eure Texte. Ich weiss nicht ob ich hier wilkommen bin weil ich ja kein Sudent mehr bin sondern ein "Abbrecher-Verbrecher". Also sag ich erst mal auf diesem Wege Hallo !

Silvinjo ,frisch aus Ibiza , Sun May 28 23:52:05 2000


Aus Samstagarbeit ist eine Blinddarmreizung meiner Tochter geworden.
Ausserdem hat mein SOhn sich ein Loch in den Schädel geschlagen als er versuchte in eines dieser Zeitlöcher von seinem Hochbett zu springen.
Der grosse Sohn meinte nur lakonisch: brauch n bisschen Ruhe, leihst Du mir Dein Auto?

Also, stehen sie still ein wenig, die Bilder in meinem STudio und die Finger klappern Geschirr statt Tasten.
Hi, heute wieder ein neuer Arbeitsstag, muss noch zwei Drehbücher durchackern, sie handeln von der Katastrophe in Carracas und sollen ins Englische übersetzt werden.

Leider heute keine Zwischenräume mehr gefunden, Vordergrund Auto, Hintergrund Regen.
Die Welt kracht im Kreuz.

alinia ,santa cruz , Mon May 29 09:23:18 2000


nee, hyacinth, dieser Text von Tilo Wolff (kenn ich nicht) ist wirklich fürchterlich. Das ist wirklich echter Kitsch: die Größten Worte für die Kleinsten Dinge.

Bin mal gespannt, wo das hier hintreibt. Islamische Ornamentik ist jedenfalls nicht schlecht. Bilderverbot. So wie hier. Es sei denn, Mario kommt mit ASCII-Art wieder hintenrum zum Bild. Alter islamischer Trick: mache die Zeichen zum Bild, das umgekehrte Verfahren wie bei den Ägyptern.

Corvus. ,Berlin , Mon May 29 09:44:41 2000


Silvinjo...herzlich willkommen - bin ich hier eigentlich die einzige, die neue Gesichter begrüßt??....tob Dich aus - textasy freut sich....

alannis, wach ,Leipzig , Mon May 29 10:15:51 2000


Ihr habt doch alle eine an der Klatsche...

Was bewegt jemanden zu diesem Kommentar?

etwa...
Hasenköpfe mit Geflügelrumpf und einem Schweinebein/ Zwei Lachsköpfe angenäht an einem Kaninchenrücken und zwei Entenfüßen usw. auf jeden Fall alles lecker fein säuberlich schwimmend in drei mit Alkohol gefüllten Aquarien...

oder...
eine Videoinstallation bei der sich zwei Monitore gegenüber stehen. Der eine zeigt einen Frauenmund der laut und immer hysterischer "i love you" brüllt. Auf dem anderen läuft eine Art russisches Roulette für die "Hand", also im irrsinnigen Tempo wird in die freien Räume zwischen den Fingern ein Messer gerammt. Ab und zu trifft das Messer auch mal daneben. Dazu dann schmerzverzerrtes Stöhnen.

oder...
von hinten beleuchtete Bildern die locker aus einem Hochglanz-Kochbuch stammen könnten, daneben die Fotokopien von Exekutionsberichten mit dem Hinweis auf ihre "Henkersmahlzeit"...

oder...
sechs Bilder einer Frau mit freiem Oberkörper und jedesmal einem anderem Brustpaar - von S bis XXL?

ich kanns verstehen...

abdiepost - das 4. junge kunst festival im alten Postfuhramt Berlin (Oranienburger Str.)

MARiO ,zurück in L.E. , Mon May 29 15:21:30 2000


Liebe Freunde.

Altes verschwindet, kommt in den Keller - 1 & 2 zack ins Archiv
Neues kommt, textasy kommt - weiß wie... - auf jeden Fall schnell, schnell...

MARiO ,räumt auf... , Mon May 29 15:58:26 2000


LESEZEICHEN FÜR ERWACHSENE

Auch die wunder im märchen
sind verauberte wunden des dichters

Reiner Kunze

the mute clown ,somewhere in danmark , Mon May 29 22:24:22 2000


VERZAUBERT natürlich

t.m.c. ,tippfehler , Mon May 29 22:25:34 2000


Tagebuch, 30.05.2000: .....spontane Dinge...tun....obwohl das nicht meine Sache ist....manchmal...ja, manchmal....sind gerade diese Dinge die besten....sich nachts um viertel vor 1 mit jemanden treffen - weil es einfach sein muß....ohne groß nachzudenken....das ist ein Geschenk....eines von vielen klitzekleinen Geschenken, die dieses großartige Leben für uns bereit hält...wenn wir denn bereit sind, diese Geschenke überhaupt entgegenzunehmen oder zu registrieren....an dieser Stelle danke an "mein Sire".....ich geh jetzt schlafen....ohne Zwiegespräche mit mir oder Esmeralda führen zu müssen....nein...heute kann ich gut schlafen...

alannis,fast im Bett ,Schweinebackenroom , Tue May 30 02:17:23 2000


Leidenschaft

In das sächsische Idiom übertragen, heißt "Umleitung" bekanntlich "Umleidung". Gedenkt man der zahlreichen Situationen , die uns zum Gebrauch dieses Wortes nötigen , solange wir uns jedenfalls in und auf den Bahnen der Leipziger Verkehrsbetriebe bewegen, so scheint dieses Wort tatsächlich nur zu exestieren, um Leid zu schaffen. Wer weiß, wie viele Kinokarten deshalb schon verfielen, Theaterstücke ungesehen blieben und Rotweine ungetrunken. Aber nein! Ganz anders.
Noch während ich auf meiner abendlichen Heimfahrt einer vulgär-etymologischen Deutung des Wortes Um-leid-ung nachging, wurde ich eines Besseren belehrt. Stiegen doch am Hauptbahnhof zwei junge Männer zu, die vereint und sich wechselseitig stützend wenigstens halbwegs das zu Stande brachten, was man im Allgemeinen einen aufrechten Gang zu nennen pflegt. Schon bei der nächsten Station entspann sich das folgende aufklärende Gespräch:
A: Nej, diese schaais Umleidung, die goddsd misch vielleichde mol an!
B: Weesde Schorschl, mir mochd die bleede Umleidung gor nischde mär aus. Da gej´sch immr forhär noch bain Bohnhof rin un goff mir ne Bulle Ruß. Die donner´sch mir donn wärnd do Fohrd rin. Na un wenn´sch donn endlisch heeme bin, bin´sch weijnischsdns rischtsch full.
A: Frailich, sou hasde ooch von do Umleidung noch was davonn.
B: ´türlisch, sach´sch´s dir nisch? Sou is mir dä bäglobbde Umleidung nämlisch gons egol.
Recht hat er!

mesz ,Lpz.Volkszeitung , Tue May 30 15:58:10 2000