loop #349
summer of loop
Du möchtest dir wohl deine Leichen betrachten.
anton - ngz. - West - 7. September 2010 0:41 Uhr
Frühschoppen am Samstag...
Martin Wingerter - Wien - 5. September 2010 23:12 Uhr
Blatt für Blatt Ich beobachte mich beim Umblättern meiner Gedanken, Ein Stapel Manuskriptseiten, Blatt für Blatt, Schreibmaschinenschrift erkenne ich, Überklebt mit Änderungen, durchsetzt mit Ergänzungen, Die wie Wimpel an den Blättern flattern, Abgerissene Streifen, kleine Papierfetzen aus Haut, Mit Seitenzahlen nummerierte und eingefügte kleine Zettel, Als betrachtete man die Rückseite eines Stückes Strickware, Auf der das Muster sich verwirrt zu einem Gespinst von Fäden, Die nicht das Ornament zeigen, wohl aber die Verknüpfung, Nach der das Muster entsteht. Ihr Mund weich, Doch wie etwas, das verwittert, Ihre Augen unruhig, Doch als wäre die Unruhe professionell, Müde Perfektion, alle Gesten oft vollführt, Wie sie sich das Haar aus dem Gesicht streicht, Wie sie lächelt auch verwitterte Unsicherheit, Als wüsste sie nicht, Wie lange das Gelernte noch brauchbar sein wird, Ob es schon zu verrotten beginnt. Die Grenzen des Erzählbaren zerfließen, Die Wörter Wunden, in der keiner mehr die Hand legt Ohne Zweifel, Klaffend der Spalt zwischen Wort und Lippenbewegung, In dieser fremden Umgebung wachsen Menschen aus einem Buch, Blinde Götter, für die niemand mehr betet. Schade, dass mir keine Wahl bleibt, Die einzig mögliche Haltung ist die der Fremde, Wenn etwas berührt wird, Wird es glitschig unter den Händen. Einmal müsste ich von der Erklärung Auf die bloße Beschreibung kommen, Und während ich erzähle, Lausche ich meinen Gedanken, Stoße mich vom Anfang der Geschichte zum Ende, Ich habe keine Chance, Denn im Grunde ist es ja immer derselbe Weg, Von den Geschichten zur Verwunderung, Und von der Verwunderung zu den Geschichten, In Wirklichkeit kehrt man stets zurück. Dass man da, wo der Schmerz beginnt, Keine Augen mehr hat, keine Sprache, nichts mehr, Nur noch das Eingeständnis der Wunde. Doch schon ist alles verraten an die Angst, Wird Tarnung, Übergang und Flucht, Blatt für Blatt.
anton - schreibstube - 5. September 2010 15:35 Uhr
Wiederbelebungsversuche Einer, beim Baden verunglückt, Liegt am Strand, in eine Decke gehüllt, Ein Beatmungsgerät auf dem Mund, Zwei in weißen Kitteln beugen sich über ihn, Einer mit weißem T-Shirt und Mütze, Eine Menschenmenge, die in die Kamera schaut. Das Meer sieht man nicht. Der Tote hat keinen Blick für mich, Doch hinter ihm kniet ein junges Mädchen, Mit kleinen Brüsten und knochigen Hüften Im Badeanzug und lächelt, ist hübsch. Und als ich mich in ihrem Blick verfange, gruppiert sich plötzlich alles neu, selbst der Tote, So, dass mein Blick ihr zufällt. Keiner der Umstehenden bemerkt, dass sie den, der vor ihr liegt, Mit ihrem Lächeln umbringt. Ich wühle im Gestrüpp trügerischer Bilder, Die meine Seele ausschwitzt, Mit geliehenen Wortprothesen - Bei meinen Wiederbelebungsversuchen.
anton - schreibstube - 3. September 2010 18:02 Uhr
Sardische Söhne Ein Mal im Jahr können sich die sardischen Söhne aus den U-Bahnen freikaufen. Sie rollen dann in Blechschüben vorbei an ihrer Drangsal in italienische Häfen, wo es nie genügend Schiffsbillets gibt. Da warten sie und europäische Rucksacktouristen, bis ihr Schiff endlich ausläuft. Ihr Herz klopft heftig, wo sie bald zuhause sein werden, in der Heimat. Und ihr Blick geht zurück nach Genua, dem Dreckshafen und all dem andern Dreck, der dahinter liegt, bis hinauf nach Stockholm. Jeder im Dorf weiß, heute kommt ihr Sohn nach Hause, und er wird Gäste mitbringen aus Deutschland und seine Frau, die er dort, in der Fremde, geheiratet hat. Mama Sardegna, koche gut. Dein Sohn kommt heute nach Hause, in die Heimat, die nicht alle Söhne ernähren kann. Weine nicht um ihn, wenn er in den großen Städten arbeitet, denn er ist jung und stark. Frag ihn nicht, ob ihm seine Arbeit gefällt. Er ist ein Lohnsklave. Nun fährt er im so gut wie neuen Mercedes durchs Dorf, und sein Herz pocht wild. Er sieht das Gesicht von Mama, und wunderbare Tränen heilen den heimatlosen Industriearbeiter. Koche gut, Mama Sardegna. Dein Sohn kommt heute nach Hause, in die Heimat, die nicht alle Söhne ernähren kann. Ruinas in Sardegna, im August
anton - 3. September 2010 14:53 Uhr
Auf einen Verlängerten
Martin Wingerter - Wien - 3. September 2010 1:09 Uhr