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| loop # www.imloop.de

loop #582

spring of loop

 

Schreiben als Arbeit
Lesen als Arbeit
Intellektuelle Tätigkeiten

pflügen, säen, ernten, ausmisten, Trecker fahren, melken, Schweine füttern

ein Instrument üben
konzertieren
zusammen spielen
proben
eine Partitur studieren
Noten lernen
sich verbessern
dran feilen

fern sehen
einkaufen
viele mails an eine Schulfreundin schreiben, die ich seit fünfzig Jahren nicht gesehen habe
interessante Details von ihr erfahren
ihr Geburtsdatum notierte ich in einem Kalender ohne Deckblatt
ich war verliebt in sie, irgendwie (eine noch kindliche Verliebtheit)
ihr Vater: vierzehnjähriger Flüchtling aus Ostpreussen (sein Name eher ungarisch)

was einer wissen muss
was einer lernen muss
was wir lernen sollten
wie wir uns verhalten sollten
wer weiß denn, wie die Zukunft aussieht?
wer weiß denn, wie lange er noch lebt?
wer weiß denn, wie es weitergeht?
und was danach kommt?

ein Haus gebaut, drei Söhne erzogen
Mitglied der Feuerwehr (wahrscheinlich)
dörflich integriert (womöglich)
neunzehnhundertsiebzig einen der Frauenberufe erlernt (Hauswirtschaft, Zahnarzthelferin, Arzthelferin, Krankenschwester, Verkäuferin, Frisöse, Altenpflegerin usw.)

Lebenswege
Lebenswege, die sich kreuzen
Erfahrungen, Ansichten, Austausch, schreiben können, gerne lesen (keinen Schund)

erste Miniröcke
hohe braune Schaftstiefel
in der Hitparade wochenlang die songs der Beatles
auf der Blockflöte etwas vorspielen müssen und eine Eins dafür bekommen
(meine damaligen Lieblingslieder: Wenn alle Brünnlein fließen, Und in dem Schneegebirge)
in den Ferien: die Baßblockflöte ausprobieren dürfen
Querpfeifen, eine Trommel, die Lyra, die Leihgitarre, dann die 'billige' von Lindberg in München (die kam per Post)
Quelle, Neckermann
der Quelle-Katalog, der Neckermann-Katalog
sogar: kostenlos die Werke des 'großen Vorsitzenden' Mao Tsetung;)
Briefmarken womöglich
Anzeigen
der Kontakt zur Welt
der Brief nach Australien: die mögliche Brieffreundin
ein Foto
der Austausch
die Woche in Frankreich (Sillé-le-Guillaume)
die Gitarre, der Blues, das Zusammenspiel
House of the rising sun
The Nice, Chicago, Renaissance
Katchaturians Säbeltanz
die Schlachtfamilie
das Schlachthaus
die Gesellen mit am Mittagstisch
Willy Brandt oben im Fernseher (um Ostern 1970)
Bücher über Napoleon
die Schwester, die zwei Brüder
die Gitarre spielenden Brüder besuchen und Rockmusik hören
la maison des jeunes (Schach, Tischtennis, Musik, Gitarre, Gespräch)
die Exkursion nach Le Mans und St. Malo
am Atlantik, das Foto (ich schicke es ihr)
sie war schon verliebt in den Mann/Jungen, den sie dann heiratete

Wandertag zum Heiligenberg
Fotos
ein sommerlicher Tag
eine Wassermühle, Wald, Wanderwege, Hügel
das open air - Theater der Landjugend (nie erlebt)
das Weihnachtstheater in der dörflichen Gastwirtschaft (nicht gesehen)
Fotos mit meinem Bruder, der Schwester und einer Cousine
Laienschauspieler
plattdeutsch womöglich, wahrscheinlich
Henry Vahl und Heidi Kabel vom Ohnsorg-Theater in Hamburg im Fernseher
und Hans-Joachim Kulenkampf aus Bremen
Peter Frankenfeld
Wim Toelke
Lou van Burg
Rudi Carell wohnte ganz in der Nähe, der Fleißige
(eine Art Biografie von ihm gelesen: wo ist das Buch geblieben? Heyne-Verlag oder so)
Hans Rosenthal
Ilja Richter
Harry Valerien
Dieter Kürten
Köpke von der Tagesschau
'Welches Schweinderl hätten's denn gern?'
Spiel ohne Grenzen mit Frank Elsner
Mit Schirm, Charme und Melone (der erste Fernseher 1967)
'Die Vögel' von Hitchcock (nicht einschlafen können)
'Ben Hur' im Kino (mein erster Kinofilm)
"Gestatten: mein Name ist Cox" (den Krimifolgen lauschen am Radio in der Stube)
Lautsprecher in der Küche und oben im Schlafzimmer
der Elektroherd von AEG
der späte erste Kühlschrank
die frühe halbautomatische Waschmaschine (für die Wäsche der zehn Personen)
das nicht vorhandene Badezimmer
die Toilette neben der Waschküche und dem Saustall
Diele und Kuhstall
Schwalben
der Hund, die Küche, der lange Flur, die Stube hinten, das Elternschlafzimmer noch dahinter
die Treppe nach oben, gebogen
zwei Schlafzimmer wurden ausgebaut, dann ein drittes
drei Betten in einem engen Zimmer ohne Heizung, mit Dachschräge (dann der Radiator), dann nur zwei
der Tisch zum Hausaufgaben machen
Radio, Tonbandgerät
die Gitarre, der Notenständer (das Erbstück, das ich mir aneignete)
ein Nachttisch zwischen den Betten
mit der Schwester nachts im Bett, dann bekam sie ein eigenes Zimmer gebaut (die Rumpelkammer)
Poster an den Wänden und Eiskristalle im Winter, ein Spiegelschrank
hier hatte sie ihren ersten Sex (das quietschende Bett)
der Rauchfang
die Bettgestelle aus Eisen und die aus Holz
das Vertiko und die Wäschemangel im Treppenhaus, ein Schrank mit Wäsche
Bücher von Bertelsmann (Albert Schweitzer: das Foto, Ludwig Ganghofer)
das sechsbändige Lexikon
das kleine Buchregal über dem Bett, vom Tischlerfreund gefertigt
meine Bücher standen im Nachtschrank
der Totenkopf, ein Ring aus dem Kaugummi-Automaten
im Gemischtwarenladen gab es Langnese-Eis und Bücher zum Verschenken, sowie wohlschmeckende Schokolade: sechs runde Riegel oder große Einzelstücke
Karina, Vollmilch
mein Cousin verkaufte Schöller-Eiscrème und DAB: Dortmunder Aktienbräu
sein Vater und seine Mutter tranken jeden Abend ein Bier zum Abendbrot
Er belieferte die Bauern mit Tierfutter und starb früh an Krebs:
There's a quiet power in our life...

 
G├╝TeE - Hinterwäldler - 20. Mai 2020 0:35 Uhr