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| loop # www.imloop.de

loop #522

autumn of loop

 

96 Jahre alt würde er morgen werden
und
hätte es nicht diesen dummen Krieg gegeben,
wäre er sicher nicht schon mit fast 46 Jahren gestorben.

Aber wer weiß schon, was sie alles auf dem Gewissen haben
diese 'Kindernazis'?!
Denn erzählt haben sie
nichts,
erzählen konnten sie, mochten sie nichts.

Ein Mitläufer, Befehlsempfänger
Einer, der nur Arbeit kannte:
die ländliche Arbeit auf Wiese und Feld,
im Stall und mit Ochsen.

Pflügen, eggen, dreschen (mit Dreschflegel noch die Eltern),
Schweine füttern, Kühe melken (das machten die Frauen),
Brot backen im Backhaus, Hausschlachten einmal im Winter.

Ein Pasolini war im Widerstand und verlor seinen Bruder,
ein 'Hans und Sophie Scholl' war er sicher nicht,
doch sein Vater (der Ersteweltkriegsteilnehmer) verweigerte den Dienst
einmal
und hatte noch Glück dabei (war so an die 60 schon).

Dreimal verletzt, dem Tode recht nah,
kommt er nochmal nach Haus
und heiratet!
Das war im November 1944.
Zwei Wochen später darf er wieder in den Krieg ziehen
(das hat er sich nicht gewünscht!)
und noch bis Anfang 1948 in russischer Kriegsgefangenschaft arbeiten und hungern - was weiß ich?

Briefe schreibt er an seine Geliebte,
die dann seine Frau wird
und bei seinen Eltern lebt, den ersten Sohn bekommt.

Das Haus wird alt, zerfällt:
sie ziehen um und ich mit ihnen (gut ein Jahr alt) -
nur ein paar hundert Meter weiter.
(Alle Häuser und alles Land gehören einem Großgrundbesitzer!)

Meine Vorfahren waren offenbar alle Bauern:
Kleinbauern ohne Grundbesitz.
Von uns sechs Geschwistern ist einer nur (der gelernte Maurer) halbwegs ein Bauer geworden (im Nebenerwerb und eingeheiratet).

Nun ja: nicht alle konnten den (nicht vorhandenen) Hof erben;)

Aber meckern muss ich nicht, darf ich nicht
(arm war ich immer, werde ich immer bleiben)
Wir Deutsche sollten nicht meckern:
wir Kriegsverlierer waren doch Gewinner -
so seltsam das klingt.
Uns geht es gut (so sagt man, so steht es in den Zeitungen)
Die Wirtschaft boomt (mal wieder, aber das kann sich wieder ändern)
Die Armen werden ärmer und die Reichen reicher
(mir reicht's!)

Eine lange, lange Friedenszeit,
die wir erleben durften,
doch hier und da gab's immer Streit!
Konflikte gibt es immer
wieder
(wenn auch nicht naturgegeben)

Und wer ist Schuld,
und was hilft weiter?
Wir bleiben schön gelassen,
heiter!
In dem Konflikt
würd's schwierig werden!
Im Streit
gibt's keine Sieger,
wir brauchen keine Krieger mehr
und auch nicht Überflieger.

Doch was wir bräuchten
sind Bücher,
ist Bildung:
da wurde so Vieles zerstört
und gekappt und vernichtet.
Die Schreiber und Denker
gleich mit.

Die Kette:
zerissen, notdürftig geflickt!

Und keiner
erinnert sich mehr.

 
GŁTeE - home sweet home, Basislager - 21. November 2017 23:00 Uhr
 

Ausgelesen
endlich:
Enzo Siciliano: Pasolini

 
GŁTeE - 21. November 2017 21:55 Uhr
 

Ist das der Plan
für den Roman?
Oder ein Bild:
schon ziemlich wild!
Abstrakt, modern:
so hab' ich's gern!

 
GŁTeE - hoch im Kurs - 21. November 2017 21:37 Uhr
 

Leonardo 2017

 
monik sos - Stock Exchange - 17. November 2017 22:06 Uhr
 

ich will mal wieder in den wald
dort ist es nicht so furchtbar kalt
doch merke ich: ich werde alt!
das laufen, gehen: alles verkalkt

dann lass ich mich im wald begraben
hast etwa du noch weit're fragen?
dann solltest du sie nicht vertagen
sonst schlägt es dir noch auf den magen

im wald, da weht ein milder wind
da ist natur und stille
ich möchte sterben wie ein kind
das ist mein letzter wille

 
GŁTeE - waldfriedhof - 16. November 2017 23:32 Uhr
 

Ich bin kein Bauer mehr
wie noch als Kind
Ein Musiker
bin ich aber auch nicht geworden
nicht wirklich
Doch mußte ich leben
und Geld verdienen
So schuf ich mir meine Hobbies
meine Liebhabereien
Und schrieb mein Tagebuch

Begrabe mich in Einsamkeit
versteckt im Gestrüpp
der Bücher und Buchstaben
und bleibe, der ich immer war:
allein
eine Stecknadel im Heuhaufen:
so wird man mich vergessen
und suchen

So wird man sich erinnern:
an was? an wen?

Ich weiß doch selber nicht mehr, wer ich bin!
Doch weiß ich sicher
wer ich war
und was ich tat
und wo ich stand
wohin ich ging!

Und fühle mich schuldig
und werde gerichtet einmal - vielleicht
Das Urteil:
schuldig (und zum Tode verurteilt!)

So leben wir ewig
(oder auch nicht: wer kann es wissen?)

 
GŁTeE - auf dem Weg, unterwegs - 15. November 2017 23:37 Uhr
 

Mein Vater ist nun fünfzig Jahre tot
Und lebt doch noch in mir, in Dir!

 
GŁTeE - Friedhof - 15. November 2017 23:06 Uhr
 

Komm' in den Wald
Da ist es nicht kalt!

 
GŁTeE - 15. November 2017 23:00 Uhr
 

Wieder mal im Wald

 
monik sos - Wieder mal im Wald - 15. November 2017 21:17 Uhr